Spaniens neuer Artikel 22.6 LEC: Der Staat zahlt die Miete

Artikel 22.6 der spanischen Zivilprozessordnung (LEC) gibt der Verwaltung zwei Monate Zeit, die Miete eines schutzbedürftigen Mieters zu zahlen oder in dessen Schuld einzutreten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens neuer Artikel 22.6 LEC: Der Staat zahlt die Miete
Die Verwaltung tritt in die Schuld des schutzbedürftigen Mieters ein

Die Verwaltung zahlt die Miete. Das ist keine Stammtisch-Übertreibung: Genau das ordnet der neue Artikel 22.6 der Zivilprozessordnung (Ley de Enjuiciamiento Civil, LEC) an, den das Dekret-Gesetz einführt. Ist die Schutzbedürftigkeit nachgewiesen, hat die zuständige öffentliche Stelle ab der Benachrichtigung eine höchste, nicht verlängerbare Frist von zwei Monaten, um angemessenen Ersatzwohnraum anzubieten oder das Geschuldete zu zahlen. Während diese Uhr läuft, sind das Verfahren und die Räumung ausgesetzt. Das Kleingedruckte ist es, das alles verändert.

Was Artikel 22.6 der LEC genau besagt

Der Mechanismus hat drei mögliche Ausgänge, und nur einer führt zur üblichen Räumung. Zahlt oder hinterlegt die Verwaltung den gesamten geschuldeten Betrag innerhalb der zwei Monate, gilt das Mietverhältnis als wiederhergestellt, das Verfahren endet und der Vertrag bleibt bestehen. Kommt stattdessen Ersatzwohnraum, bekommt der Eigentümer auf anderem Wege sein Geld. Lässt die Verwaltung die Frist verstreichen, ohne das eine oder das andere zu tun, tritt sie automatisch in die Schuldnerposition des Mieters ein: Es gibt keine Räumung, und das Mietverhältnis bleibt bis zu seinem Ablauf bestehen, solange die wirtschaftliche Schutzbedürftigkeit andauert.

Zwei Details der Formulierung verdienen Hervorhebung. Erstens ist der Schuldenübergang automatisch, weder Ermessen noch eine neue Akte nötig. Zweitens bleibt die Schutzbedürftigkeit als Voraussetzung sine die bestehen: Der Text legt nicht fest, wann sie erlischt. Die Regel gilt nicht in jedem Fall, aber wenn sie greift, dann bis zum Ende.

Wer zahlt die Rechnung für den sozialen Schutzschirm

Hier verläuft der Konsens quer durch die Lager. Für viele ist es besser, wenn der Schutzschirm über Steuern von allen Steuerzahlern getragen wird, statt dass das Los einen einzelnen Eigentümer trifft. Das Argument ist ein Lehrbuchargument: Staatliche Ausgaben werden theoretisch proportional und gerecht verteilt, während die Last auf eine Privatperson reiner Zufall ist. Ein Vermieter mit einer einzigen Wohnung muss nicht die Sozialpolitik aller finanzieren, nur weil er das Pech hatte, an jemanden zu vermieten, der später in Not gerät.

Dagegen spricht der Anreiz, den genau diese Logik schafft. Wird der Zahlungsausfall auf die Staatskasse abgewälzt, lernt der Vermieter eine einfache Lektion: nicht an jemanden vermieten, der am Ende in eine Notlage geraten könnte. Der perverse Effekt: Die eigentlichen Empfänger der Hilfe könnten als Erste vom Markt verdrängt werden.

Die Angst vor der Enteignung und der Verweis auf das Kataster

Durch die ganze Angelegenheit zieht sich ein Verdacht: dass öffentliche Zahlungen an Eigentümer nie den Marktpreis erreichen. Es wird behauptet, die Verwaltung bewerte die Wohnungen nach internen Kriterien, näher am Katasterwert als an dem, was der Nachbar für die Wohnung nebenan verlangt. Von dort zum Sprung zu leerstehenden Wohnungen und zur Enteignung des Nießbrauchs ist es ein kurzer Weg – aber es ist der Weg, den manche bereits laut gehen.

Im politischen Hintergrund stehen die Ironie über Geld drucken, um die Rechnung auszugleichen, und die Erinnerung an ein anderes Szenario: die Wohnungen, die in den Händen der abgewickelten Sparkassen (Cajas) landeten, ohne Verkaufsmöglichkeit in die soziale Miete zu überführen. Ein Vorschlag, der vielleicht billiger und deutlich älter ist als dieses Dekret-Gesetz.

Der Zeitplan entscheidet

Mit diesen Voraussetzungen ist absehbar, dass sich das untere Segment des Marktes verengen wird, solange niemand klärt, wie Schutzbedürftigkeit offiziell nachgewiesen und von wem sie bescheinigt wird. Aber man sollte sich daran erinnern: Solche Maßnahmen entstehen fast immer mit dem Anspruch, zu bleiben. War das vor zwei Jahren noch eine Talkshow-Idee, ist es heute ein Artikel der Zivilprozessordnung.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (22 Antworten).

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