Krawalle in Barcelona: 128 Festnahmen, darunter 72 Minderjährige

128 Festnahmen, davon 72 Minderjährige, 14 verletzte Polizisten und 23 verwüstete Geschäfte: die Bilanz, die nach den Krawallen in Barcelona, Spanien, die Runde macht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Krawalle in Barcelona: 128 Festnahmen, darunter 72 Minderjährige
Barcelona zieht die Bilanz der Krawalle: 128 Festnahmen und 72 Minderjährige

Barcelona erwachte am Sonntag mit dem Zählen zertrümmerter Schaufenster und der Frage, wer hinter den Barrikaden vom Samstag steckte. Die Bilanz, die die Runde macht, ist ernüchternd: 128 Festnahmen, davon 72 Minderjährige, darunter mindestens ein 14-Jähriger, 14 verletzte Polizisten — vier davon schwer — und 23 verwüstete Geschäfte. Die Zahl der Festnahmen ist nicht das, was am meisten beunruhigt. Beunruhigend ist, dass die Polizeichefin der Mossos d'Esquadra (katalanische Regionalpolizei) zwölf Stunden später einräumte, sie kenne weder Herkunft noch Staatsangehörigkeit der Festgenommenen.

Der Anlass war laut den Berichten ein Online-Aufruf über den Zustand der Schulen und die Wohnungsmieten. Innerhalb weniger Stunden spaltete sich die Erzählung: Die einen sahen studentischen Protest, die anderen Plünderungen von Luxusläden mit Smartphones als Ziel. Die Szene, in der Vermaskte dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen Interviews über „Scheißlehrer" und „diese Scheißregierung" geben und gleich danach Steine werfen und davonrennen, fasst die Verwirrung zusammen. Die Sache war edel; die Methoden waren Schulhof-Niveau.

Wer trägt politisch die Verantwortung für die Krawalle in Barcelona?

Bürgermeister und Regionalpräsident werden in den Forderungen, die in den sozialen Medien kursieren, namentlich genannt: Sicherheit garantieren, die Gewalttäter identifizieren und für den Schaden haftbar machen. Die Generalitat (katalanische Regionalregierung) dankte den Mossos und verurteilte die Gewalt, ohne aber ganze Gruppen kollektiv zu beschuldigen. Die PSOE, Spaniens sozialistische Partei, wiederum erklärte, dass allein die Rechte vom Chaos profitiere, und griff Feijóo an, weil er die Vorfälle nicht verurteilt habe. Die Politik der Zuschreibung lief auf Hochtouren, während die Straßen noch rauchten.

Manche behaupten, die Behörden könnten alle Beteiligten identifizieren, weil es Hunderte Videos gibt. Andere entgegnen, dass die Kriminalisierung einer ganzen Gruppe für das, was eine Minderheit getan hat, genau der bequeme Weg ist, den die Rechte verkauft. Zwischen diesen Polen liegt die unbequeme Zahl: Die meisten Festgenommenen leben im Großraum Barcelona, so die Polizeichefin selbst, ihre Staatsangehörigkeit ist aber weiterhin unklar.

Das Geschäft mit den Krawallen: 23 Geschäfte und ein Computerladen

Die Sachbilanz ist die am wenigsten umstrittene: 23 verwüstete Geschäfte, verbrannte Stadtmöbel, brennende Müllcontainer und Barrikaden im Zentrum. Ein Laden für Computerkomponenten wurde vollständig verwüstet, die Plünderungen richteten sich gegen Luxusgeschäfte. Die Anekdote, die am meisten kursiert, ist die eines Anwohners namens Manolo, der den Angreifern laut Berichten entgegentrat. Der anonyme Held des Wochenendes.

Die wirtschaftliche Frage ist einfach: Wer zahlt für die Schäden? Vorerst die betroffenen Händler. Versicherungen werden einen Teil übernehmen, aber die Prämien für Geschäfte im Zentrum Barcelonas werden sicher nicht sinken. Und der Einkaufstourismus, der einen Großteil der Arbeitsplätze im Viertel trägt, blickt misstrauisch auf eine Stadt, die an einem Samstagnachmittag brennt.

Die Erzählung, die nicht aufgeht: von der Wohnung zur Plünderung

Wie sich die Erzählung entwickelte, ist der eigentliche Untersuchungsgegenstand. Zuerst war von jungen Menschen die Rede, die für Schulen und bezahlbaren Wohnraum demonstrierten. Am Ende war von Plünderungen die Rede, von festgenommenen 14-Jährigen und von Gruppen in schwarzer Uniform, die laut Zeugenaussagen nicht einmal eine gemeinsame Sprache sprachen. Die Kluft zwischen der erklärten Sache und dem materiellen Ergebnis lässt beiden Seiten jedes Argument fehlen.

Die Zahl, die am meisten aufwühlt, ist die der Minderjährigen: 72 von 128 Festgenommenen. Mehr als die Hälfte. Wenn das Bildungssystem wirklich so schlecht ist, wie die Plakate behaupteten, deutet die Polizeistatistik darauf hin, dass das Problem nicht im Klassenzimmer beginnt. Oder dass das Klassenzimmer nur der Vorwand ist. Eine endgültige Antwort gibt es nicht. Und genau da stockt die Analyse: bei 128 Festgenommenen, 23 zerstörten Geschäften und einer Polizeichefin, die noch nicht weiß, wer in ihren Zellen sitzt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (37 Antworten).

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