Spanien verzeichnet Rekordzahl von Kündigungen im ersten Jahresviertel

In Spanien wurden zwischen Januar und April 2023 303.998 Abmeldungen aus der Sozialversicherung wegen Kündigung registriert, 48 % mehr als im Vorjahr und der höchste Wert der Reihe.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien verzeichnet Rekordzahl von Kündigungen im ersten Jahresviertel
Spanien verzeichnet Rekordzahl von Kündigungen im ersten Jahresviertel

Zwischen Januar und April 2023 wurden 303.998 Abmeldungen aus der Sozialversicherung wegen Kündigung registriert, 48 % mehr als im Vorjahr und der höchste Wert einer historischen Reihe, die 2013 beginnt. Die Zahl liegt 15,6 % über dem Pandemie-Höchststand und stellt die Bilanz einer Regierung in Frage, die damit prahlt, den Abbau von Arbeitsplätzen durch ERTEs (Spaniens Kurzarbeitsprogramm) und das umstrittene „Kündigungsverbot" einzudämmen. Die Arbeitsmarktreform, die die Zahl der unbefristeten Verträge in die Höhe trieb, hatte eine Kollateralfolge, auf die einige Analysten hinweisen: Die Kündigungen dieser Arbeitnehmer steigen um 78,6 %, während die Beschäftigung nur um 17 % wächst.

Der Rekord, den niemand im ersten Jahresviertel erwartet hatte

Die historische Reihe ist unbeirrbar. Die 303.998 Kündigungen im ersten Jahresviertel 2023 brechen nicht nur den Höchstwert von 2020 (256.000 Abmeldungen im selben Zeitraum), sondern tun dies, während der Arbeitsmarkt theoretisch funktioniert. Der Schlüssel liegt in der Zusammensetzung: Unbefristete Verträge machen inzwischen 92 % der Gesamtbeendigungen aus, zuvor waren es 76 %. Mehr Festanstellungen, ja, aber auch mehr Kündigungen von Festangestellten.

Das Arbeitsministerium führte 2020 die Vorstellung ein, dass die Gründe, die eine ERTE-Antragstellung erlaubten, „nicht als Rechtfertigung für die Beendigung des Arbeitsvertrags verstanden werden dürfen". Yolanda Díaz taufte das Ganze „Kündigungsverbot". Der Oberste Gerichtshof musste klären, dass diese Beendigungen ohne ausdrückliche Nichtigkeitserklärung möglich waren, wenn auch als unrechtmäßig. Die rechtliche Unsicherheit war enorm. Dennoch wurde die Maßnahme in den Dekreten zur Ukraine-Krise verlängert und gilt bis zum 30. Juni.

Warum steigen die Kündigungen, obwohl es mehr unbefristete Verträge gibt?

Weil unbefristete Beschäftigung nicht mehr das ist, was sie einmal war, wie Forscher von Fedea, BBVA Research und der Banco de España selbst feststellen, die auf eine Prekarisierung der Festanstellungen unter dem neuen Gesetz hinweisen, mit einem Anstieg von Kündigungen in der Probezeit, die als Schnellkündigung ohne Abfindung funktionieren. Die optimistischste Rechnung besagt, dass der Anstieg der Beendigungen rein statistisch bedingt ist: Es gibt mehr Unbefristete, also mehr Kündigungen von Unbefristeten. Das pessimistische Szenario geht davon aus, dass das Tempo des Abbaus fester Arbeitsplätze (78 %) das der Schaffung (17 %) verdreifacht, und das erklärt die Arithmetik nicht.

Die ERTEs sind derweil auf ein Minimum geschrumpft: Zum 31. Mai befanden sich nur noch 11.716 Beschäftigte in einem ERTE. Der RED-Mechanismus, das Sektorjuwel der Reform, wurde bisher nur für Reisebüros aktiviert. Die Freikarte der vorübergehenden Aussetzungen, die einst mehr als drei Millionen Arbeitnehmer abdeckte, ist heute eine Erinnerung.

Das Schminken der öffentlichen Beschäftigung und der gearbeiteten Stunden

In der Analyse herrscht ein unbequemer Konsens: Der Anstieg der Beschäftigten in absoluten Zahlen folgt dem Trend, der nach 2012 begann, dem Höhepunkt der Immobilienkrise. Kein Verdienst der jetzigen oder früheren Regierungen, reine Konjunkturdynamik, so einige Analysten. Die Erwerbsbevölkerung ist auf ihrem Höchststand, ohne ihn zu überschreiten, was bedeutet, dass sie trotz des Bevölkerungswachstums seit 2007 nur schwer wachsen kann.

Der andere Trick ist die öffentliche Beschäftigung, so Kritiker der Regierung: In den letzten Jahren wurden Hunderttausende Beamten- und Beraterstellen geschaffen, die die Statistik beschönigen. Die gearbeiteten Stunden, der Parameter, der die tatsächliche Gesundheit des Arbeitsmarkts am besten misst (ohne Schattenwirtschaft), liegen laut denselben Kritikern weiterhin unter dem Niveau von 2019. Papier hält alles aus; die Gehaltsabrechnung nicht.

Die Prekarität kehrt zurück – mit Löhnen aus einer anderen Zeit

Es gibt Geschichten, die sich in den Produktionssektoren wiederholen: Unternehmen entlassen langjährige Arbeitnehmer, um Leute mit Hungerlöhnen einzustellen. Die Rede ist von Stellenangeboten, die an die der Krise von 1992 erinnern und von verzweifelten Spaniern oder Migranten besetzt werden, deren Partner mit dem IMV (Spaniens Grundsicherung) aufstockt. Die Arbeitsmarktreform hat die unbefristete Einstellung erhöht, aber die Reallöhne sinken und die diskontinuierlichen Festverträge füllen die Listen der Inaktiven.

Die Regierung rühmt sich der Schaffung von Arbeitsplätzen, während sich befristete Beschäftigung als diskontinuierliche Festanstellung verkleidet. Die Analysten nennen es Prekarisierung; auf der Straße nennt man es anders. Und die Zahl der 300.000 Kündigungen, mit dem noch bis zum 30. Juni geltenden Kündigungsverbot, ist der Schluss, den niemand schreiben wollte.



Die Frage ist nicht mehr, ob der Arbeitsmarkt standhält, sondern wie lange die offizielle Erzählung die nächste Rekordzahl tragen kann.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (71 Antworten).

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