Spaniens Arbeitsministerin meldet Gewinnanstieg bei Selbständigen
Die zweite Vizepräsidentin und Arbeitsministerin Yolanda Díaz verteidigte im Kongress die Verkürzung der Arbeitszeit mit einer Reihe von Zahlen: KMU verdienen 20 Milliarden Euro mehr als 2019, Selbständige haben ihre Gewinne um 6,754 Milliarden Euro gesteigert und der Handel kommt auf weitere 15 Milliarden Euro. Die Daten, als Autoritätsargument lanciert, fielen bei denen, die auf eigene Rechnung arbeiten, wie ein kalter Guss. Denn die offizielle Schlagzeile kollidiert mit der Alltagsbuchhaltung: Beiträge, die nicht sinken, Kosten, die steigen, und das weit verbreitete Gefühl, dass der Gewinn von der Inflation aufgefressen wird, bevor er in der Kasse landet.
Der am häufigsten wiederholte Widerspruch leugnet die Zahl nicht. Er interpretiert sie neu. Die kumulierte Inflation der letzten Jahre verwandelt jeden nominellen Anstieg in eine Fata Morgana, und die Verallgemeinerung des elektronischen Bezahlens hat Umsätze ans Licht gebracht, die zuvor bar zirkulierten. Das heißt: Es wird mehr deklariert, aber nicht unbedingt mehr verdient. Die Diskussion dreht sich daher nicht darum, ob die Daten existieren, sondern was genau sie messen.
Was Selbständige sagen, passt nicht zu den Daten
Die am häufigsten wiederholte Antwort in Wirtschaftsforen ist eine unbequeme Frage: Wenn Selbständige im Überfluss schwimmen, warum gehen sie dann nicht früher in den Ruhestand? Ein Selbständiger fasst es ohne Schnörkel zusammen: Er bekommt etwa 1.000 Euro netto pro Monat heraus, und die Betriebe, die er kennt, halten bis zur Rente durch, weil niemand sie kaufen will. Der schwarze Sommer, über den einige Medien berichten – mehr als 15.000 verlorene Stellen zwischen Juli und August im Regime der Selbständigen –, dient als Gegenpol zum offiziellen Optimismus.
Das am häufigsten vorgebrachte Argument ist das Risiko. Der Selbständige haftet mit seinem Privatvermögen, trägt Krankheitskosten für Angestellte, die die Sozialversicherung nicht deckt, und navigiert durch einen Gesetzgebungsdickicht, das sich jede Legislaturperiode ändert. Als Gegenleistung: null Sicherheitsnetz. Das ist der Preis der Freiheit, ironisieren manche, während andere darauf hinweisen, dass ein großer Teil der Gruppe Scheinselbständige sind, die durch arbeits- und buchhalterische Normen geschaffen wurden, und dass ihre Summe die Statistik aufbläht, ohne dass einer von ihnen mit Leichtigkeit den Monatsschluss erreicht.
Bruttogewinn ist nicht das, was in der Tasche bleibt
Hier liegt der technische Knotenpunkt, den fast niemand diskutiert. Gewinn, Einnahmen und Umsatz sind keine Synonyme, und die Schlagzeile vermischt sie. Ein Unternehmen kann mehr Umsatz machen, weil es die Preise zur Kostendeckung erhöht hat, und dennoch real weniger verdienen. Der Steuerdruck – monatlicher Beitrag, Einkommensteuer (IRPF), Mehrwertsteuer – wird auf diesen aufgeblähten Umsatz berechnet, nicht auf die endgültige Marge. Daher empfinden viele Selbständige die offiziellen Daten als Bedrohung: Wenn ich mehr verdiene, steigen meine Beiträge.
Manche behaupten, der Gewinnanstieg falle mit der Verallgemeinerung des elektronischen Zahlungsverkehrs und der Inflation zusammen, sodass gewachsen sei, was deklariert wurde, nicht das verfügbare Einkommen. Andere weisen auf die Sektor-Konzentration hin: Große Hotelketten haben Familienbetriebe übernommen, und ihre Margen ziehen den Durchschnitt nach oben. Die vollständige Berechnung, Posten für Posten, zeigt Unterschiede, die überraschen, wer nur die Schlagzeile liest.
Warum die Regierung diese Zahlen für die Arbeitszeit nutzt
Der Kontext zählt. Die Vizepräsidentin muss demonstrieren, dass die Wirtschaft widerstandsfähig ist, um die Verkürzung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu rechtfertigen. Wenn Unternehmen mehr verdienen, können sie diesen Überschuss in Freizeit verteilen. Die Logik ist makroökonomisch kohärent, ignoriert aber, dass der Großteil des spanischen Produktionsgewebes aus Kleinstunternehmen mit engen Margen und zwei oder drei Mitarbeitern besteht.
Auch der internationale Vergleich taucht in der Diskussion auf. In Deutschland oder Frankreich, so das Argument, zahlt ein Selbständiger, der kaum Umsatz macht, kaum Beiträge, während in Spanien der Beitrag gezahlt werden muss, auch wenn der Betrieb keinen einzigen Euro einnimmt. Dieses Detail entscheidet eher als der aggregierte Gewinn darüber, ob jemand sich anmeldet oder schließt.
Mit diesen Bausteinen wird die Zahl von 6,754 Milliarden weiterhin in Reden zitiert werden und weiterhin an den Haushaltskassen abprallen. Die vernünftigste Vorhersage ist, dass die Lücke zwischen der offiziellen Erzählung und dem täglichen Kassensturz sich nicht von selbst schließen wird: Eine Aufschlüsselung nach Sektoren, Größen und Jahren, die heute noch niemand auf den Tisch gelegt hat, wird nötig sein. Bis dahin wird jeder Selbständige seine eigene Rechnung aufmachen, und diese Rechnung schafft es selten in die Schlagzeilen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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