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Spanien überholt Japan erstmals beim nominalen Pro-Kopf-Einkommen
Der IWF prognostiziert für Spanien ein Pro-Kopf-Einkommen von 34.932 US-Dollar, für Japan 34.554 Dollar. Dieser Überholvorgang erklärt sich durch die Schwäche des Yen.
Spanien übertrifft Japans Pro-Kopf-Einkommen erstmals
Die im Diskurs angeführten Beispiele sind auffällig: Ein Taschenbuch kostet in Japan drei Euro und in Spanien zehn; Essen gehen kommt nach japanischem Wechselkurs auf sechs Euro, hierzulande auf zwölf. Bei diesen Preisreferenzen prognostiziert der IWF, dass das nominale Pro-Kopf-Einkommen Spaniens das Jahr über dem japanischen abschließen wird: 34.932 US-Dollar gegenüber 34.554. Dies war seit Beginn der Datenerhebung nie zuvor der Fall.
Darüber hinaus bleibt Spanien einer der schwächeren Partner in der Eurozone und hat relativ zu anderen Zeiten an Weltposition eingebüßt. Der "Sorpasso" (Überholvorgang) hat einen Haken, und dieser Haken heißt Yen.
Der vom Yen ermöglichte Überholvorgang
Japan weist drei Jahrzehnte flachen Wachstums, bodenlose Zinsen und eine Währung auf, die mit ihnen gesunken ist. Wenn die Währung abstürzt, wird alles, was ein Land produziert, inklusive des Einkommens pro Kopf, mit Abschlag in Dollar umgerechnet. Daher sinkt die japanische Zahl, ohne dass sich die reale Wirtschaft im gleichen Maße verschlechtert hat. 1995 hatte Japan 45.000 US-Dollar pro Kopf und war weltweit Zweiter, nur hinter der Schweiz. Heute liegt sein Einkommen in Dollar unter dem spanischen.
Die japanische Stagnation ist ein japanisches Problem. Sie ist auch der Spiegel, in den Spanien blickt, um gut auszusehen.
Ist Spanien wirklich reicher als Japan?
Nein. In Kaufkraftparität, der Anpassung, die Preisunterschiede zwischen Ländern eliminiert, schrumpft der Abstand, kehrt sich aber nicht um: 52.000 US-Dollar pro Kopf in Spanien und 56.000 in Japan. Japan liegt weiterhin vorn.
Das Schlachtfeld sind die Preise. Manche behaupten, die japanische Kaufkraft sei doppelt so hoch wie die spanische, andere differenzieren bei gleichem Material dahingehend, dass beide Länder in bereinigten Begriffen sehr nah beieinander liegen. Die Beispiele häufen sich: das Taschenbuch, das dort drei Euro kostet, billigeres Olivenöl in Tokio, das Mittagsmenü für sechs Euro. Das Durchschnittseinkommen in Japan liegt bei rund 40.000 US-Dollar, über dem spanischen, und wer dieses Gehalt verdient, gibt es in einem Land aus, in dem der Warenkorb weniger schwer wiegt.
Häuser, die wie Autos an Wert verlieren
Am Stadtrand von Osaka werden Wohnungen für 180.000 Euro angeboten. Der japanische Immobilienmarkt hat eine Besonderheit, die aus europäischer Sicht schwer zu verdauen ist: Das Haus verliert ab dem Kaufdatum an Wert und ist nach Abzahlung eines vierzigjährigen Hypothekendarlehens fast nichts mehr wert. Dahinter stehen eine starke Bau- und Renovierungsindustrie, eine flexible Bodennutzungspolitik und die Gewohnheit, alle paar Jahrzehnte abzureißen und neu zu bauen.
In Spanien passiert das Gegenteil. Manche fassen die Situation mit einem schmerzhaften Satz zusammen: Löhne wie in Polen oder Litauen mit Wohnpreisen wie in Norwegen.
Die andere Seite der Waage: Demografie und Schulden
Japan verliert jährlich etwa eine Million Einwohner, hat eine der am stärksten alternden Bevölkerungen der Erde — die Sterblichkeit ist doppelt so hoch wie die Geburtenrate — und schleppt eine öffentliche Verschuldung von rund 250 % des BIP mit sich. Bei diesem Bild beeindruckt es weniger, Japan beim nominalen Pro-Kopf-Einkommen zu überholen.
Aber man sollte den Rest der Anzeigetafel betrachten. Es gibt kaum Arbeitslosigkeit. Sein industrieller Sektor ist immer noch deutlich stärker als der spanische. Es ist die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt, und sein nominales BIP hat sechs Billionen US-Dollar überschritten, eine Marke, die Deutschland nie erreicht hat. Niemand hat ihm etwas geschenkt.
Was das BIP nicht erfasst
Der spanische Tourismus erzeugt laut dieser Analyse Einnahmen, die vergleichbar wären mit denen von Amazon, Microsoft, Facebook und Google zusammen, wenn sie im IBEX notiert wären. Spanien verfügt über bemerkenswerte Infrastruktur. Und einige kuriose Details: Es ist eines der lauten Länder der Welt, nur hinter Japan, und Spanisch ist eine der am schnellsten gesprochenen Sprachen, übertroffen von nur wenigen, darunter Japanisch.
In Spanien, so wird im Diskurs erinnert, umfasst die BIP-Buchführung Aktivitäten wie Prostitution. Daraus ergibt sich die unbequeme Frage, die über der Zahl schwebt: Was würde mit der Berechnung passieren, wenn diese Aktivität verboten würde, ohne die Statistik anzufassen?
Der Vergleich mit Japan ärgert beide Seiten
Dass Spanien damit prahlt, Japan überholt zu haben, hat ebenso viele Befürworter wie Gegner. Ein Teil der Analyse hält dies für konjunkturell: einen Währungseffekt, der sich auflöst, sobald sich Yen und japanische Zinsen bewegen. Andere behaupten, die Zahl verberge einen realen Hintergrund, nämlich dass ein Land mit geringerer Bevölkerung und ohne ähnliche Skaleneffekte besser durchgehalten habe als der japanische Riese. Eine dritte, die unbequemste Gruppe, erinnert daran, dass der Vergleich mit Japan oder Italien bereits ein Verlierer-Spiel ist, egal ob man gewinnt oder verliert.
Um Einkommen zu beurteilen, muss man den Spiegel wählen. Gegenüber der Schweiz, Norwegen, Irland oder den USA sieht das spanische Bild anders aus. Japan hatte 1995 45.000 US-Dollar pro Kopf; die aktuelle Projektion belässt es bei 34.554. Das ist der Datenpunkt, der verwirrt, nicht der Überholvorgang.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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