Spaniens 29N-Wahl beginnt mit PSOE in der Krise und VOX im Aufwind

Die spanische PSOE verliert komplette Kandidatenlisten, PP und VOX kämen laut Sigma Dos nahe an 201 Sitze heran, und der Senat wird zum Schlachtfeld der 29N-Wahl.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens 29N-Wahl beginnt mit einer zerfallenden PSOE und VOX im Nacken

Was passiert, wenn ein Ministerpräsident Wahlen ausruft und seine eigene Partei zerfällt, bevor die Stimmzettel gedruckt sind? Genau das zeigt der Start des 29N-Wahlkampfs: Die PSOE verliert komplette Kandidatenlisten, Regierungsdelegierte tauschen den Sessel gegen die Kandidatur, und die Umfragen sehen VOX weniger als sieben Punkte hinter der PSOE. Die Wahlmaschine läuft an —Bürobedarfs-Ausschreibung inklusive— und die offizielle Erzählung überzeugt nicht einmal mehr die eigenen Reihen.

Die PSOE zerbricht Provinz für Provinz

Der erste ernsthafte Riss kommt nicht von der Opposition. Er kommt aus Palencia. Die gesamte Kongressliste der PSOE trat zurück, nachdem die Parteizentrale ihre Nummer eins durchgesetzt hatte — ein Schritt, der aus Burgos als Rache gegen den Flügel von Tudanca bezeichnet wird. Die Bürgermeisterin von Parauta (Málaga), bei den Kommunalwahlen die meistgewählte Kandidatin der Provinz, trat aus der Partei aus. Und der sozialistische Bürgermeister von Ágreda lehnte eine Kandidatur ab, solange Sánchez Vorsitzender bleibt, und erwägt, ihm nicht mehr zu wählen. Das ist kein Einzelfall: Es ist ein Muster.

Zur Flucht der Funktionäre kommt die Welle der Entlassungen von Regierungsunterdelegierten in Barcelona, Málaga, Sevilla, Granada, Almería, Córdoba, Pontevedra und Lleida. Dreizehn Gebietsvertreter der Regierung gaben ihr Amt auf, um zu kandidieren, so eine kursierende Rechnung. Sechs Regierungsdelegierte, darunter die Valencianerin Pilar Bernabé, wurden für die Listen beiseitegeschoben. Manche sehen in diesen Bewegungen eine Manege zur Kontrolle des Parteiapparats statt einer bloßen Erneuerung.

VOX gewinnt Boden und der Senat wird zum Schlachtfeld

Das Electopanel von Mitte Februar sah VOX über zwanzig Prozent bei der Wahlabsicht und weniger als sieben Punkte hinter der PSOE. Die Sigma-Dos-Umfrage für El Mundo ging weiter: PP und VOX kämen auf bis zu 201 Sitze mit 51 Prozent der Stimmen, gegenüber 117 Sitzen für PSOE, Podemos und Frente Amplio. Das Überholen in Almería und Murcia gilt als sicher; ein Erstzug in Galizien als möglich.

Derweil feilen PP und VOX an einem Senats-Abkommen, das es erlauben soll, in kritischen Provinzen Listen zurückzuziehen und Kandidaten zu integrieren. Die zweite Kammer zeichnet sich als der eigentliche Trostpreis ab: Eine breite Mehrheit dort würde es ermöglichen, die Gesetzgebung der künftigen Regierung zu blockieren. Die Frage ist, ob die Wähler beider Parteien diese Ingenieurskunst akzeptieren, ohne sich veräppelt zu fühlen.

Der Wahlkalender und die Trumpfkarten

Die vorgezogene Wahl hat nicht alle überrascht. Die Regierung schrieb plötzlich den Wahl-Bürobedarf aus, als keine Abstimmung in Sicht war, wie The Objective berichtete. Und die Zentrale Wahlkommission musste die Regierungsmitglieder „besänftigen“, nachdem gegen Sánchez nur 24 Stunden nach der Ankündigung ein Disziplinarverfahren eingeleitet worden war. Die Geschichte von der Improvisation hält nicht stand.

Nach Angaben von El Debate ruft Sánchez die Wahl mit drei Assen im Ärmel aus: Amnestie, Enkelgesetz und der Betrug mit den Wohnungsdekreten, mit ungeprüften Auslandswählerverzeichnissen und Dekreten, die nach ihrer Ablehnung doch noch bestätigt wurden. Die Arbeitszeitverkürzung wurde derweil im Hinblick auf die Wahl eingefroren, so Vozpópuli. Und Bildu nahm drei ehemalige ETA-Mitglieder in seine Listen auf — ein Fakt, den die Opposition längst zum Wahlkampfwaffe gemacht hat.

Die Nervosität der Bots und die Demokratieverdrossenheit

Ein Detail taucht in den Umfragen nicht auf: die Rückkehr zur täglichen Erstellung von Bots, die rechte Minderheitengruppen verteidigen, die seit der letzten Parlamentswahl verschwunden waren. Falange, Democracia Nacional und Konsorten auferstehen in den sozialen Medien genau dann, wenn die vorgezogene Wahl Fahrt aufnimmt. Jemand gibt Geld aus, um die Debatte aufzublähen. Das ist nichts Neues, aber das Timing verrät es.

Die Skepsis ist nicht auf eine Seite beschränkt. Manche behaupten, es werde nie wieder wirklich freie Wahlen in Spanien geben, andere fragen sich schlicht, warum wählen, wenn diejenigen, die sich beim Wählen irren, weiter bestimmen. Die Verdrossenheit ist längst kein Nischenphänomen mehr: Sie ist der Hintergrund des gesamten Wahlkampfs.

Am Ende lautet die Frage nicht, wer die 29N-Wahl gewinnt. Sondern wie viele der Verlierer das Ergebnis akzeptieren, ohne unter den Teppich zu kehren. Die spanische Demokratie funktioniert seit längerem eher aus Trägheit als aus Überzeugung. Und das behebt, mit oder ohne Überholen, kein Stimmzettel.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (420 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver