Barcelona fordert rechtliche Mittel gegen Hausbesetzungen

Katalonien verzeichnet sechsmal so viele Klagen wegen Hausbesetzungen wie Madrid. Barcelona verlangt vom Staat rechtliche Instrumente, während Räumungen Jahre dauern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Barcelona fordert rechtliche Mittel gegen Hausbesetzungen
Katalonien hat sechsmal mehr Klagen wegen Hausbesetzungen als Madrid

Die Stadtverwaltung von Barcelona ist von der Leugnung des Phänomens dazu übergegangen, vom Staat „rechtliche Instrumente“ zur Bekämpfung von Hausbesetzungen zu fordern. Die begleitenden Zahlen sind alarmierend: Katalonien ist die Region mit den meisten Klagen wegen illegaler Besetzungen und verzeichnet sechsmal so viele Fälle wie die Autonome Gemeinschaft Madrid. Ihre Hauptstadt gehört zu den spanischen Metropolen mit den meisten Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs. Laut Daten, die konservative Medien nutzen, ist die Zahl der Hausbesetzungen in Spanien seit dem Amtsantritt von Sánchez um 46 % gestiegen.

Wie viele Hausbesetzungen gibt es in Katalonien und wo konzentrieren sie sich?

Cancelar dient oft als Indikator. Mehr als 400 illegale Besetzungen innerhalb von zehn Monaten und ein Drittel der Einsätze der örtlichen Polizei sind mit Besetzungsdelikten befasst, sodass das Rathaus eine operative Überlastung eingesteht und Räumungen binnen 48 Stunden fordert, wenn der Besetzer keinen Eigentumsnachweis oder Mietvertrag vorlegen kann. In der Stadt Barcelona konzentriert sich der Druck der Nachbarschaft auf Viertel wie El Guinardó, wo eine jüngere Welle gemeldet wird, sowie auf die Rambla de Badal, wo Bewohner täglich Diebstähle beklagen.

Madrid hingegen betont seine effiziente Verwaltung. Die Notrufnummer für Anti-Besetzungsmaßnahmen erhielt 300 Anrufe in nur einem Monat, wobei Puente de Vallecas, Usera, Carabanchel und Villaverde am stärksten betroffen waren. Der Vergleich ist für Katalonien besonders unangenehm: Es gilt dasselbe nationale Gesetz, doch die Ergebnisse sind unterschiedlich.

Das spanische Recht im Vergleich zum übrigen Europa

Das am häufigsten angeführte Argument ist die rechtliche Diskrepanz. In Frankreich wird Hausfriedensbruch mit bis zu einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Geldstrafe geahndet, und die Räumung erfolgt binnen 48 Stunden. In Deutschland dauert es 24 Stunden, mit ein bis zwei Jahren Haft je nach Gewaltanwendung. In Dänemark genügt ein Anruf bei der Polizei. In Spanien, so lautet das Fazit der meistgeteilten Vergleiche, zieht sich der gerichtliche Weg über Jahre hin, und der Eigentümer trägt die Kosten. Der Unterschied liegt nicht im Grad, sondern im Prozessmodell.

Die realen Kosten für Eigentümer: 20.000 Euro Verlust und 85 Euro Entschädigung

Konkrete Fälle prägen die öffentliche Meinung. Eine Wohnung, die im November 2017 besetzt wurde, führte erst im April 2022 zu einem Urteil; die Eigentümerin hatte mehr als 20.000 Euro an Hypothekenzinsen, Steuern, Gemeinschaftskosten, Versorgungsrechnungen, Anwalts- und Gerichtskosten angesammelt und erhielt lediglich 85 Euro Entschädigung. Bauträger beginnen, neue Objekte mit Wachdiensten abzusichern, und laut Berichten nutzen Banden die Zeit während der Genehmigungserteilung, um sich einzurichten und bis zu 14.000 Euro für ihren Auszug zu verlangen. In Badalona forderte eine Besetzerin 3.000 Euro für die Räumung der Immobilie. Im Zuge dieser Entwicklungen haben Richter in Barcelona entschieden, dass das Abschalten von Strom oder Wasser in einer besetzten Wohnung keine Nötigung darstellt.

Was jede Verwaltung fordert: 24 Stunden, 48 Stunden oder keine Eile

Die Vorschläge überschneiden sich und widersprechen einander. Die PSOE reichte einen Änderungsantrag ein, damit Richter Räumungen binnen maximal 48 Stunden nach Antrag des Eigentümers oder Polizeibericht anordnen können, sowohl bei Hausfriedensbruch als auch bei widerrechtlicher Aneignung. Die PP bringt die Aufhebung des Wohnraumgesetzes ins Parlament ein und plant Räumungen binnen 24 Stunden. Der Bauarbeitgeberverband argumentiert, der Regierungsentwurf sei interventionistisch, schütze Besetzer und schrecke Investoren ab. Am anderen Ende besteht die Stadtverwaltung von Barcelona darauf, dass „das Problem der Zugang zum Wohnraum“ sei, und der Oberste Gerichtshof hat festgestellt, dass die Verwaltungen nicht stets verpflichtet sind, öffentlichen Wohnraum bereitzustellen.

Die Abnutzung der kommunalen Erzählung

Der Ruf nach institutioneller Hilfe stößt bei jenen, die seit Jahren auf Widersprüche hinweisen, auf Unverständnis. Die dominierende Lesart in der öffentlichen Debatte ist die des Erntens dessen, was man gesät hat: Wenn die Stadt bestimmte Wohnungs- und Ordnungspolitiken gewählt hat, muss sie nun die Konsequenzen tragen. Munition liefert der Fall eines Podemos-Mitglieds in Esparreguera, der per Brief berichtete, er habe auf der Straße leben müssen, während sein eigenes Haus besetzt war. Auch wird daran erinnert, dass es in Barcelona eine organisierte Versammlung von Hausbesetzern (Assemblea d'Okupes) gibt und dass in Girona der Bürgermeister der CUP trotz seiner früheren Rhetorik Gesetzesänderungen fordert.

Angesichts des aktuellen Volumens an Fällen und der gerichtlichen Fristen, die sich über Jahre erstrecken, klingen jegliche Versprechen von Express-Räumungen eher wie Slogans als wie realistische Zeitpläne. Die offene Frage ist für alle unbequem: Wenn das Gesetz nicht geändert wird, wie viele weitere Eigentümer müssen aus eigener Tasche eine Wohnung finanzieren, die sie nicht nutzen können?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (614 Antworten).

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