FIFA sperrt Rubiales für 90 Tage nach Kuss-Affäre

Die FIFA suspendiert Luis Rubiales vorläufig für 90 Tage wegen des Kusses an Jenni Hermoso, während der Verband auf einvernehmliche Zustimmung pocht.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

FIFA sperrt Rubiales für 90 Tage nach Kuss-Affäre
FIFA sperrt Rubiales für 90 Tage – Konflikt bleibt offen

Die FIFA hat Luis Rubiales vorläufig für 90 Tage gesperrt und ihn von allen weltweiten Wettbewerben ausgeschlossen. Auslöser ist der Kuss – laut Rubiales ein „einvernehmlicher Kuss“ – an Spielerin Jenni Hermoso während der Titelfeier, ein Vorfall, der weltweit live übertragen wurde. Die Ironie ist offensichtlich: Die Strafe stammt von einem Gremium, das eher durch die Vergabe der WM an Katar auffiel als durch seinen Einsatz für Menschenrechte. Und nichts Wesentliches ist geklärt. Unter anderem muss noch entschieden werden, welche Instanz für welche Beurteilung zuständig ist.

Was bedeutet die 90-tägige Sperre der FIFA?

Die Disziplinarkommission der FIFA kündigte eine vorläufige Strafe von 90 Tagen an, die ihn von allen internationalen Wettbewerben ausschließt. Praktisch bedeutet dies, dass der Verbandspräsident nicht in die VIP-Loge einer Weltmeisterschaft zurückkehren wird, solange das Verfahren läuft, obwohl sein Posten nicht automatisch verfällt: Er ist nicht zurückgetreten. Seine eigene Darstellung des Vorfalls umfasst ein vorheriges Gespräch, in dem er Hermoso sagte, sie solle den verschossenen Elfmeter vergessen, da sie „fantastisch“ gewesen sei; sie antwortete „du bist großartig“, er fragte „ein Kuss?“ und sie sagte, so seine Version, „okay“.

Der Verband hat mit einer Erklärung nachgelegt, in der behauptet wird, der Kuss sei einvernehmlich gewesen, und wirft der Spielerin vor, die Realität zu verdrehen. Das heißt, der Verband beschränkt sich nicht nur auf Selbstverteidigung: Er benennt die Protagonistin direkt. Manche sehen in dieser Strategie einen Kampf um die Deutungshoheit mehr als eine juristische Verteidigung, andere argumentieren, der sinnvollere Schritt wäre, die Zeit verstreichen zu lassen und die Beweismittel für die Verteidigung vorzubereiten.

Der Rechtsstreit: FIFA, TAD und ordentliche Gerichte

Es gibt keine friedliche Antwort auf die Gültigkeit der Strafe. Argumentiert wird, dass eine vorläufige Suspendierung begründet sein und auf einer rechtlichen Grundlage beruhen muss und man niemanden einfach so ausschließen kann. Dass der Vorfall 10.000 Kilometer entfernt von Spanien stattfand und dass ein Sportverband keine Befugnis hat, Annäherungsverbote auszusprechen, sind die zwei am häufigsten genannten Argumente jener, die die Maßnahme für nichtig halten.

Parallel tobt der Streit um die Einordnung des Vorfalls. Für manche ist es Machtmissbrauch und ein sehr schwerer Verstoß, wenn der Verbandspräsident einen Kuss verlangt, was zu einer langen Sperre führen würde. Für andere reicht die technische Einstufung nicht so weit, es bliebe bei einem „schweren“ Verstoß mit kürzerer Strafe. Hinzu kommt, laut einem Beteiligten, ein Detail zur institutionellen Geometrie: Der TAD (Tribunal Administrativo del Deporte, Verwaltungsgericht für Sport) besteht aus acht Richtern, fünf davon werden vom CSD (Consejo Superior de Deportes, Oberster Rat für Sport) vorgeschlagen. Ein grundlegendes Problem, das Beobachter des Falls anmerken: Ohne Anzeige der Spielerin haben ordentliche Gerichte kaum Handhabe.

Der Verband ist privat: Wer zahlt und wer kassiert?

Hier liegt der wirtschaftliche Kern des Problems. Die RFEF (Real Federación Española de Fútbol, Königlicher Spanischer Fußballverband) ist eine private Entität, weshalb die Führungsspitze wechseln kann, ohne dass sich etwas an denen ändert, die seit Jahren von ihr leben. Die schwebende Frage: Wird Rubiales während der Sperre weiter bezahlt? Ein Beteiligter vertritt die These, dass die FIFA ihn zeitweise ausschließen und isolieren kann, aber nicht mehr, da weder strafrechtlich noch zivilrechtlich etwas vorliegt.

Daraus ergibt sich das unangenehmste Szenario für jene, die die Strafe feiern: Wenn der Fall vor ordentlichen Gerichten landet und das Urteil ihm recht gibt, wäre die Rechnung doppelt hoch, mit Millionenentschädigung, Rückkehr ins Amt und Nachzahlung der Gehälter. Dies ist ein hypothetisches Szenario, keine Tatsache: Es gibt kein Urteil, das dies bestätigt.

Der Ansteckungseffekt: De la Fuente, Vilda und die Verbände

Der Fall hat auch den sportlichen Bereich erfasst. Laut der Einschätzung eines Beteiligten hat sich Luis de la Fuente, der Nationaltrainer, durch sein Schweigen und seine Gefälligkeit bloßgestellt: Wer dachte, der Sturm würde vorüberziehen und sein Posten sicher bleiben, sieht nun, dass seine Fortsetzung im Amt nicht garantiert scheint. Die kursierende Vergleichsgröße ist ein Wetterfahne: Wer ins Büro kommt, möchte vielleicht nicht neben einer solchen stehen.

Abseits der Trainerbank wird spekuliert, dass der Konflikt eskaliert: Dass die spanische Nationalmannschaft und Vereine von internationalen Wettbewerben ausgeschlossen werden und dass einige regionale Verbände erwägen, sich von der RFEF abzuspalten, um eigenständig anzutreten. Dies sind Hypothesen, keine vollendeten Tatsachen, aber sie markieren den Umfang des institutionellen Risikos.

Der doppelte Maßstab der Sportinstitutionen

Das wiederkehrendste Argument ist das des doppelten Maßstabs. Man erinnert daran, dass Joseph Blatter, ehemaliger FIFA-Präsident, die WM an Katar vergab, ohne dass dies annulliert wurde, und dass sich nur der sprechende Kopf änderte, nicht das System. In diesem Sinne wird auch der Fall Osasuna zitiert: Die UEFA ließ den Club an der Conference League teilnehmen und wenige Tage nach dem positiven Bescheid traten die drei wegen Spielmanipulation Verurteilten, darunter Präsident und Manager, ihre Haftstrafen an.

Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist für alle unbequem: Die großen Fußballorganisationen sind nicht in der Position, sarracena Lektionen zu erteilen, und der disziplinarische Impuls hat ebenso viel mit Abschreckung wie mit Imagepflege zu tun. Angesichts dieser Präzedenzfälle steht die Vorbildfunktion der Strafe infrage, bevor jemand ein Urteil unterschrieben hat.

Mit der gültigen Sperre, dem offenen Verfahren und keinem gerichtlichen Urteil auf dem Tisch lautet die Frage nicht mehr, was bei der Feier geschah, sondern wer das nächste Urteil fällen wird und nach welchem Maßstab. Wenn die FIFA ihre Zuständigkeit oder Begründung falsch einschätzt, kehrt sich die Strafe gegen den Verhängenden. Was dann?

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (284 Antworten).

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