Spanien kürzt Mittel für unbegleitete minderjährige Migranten um 75 Prozent

Die spanische Regierung senkt die Tagespauschale für unbegleitete Minderjährige von 145 auf 35,75 Euro. Elf PP-regierte Regionen boykottieren das Treffen des Ministeriums.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien kürzt Mittel für unbegleitete minderjährige Migranten um 75 Prozent
Spanien kürzt Mittel für unbegleitete minderjährige Migranten um 75 Prozent

Die Sektoralkonferenz für Kinderschutz (Conferencia Sectorial de Infancia), bei der die Verteilung alleinreisender minderjähriger Migranten in Spanien beschlossen werden sollte, wurde ohne Einigung abgesagt. Das Ministerium für Jugend und Kinderschutz schlug 100 Millionen Euro vor, um fast 4.000 Minderjährige von den Kanarischen Inseln und Ceuta zu verlegen und drei Monate lang betreuen zu lassen. Dies bedeutet eine Senkung von 145 auf 35,75 Euro pro Kind und Tag – ein Kürzung um 75 %, die von den Regionen als unzureichend für eine umfassende Unterbringung angesehen wird.

Kastilien-La Mancha, die Kanarischen Inseln und Galizien haben gegen den Plan protestiert, während sich die elf von der Volkspartei (PP) regierten Regionen nicht einmal zur Sitzung einfanden. Barbara García, die Sozialministerin von Kastilien-La Mancha, bezifferte den Bedarf auf 400 Millionen Euro, um den Kindern weiterhin dieselbe Betreuung wie bisher zukommen zu lassen. „Man kann bei einem so sensiblen Thema nicht sparen“, sagte sie.

Von 145 auf 35,75 Euro pro Minderjährigem und Tag

Der vom Ministerium vorgeschlagene Vertrag sieht 100 Millionen Euro vor, um die Verlegung auf das Festland und die Betreuung in den ersten drei Monaten zu decken. Danach müssen die Regionen die Kosten übernehmen, da die Unterbringung in ihre Zuständigkeit fällt. Die Regionen verstehen nicht, warum der Staat bisher 145 Euro pro Platz und Tag für zwölf Monate finanzierte und nun seinen Beitrag auf ein Viertel reduziert.

Candelaria Delgado, die Sozialministerin der Kanarischen Inseln, warnte, dass mit diesem Budget die Minderjährigen nur drei Monate lang versorgt werden könnten. „Uns wurde gesagt, es gäbe ausreichende Finanzierung. Der Staat darf niemandem Argumente liefern, diese Vereinbarungen nicht umzusetzen“, fügte sie hinzu. In Galizien betont man, dass bereits früher darauf hingewiesen wurde, dass 145 Euro für 14-jährige Kinder, die länger untergebracht werden müssen, nicht ausreichen.

Politischer Streit: Elf PP-Regionen boykottieren das Ministerium

Die elf von der PP regierten Regionen lehnten die Tagesordnung der Sektoralkonferenz ab und nahmen nicht teil. Sie betrachten sowohl die Tagesordnung als auch das Dekret zur Regelung der Verteilung als „illegal“. Ministerin Sira Rego stellte klar, dass die Verteilung ab dem 28. August dennoch erfolgen wird. Das Treffen konnte wegen fehlender Einigung nicht stattfinden.

In Madrid argumentiert man, dass der Staat deutlich weniger Geld bereitstellen werde als bei früheren Verlegungen und dass die Berechnungen des Ministeriums nicht aktuell seien, da der Sektor Verbesserungen in den Vereinbarungen eingeführt habe, die der Staat nicht berücksichtige. Die Diskussion über die Finanzierung hatte bereits das technische Vortreffen am 8. August erhitzt, bei dem die Vertreterin von Kastilien-La Mancha und der Staatssekretär aneinandergerieten.

Zirkulierende Berechnung: 52.000 Euro pro Jahr und Minderjährigem

Im Debatte kursierte eine Zahl: Wenn der Staat 145 Euro pro Tag für zwölf Monate zahlte, kostete jedes untergebrachte Kind die öffentlichen Kassen 52.925 Euro pro Jahr allein durch Transferzahlungen an die Regionen, nach dieser Berechnung. Eine Zahl, die zusammen mit Zuschüssen für NGOs und anderen indirekten Kosten von einigen auf über 70.000 Euro jährlich geschätzt wird. Mit der Kürzung auf 35,75 Euro würde die jährliche Kosten auf 12.775 Euro sinken, ebenfalls nach diesen Berechnungen.

Diese Differenz hat die These genährt, die von einigen Teilnehmern vertreten wird, dass die Unterbringung zu einem Geschäft für Unternehmen, Organisationen und Behörden geworden ist. Manche behaupten, dass die 52.000 Euro pro Kind für viele Aufträge und Dienstleistungen ausreichten und dass ein Teil dieses Geldes bei verbundenen Unternehmen landete. Dagegen spricht das Argument, dass die Unterbringung reale Kosten verursacht: Unterkunft, Verpflegung, Erzieher, Aufsichtspersonal, rechtliche Unterstützung, Schulbildung und psychosoziale Hilfe.

Pull-Faktor und Zusammenbruch der öffentlichen Dienste

Ein Teil der Analyse besagt, dass die Finanzierung der Unterbringung für zwölf Monate bei 52.000 Euro pro Kind einen Pull-Faktor erzeugt und dass bei einer Reduzierung auf drei Monate Tausende Menschen ohne Sprachkenntnisse oder Ressourcen auf der Straße landen würden. Eine andere Strömung vertritt die Ansicht, dass man sich einfach nicht darum kümmern sollte, wenn es mit diesem Geld nicht machbar ist. Und eine dritte Gruppe weist darauf hin, dass die Kürzung das Geschäft beenden und zu mehr Konflikten führen werde.

Hintergrund ist der Kompetenzkonflikt: Der Staat finanziert die Verlegungen und drei Monate Betreuung, aber die Unterbringung liegt in der Zuständigkeit der Regionen. Die Regionen, die bereits unter Migrationsdruck stehen – die Kanarischen Inseln und Ceuta sind in vorderster Front –, befürchten, die Rechnung allein tragen zu müssen. Währenddessen bleibt die Verteilung uneinig und die Uhr tickt bis zum 28. August.



Am Ende stellt sich nicht die Frage, wie viel die Unterbringung eines Minderjährigen kostet, sondern wer die Differenz zahlt, wenn sich der Staat zurückzieht. Mit 35,75 Euro pro Tag gibt es weder Low-Cost noch Würde: nur eine heiße Kartoffel, die niemand halten will.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (196 Antworten).

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