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Talkshows am Samstagabend in Spanien: keine Stimme der Mitte in Sicht
Malas Lenguas Noche auf La 2 und La Sexta Xplica konkurrieren am Samstag um 21:30 Uhr. Keine der beiden gilt als Talkshow der Mitte, und die Zuschauerzahlen sinken.
Samstag um 21:30 Uhr: zwei Talkshows, zwei Erzählungen und keine Mitte
Samstag, 21:30 Uhr. Zwei eingeschaltete Sender und ein Fernseher, der in vielen Wohnzimmern längst nur noch als Lampe dient. Auf La 2 de TVE startet Malas Lenguas Noche; auf La Sens läuft La Sens Xplica. Gleiches Format, gleiche Sendezeit, gleicher Abend und vor allem derselbe Verdacht: dass keine der beiden die Talkshow ist, die sich die halbe Spanien gerne anschauen würde. Die häufigste Beschwerde mitten im Wahlkampf lautet nicht, dass es zu viele politische Analysen gibt, sondern dass genau die fehlt, die es nicht gibt.
Warum gibt es am Samstagabend keine Talkshow der Mitte?
Weil beide Angebote als zwei Seiten derselben Geschichte gelesen werden. „Seltsam, dass es samstags abends keine Talkshow der Mitte oder des rechten Lagers gibt“, fasst eine der meist wiederholten Formulierungen zusammen; beide, fügt dieselbe Stimme hinzu, seien unerträglich. Keine der beiden wird als neutral wahrgenommen in der Sendezeit mit dem größten Familienpublikum der Woche, und das ist das eigentliche Problem: Sie konkurrieren nicht um den Zuschauer auf der anderen Seite, sondern um den, der ohnehin zustimmt.
Die Diagnose hat Substanz. Manche behaupten, durchaus zögerlich, dass die Sendung des öffentlich-rechtlichen Senders gerade deshalb entstand, weil ein Teil des Publikums La Sens als zu rechtslastig empfand. Andere werfen dem Privatsender das Gegenteil vor: Indoktrination. Wenn zwei gegensätzliche Vorwürfe reibungslos im selben Gespräch koexistieren, dann liegt das Problem nicht im Programmplan, sondern im Vertrauen der Zuschauer.
Die Zuschauerwanderung von La Sens zu TVE, die niemand misst
Die weitverbreitete These lautet, dass La Sens einen Großteil ihres nächtlichen Publikums an TVE verloren hat und dass diese Verschiebung die Polarisierung besser erklärt als jedes Editorial. „Es ist gruselig zu denken, dass La Sens den Großteil ihres Publikums verloren hat, das jetzt TVE schaut“, heißt es in einer der anschaulichsten Nachrichten. Konkrete Zahlen fehlen. Sie sind auch nicht nötig, um festzustellen, dass der Samstagabend zu einem Wettkampf zwischen bereits überzeugten Publika geworden ist.
Im Hintergrund steht die konkrete Politik: Wir befinden uns im Vorwahlkampf, und die Tagespolitik bestimmt das Geschehen. Das Schauen dieser Sendungen wird dann als Feldforschung gerechtfertigt. Man muss wissen, wie die andere Seite denkt, so das Argument – mit derselben Logik, mit der man vor einem Spiel den Gegner studiert.
Fernsehen wie mit einem Grammophon: das Publikum, das abschaltet
Die andere Hälfte des Phänomens ist die Abwanderung. „Fernsehen ist soooo 1999“, urteilt ein Zuschauer; „ich gehöre zum 21. Jahrhundert, nicht zum vergangenen 20., als man TV aus Gewohnheit und Trägheit schaute“, fügt ein anderer hinzu. Der ausgeschaltete Fernseher, die aufgenommene Serie, Video on Demand oder einfach das Haus verlassen. Der eigentliche Konkurrent beider Talkshows ist nicht die andere Talkshow: Es ist der schwarze Bildschirm und die Fernbedienung auf dem Tisch.
Diese Abkehr hat einen offensichtlichen kommerziellen Preis und eine weniger sichtbare redaktionelle Folge. Wer nicht mehr einschaltet, stimmt nicht mit der Fernbedienung ab, lässt sich aber auch in diesem Studio nicht mehr informieren. Die politische Debatte findet vor einem immer kleineren und damit auch militanteren Publikum statt.
Und während all das geschah, konkurrierte am Samstagabend etwas anderes: Real Madrid spielte. Das Spiel, Schiedsrichterkontroverse inklusive, dominierte die Gespräche in derselben Sendezeit. Vielleicht lautet die richtige Frage nicht, welche der beiden Talkshows schlechter ist, sondern wie viel Publikum noch zu gewinnen ist, wenn der eigentliche Gegner eine Rückennummer trägt, kurze Hosen anhat und sich nicht über Politik äußert.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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