Spanien plant 'umkehrbare Rente' für Rückkehr in den Arbeitsmarkt
Die spanische Regierung will es Ruheständlern erleichtern, in den Arbeitsmarkt zurückzukehren. Offiziell wird dies als Erweiterung der Rechte verkauft; faktisch ist es eine Umbenennung des bereits bestehenden Systems der flexiblen Rente, das laut Exekutive so unattraktiv war, dass es kaum genutzt wurde. Dies kündigte Staatssekretär für Soziale Sicherheit und Renten, Borja Suárez, vor dem zuständigen Ausschuss im Kongress an.
Was sich ändert: von flexibler zu 'umkehrbarer' Rente
Suárez war deutlich: Das Königliche Dekret von 2002, das die flexible Rente regelt, sei „zu restriktiv“ und „wenig attraktiv“. Sein Ministerium arbeitet daher gemeinsam mit Arbeitgebern und Gewerkschaften an einem neuen Text. Der Rahmen ist nicht improvisiert. Das Königliche Gesetzesdekret 11/2024 enthielt einen Auftrag zur Regulierung einer neuen Form der flexiblen Rente, und das Ministerium unter Leitung von Elma Saiz hat das Verfahren – etwas später als ursprünglich geplant – nach Einbindung des sozialen Dialogs eingeleitet.
Das erklärte Ziel ist es, „Anreize zu schaffen, damit sich Personen, die bereits im Ruhestand sind, entscheiden können, als Angestellte oder Selbstständige in den Arbeitsmarkt zurückzukehren“. Konkret bedeutet dies auch für Freiberufler (Autónomos). Hier zeigt sich jedoch die erste Lücke im Konzept: Eine Rückkehr als Arbeitnehmer im Alter von 70 Jahren erfordert einen Arbeitgeber, der dazu bereit ist, und wer in diesem Alter ein Unternehmen gründen will, sieht sich mit gesonderten Beitragsregeln für Selbstständige konfrontiert.
Die Staffelung: von 45% auf 100% je nach Aufschubjahren
Die seit April geltende Aktive Rente erlaubt es, gleichzeitig Rente und Gehalt zu beziehen, wobei der Prozentsatz steigt, je länger man den Ruhestand aufschiebt: 45% im ersten Jahr, 55% im zweiten, 65% im dritten, 80% im vierten und bis zu 100% ab dem fünften Jahr. Die jährliche Aufschlüsselung bezogen auf eine Durchschnittsrente ergibt ein Bild, das man vor jeder Entscheidung genau kalkulieren sollte.
Wer bereits pensioniert ist und nun zurückkehren möchte, fällt nicht exakt in diese Staffelung, was das Interesse der Regierung erklärt, die Norm neu zu fassen. Daten der Regierung deuten auf einen echten Trendwechsel hin: Aufgeschobene Renten machen inzwischen 11,4% der Neuzugänge aus, gegenüber 4,8% im Jahr 2019, mit einem jährlichen Wachstum von 25,3% bis Mai. Das durchschnittliche Zugangsalter liegt bei 65,2 Jahren, verglichen mit 64,4 Jahren im Jahr 2019.
Warum die aktive Rente zunimmt
Laut dem Staatssekretär verzeichnet die aktive Rente „signifikante Zuwächse“, insbesondere bei Frauen, seitdem die Anforderung einer vollen Beitragslaufbahn abgeschafft wurde. Traditionell weisen Frauen aufgrund der Kinderbetreuung und Pflege von Angehörigen kürzere und unterbrochene Erwerbsbiografien auf. Das Ergebnis ist, dass mehr Menschen Gehalt und Leistung kombinieren können, wo dies zuvor nicht möglich war.
Wer stellt Siebzigjährige ein?
Hier prallt der Plan auf die Realität des Marktes. Verschiedene Teilnehmer weisen darauf hin, dass körperlich fordernde Berufe wie Bauwesen, Reinigung oder Transport selten bis zum Ruhestand ausgeübt werden, geschweige denn danach. Die berechtigte Frage ist weniger rechtlicher als praktischer Natur: Wenn, wie einige behaupten, die Arbeitslosigkeit ab 55 Jahren stark zunimmt, ist es unwahrscheinlich, dass dieselben Unternehmen darum kämpfen, Über-67-Jährige einzustellen. Ein Teilnehmer nennt Ausnahmen wie Kanzleien, Apotheken oder eigene Betriebe, wo der Inhaber selbst über das Ende seiner Tätigkeit entscheidet.
In der Debatte wird auch das britische Beispiel erwähnt: Ein Teilnehmer berichtete, in der Region Cambridge ältere Menschen gesehen zu haben, die Stadtbusse fahren oder als Kassiererinnen in Supermärkten arbeiten, eher nahe an den 70 als an den 65.
Der Kern der Sache: Wer trägt das System?
Unterhalb dieser technischen Reform verbirgt sich eine unbequeme Frage zur Nachhaltigkeit. Manche argumentieren, solche Maßnahmen seien der Vorläufer einer stillen Anpassung, bei der Renten schleichend gekürzt werden, ohne dies offiziell anzukündigen. Am anderen Ende wird angeführt, dass die alternde Gesellschaft und die damit verbundenen Ausgaben Kompatibilitätsmodelle erfordern und dass es ebenso schlechte Politik sei, Arbeit zu verbieten wie sie zu erzwingen.
Vergleiche mit anderen Ländern tauchen ständig auf: Ein Teilnehmer, der den Fall Argentiniens verfolgt, behauptet, dass die meisten Rentner dort rund 300 US-Dollar pro Monat erhalten und viele weiterarbeiten müssen, um zu überleben. Auch wird angemerkt, dass reichere und produktivere Volkswirtschaften als Spanien niedrigere Renten zahlen, ein Fakt, der jene verwirrt, die glauben, das Problem löse sich allein durch Wachstum. Ein Teil der Unzufriedenheit richtet sich gegen nicht-soziale öffentliche Ausgaben, Subventionen und die Verwaltungsstruktur. Das pessimistischste Szenario, das kursiert – Systemzusammenbruch, Zwangsverstaatlichung privater Pläne, Rückgriff auf Geld drucken – wird durch keine verfügbaren Daten gestützt; es ist eine Spekulation, keine offizielle Prognose.
Was noch auszuhandeln ist
Die Soziale Sicherheit hat den Sozialen Dialogausschuss mit Arbeitgeberverbänden, Gewerkschaften und Verbänden der Selbstständigen für Montag, den 14. Juli einberufen. Die offizielle Tagesordnung betrifft nicht die umkehrbare Rente, sondern das neue Beitragssystem für Selbstständige (Autónomos) für die nächsten drei Jahre. Beides hängt jedoch zusammen: Wenn der Plan vorsieht, dass Ältere als Selbstständige zurückkehren, bestimmt die Höhe der Beiträge, ob die Tür ganz offen steht oder nur angelehnt ist.
Der Text liegt nun beim sozialen Dialog. Es bleibt abzuwarten, ob die Details – die tatsächlichen Anreize und die Reaktion der Gewerkschaften – weniger Schlagzeilen machen werden als der gewählte Name für die Vermarktung.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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