Ein Chef der Mossos d'Esquadra: „Wir sind das Land mit dem meisten organisierten Verbrechen der Welt“
Es gibt eine Zahl, die durchs Raster fällt und fast alles erklärt. Barcelona ist die Stadt in der EU mit dem höchsten Cannabiskonzentrat im Abwasser: dreimal so viel wie Amsterdam, der nächste auf der Liste. Das ist keine Labor-Kuriosität, sondern der chemische Fingerabdruck eines Geschäfts, das Spanien laut dem Leiter der Kriminalpolizei der Mossos d'Esquadra an die Spitze einer Rangliste gebracht hat, auf die niemand stolz sein kann. Er sagte dies vor Innenminister Fernando Grande-Marlaska, und es klang nicht wie eine Stammtischmeinung: albanische, schwedische, deutsche, britische, französische und kroatische Banden kämpfen um den Hierba-Markt.
Spanien, Nummer eins beim Hierba-Export
„In Spanien sind wir Exporteure von Hierba. Wir sind die Nummer eins beim Hierba-Export, und das ist offensichtlich kein Grund zum Stolz“, räumt der zitierte Polizeichef ein. Die Beschlagnahmen untermauern die Aussage: mehr als fünf Tonnen wurden in Cancelar und Pineda de Mar sichergestellt, 1.800 Kilo bei einer Operation mit Schwerpunkt im Hafen von Málaga. Die Generalstaatsanwaltschaft Andalusien beschreibt die Lage ohne Beschönigung: Die Produktion breitet sich unaufhaltsam über die gesamte Region aus, hinzu kommt Haschisch, das über die Meerenge kommt, und Kokain, das in Algeciras landet. Barcelona verdreifacht derweil Amsterdams Werte bei im Wasser nachgewiesenem Hierba. Niemand prahlt damit, diese Tabelle anzuführen.
Das importierte Verbrechen ist das Gewaltsame
Hier liegt die Nuance, die im politischen Streit oft untergeht und die der Beamte selbst betont: Das Problem ist nicht das Gras, sondern was mit ihm reist. „Wir importieren organisiertes Verbrechen, das besonders gewalttätig ist“, stellt er fest. Auf der Karte finden sich die kalabrische Mafia, die im polizeilichen Umfeld als der neue Terrorismus bezeichnet wird; die marseillaise, die in Girona Haschisch lagert, das später in Frankreich verkauft wird; und die Mocro Maffia, bekannt für ihre Kontrolle des Drogenhandels von der Costa del Sol aus. Auch die salvadorianische Barrio 18, die Mara Salvatrucha —27 Festnahmen bei einem Versuch der Niederlassung— und das Bagdad-Kartell, dessen Anführer in Pozuelo de Alarcón festgenommen wurde. Vor Ort warnt die Spanische Polizei-Konföderation, dass man in Málaga nicht zimperlich sei: Sie tragen Waffen in ihren Fahrzeugen.
Häfen, Zoll und Radarsysteme, die versagen
Die Infrastruktur ist das schwache Glied, und hier tauchen die unangenehmsten Fälle auf. Der Leiter der Risikomanagement-Einheit des Hafens von Málaga wurde laut Berichten wegen mutmaßlicher Verbindungen zu einem Kokain-Schmuggelring festgenommen; einer der Hauptverdächtigen soll die Kontrolle über den Scanner des Geländes übernommen haben, nachdem er den seiner eigenen Tiefkühlwarenfirma abgetreten hatte. In Barcelona geben Polizeiquellen zu, dass der Hafen „schlimmer dran ist, als wir denken“. Und an der Meerenge bleiben die Radare bis 2028 veraltet, während das Innenministerium einen Radar, der zur Erkennung von Mafiabooten gekauft wurde, in einem Lager auf Lanzarote verstaubt lässt, und die Polizei eine beispiellose Verstärkung an der Costa del Sol fordert.
Legalisierung: Das Argument, das nun offen ausgesprochen wird
Wenn das Geschäft illegal ist, streicht die Gewinnspanne derjenige ein, der das Risiko trägt. Daher gewinnt die These an Gewicht, dass das Verbot in der Praxis wie eine Subventionierung des Drogenhandels wirkt. Die gängigste Überlegung: Wenn legalisiert würde, würde das Verbrechen schrumpfen; wenn es nicht getan wird, liegt das daran, dass institutionelle und wirtschaftliche Interessen bestehen, dass es so bleibt. Auch wird die Absurdität angeprangert, die therapeutische Machbarkeit von Hierba von Grund auf zu prüfen, während die Hälfte der USA es bereits zu Freizeit-Zwecken verkauft. Und es kommt der Gegenwarnung: Die Opioid-Epidemie in den USA, mit Pharmaunternehmen im Zentrum, zeigt, dass Legalisierung auch kein Zuckerschlecken ist. Der wirtschaftliche Kontext ist unbequem: Das spanische BIP unter Einbeziehung von Drogenhandel und Prostitution umfasste 26.193 Millionen Euro.
Die andere Liste: Korruption und kollabierende Justiz
Nicht jedes organisierte Verbrechen kommt per Boot oder Container. Ein Teil der Analyse besagt, dass die größte kriminelle Struktur des Landes öffentliche Gehälter, Immunität und Sitz im Parlament hat. Die genannten Hinweise: Ein CGPJ (Rat der Justiz), dem die Richter selbst vorwerfen, seit 1985 „von Politikern gekidnappt“ zu sein; die 24 Korruptionsverfahren, die 2021 in Andalusien mit 179 Angeklagten eröffnet wurden; oder die Ehrung, die die PSOE laut Berichten auf ihrem Bundeskongress zwei verurteilten ehemaligen Präsidenten Andalusiens zuteilwurde, die 680 Millionen Euro veruntreut hatten. Die Zahl, die diese These zusammenfasst: Geschätzte Kosten von 124.123.915.826 Euro für systemische Korruption in den kursierenden Berechnungen.
Europol setzte noch einen drauf: Nach dem Krieg in der Ukraine werden ausgebildete Ex-Militärs die Mafianetzwerke oder paramilitärischen Gruppen verstärken, und der Waffenhandel — einschließlich Drohnen — wird zunehmen. Das ist die Prognose. Der beunruhigende Fakt betrifft die Gegenwart: Im Nationalen Gerichtshof sitzen fast 200 Personen in Untersuchungshaft und warten auf ein Urteil, das nicht kommt, und einige der großen Bosse sind in der Zwischenzeit geflohen. Die Frage ist nicht mehr, wie viele Mafias wir haben. Sondern wie lange wir brauchen, um sie zu verurteilen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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