Spanien fordert lebenslange Haft für 16 Migranten nach 58 Todesfällen

Die spanische Staatsanwaltschaft verlangt lebenslange Haft für 16 Migranten, die beschuldigt werden, 58 Menschen von einem vor Gran Canaria geretteten Boot ins Meer geworfen zu haben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien fordert lebenslange Haft für 16 Migranten nach 58 Todesfällen
Staatsanwaltschaft fordert lebenslange Haft für 16 Migranten nach 58 Todesfällen auf einem Cayuco

Ein Cayuco wurde mehr als 430 Kilometer vor Gran Canaria gerettet. An Bord zeigten Überlebende sechzehn Mitreisende an und beschuldigten sie, Dutzende Passagiere gefoltert und lebendig ins Meer geworfen zu haben, wie aus den Anschuldigungen der Fiscalía (Staatsanwaltschaft) hervorgeht. Die Zahl der Opfer in den Ermittlungen ist auf 58 angestiegen, obwohl erste Berichte von sechs Morden sprachen. Diese Zahl hat sich verschoben und damit auch die Dimension des Falls.

Die Nachricht, die derzeit in sozialen Medien und Presse kursiert, hat eine unbequeme Frage wieder aufgeworfen: Was tut ein Staat, wenn ein Verbrechen auf hoher See geschieht, auf einem Schiff ohne Flagge, und die mutmaßlichen Täter nach einer Rettung durch Salvamento Marítimo (Küstenwache) in einen spanischen Hafen gebracht werden? Die rechtliche Diskussion ist nicht unerheblich, ebenso wenig die politische.

Was geschah auf dem Cayuco und warum spricht man von 58 Toten?

Der Bericht der Anklage ist brutal: Passagiere wurden wegen Hexereivorwürfen gefoltert und lebendig ins Meer geworfen. Die Fiscalía beantragt prisión permanente revisable (überprüfbare lebenslange Haft) für sechzehn Insassen des Cayucos, eine Strafe, die in Spanien nur für einen abgeschlossenen Katalog von Delikten vorgesehen ist und selten bei Fällen mit Opfern außerhalb des nationalen Territoriums angefordert wird.

Das am häufigsten zitierte Datum ist die Zahl der Todesopfer. Zuerst war von sechs Morden die Rede. Später hieß es „mindestens“ 58 Tote. Dieser Unterschied ist kein Detail: Er ändert die Qualifikation, die Anzahl der Opfer und die Größenordnung des Verfahrens. Die in letzten Informationen genannte Zahl lautet 58 Personen.

Das Boot wurde mehr als 430 Kilometer vor Gran Canaria lokalisiert, weit weg von der Küste, in einer Zone, in der die Verantwortung für die Suche und Bergung bei Spanien liegt. Dieses geografische Detail hat die Debatte über die gerichtliche Zuständigkeit entfacht.

Wer richtet ein Verbrechen auf hoher See?

Der juristische Schlüssel liegt darin, ob spanische Gerichte Verbrechen untersuchen und aburteilen können, die in internationalen Gewässern begangen wurden. Die Reform des Ley Orgánica del Poder Judicial (Gesetz über die Justizorganisation) von 2014 schränkte das Prinzip der universellen Gerichtsbarkeit ein, aber diese Einschränkung betrifft hauptsächlich Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Folter in anderen Ländern. Ein Mord auf einem Cayuco, der in Spanien ankommt, ist etwas anderes.

Das Argument lautet, dass ein Cayuco keine Staatsflagge führt, sodass auf hoher See keine andere Jurisdiktion zuständig ist. Hinzu kommt, dass die Behörden verpflichtet sind zu handeln, sobald die Geretteten in einem spanischen Hafen landen und Hinweise auf ein Verbrechen vorliegen. Das Übereinkommen von Palermo und die Vorschriften zum Menschenhandel greifen hier.

Andere vertreten die Ansicht, dass Spanien nicht auf hoher See vermeintliche Kriminelle aufnehmen und dann die Kosten für Prozess und Haft tragen sollte. Die Kosten für Rettung, Strafverfahren und Inhaftierung trägt der Steuerzahler. Die Frage bleibt, ob das Verbrechen, da es nicht auf spanischem Boden begangen wurde, außerhalb der nationalen Jurisdiktion liegen sollte.

Die Kosten für die Verurteilung und Inhaftierung der Angeklagten

Die wirtschaftliche Berechnung treibt die Diskussion an. Sechzehn Personen während eines so komplexen Prozesses in Untersuchungshaft zu halten, ist teuer: Man muss die Kosten für die Rettung, die gerichtliche Ermittlung, die Rechtsvertretung, die Übersetzung, die Unterbringung und, im Falle einer Verurteilung, die Jahre der Haftstrafe addieren. Die prisión permanente revisable kann praktisch Jahrzehnte der Inhaftierung bedeuten.

Der praktische Einwand lautet, was geschehen soll, wenn sie hier nicht angeklagt werden. Eine Rückführung in ihr Herkunftsland ist nicht einfach: Viele Staaten akzeptieren keine Rückführungen ohne Nachweis der Staatsangehörigkeit, und selbst wenn sie dies tun, richten sie selten Verbrechen auf hoher See gegen Bürger anderer Länder. Das übliche Ergebnis ist, dass niemand sie vor Gericht stellt.

Daher verfahren Regierungen mit harter Linie gegenüber irregulärer Migration oft so, dass sie zuerst urteilen und nach Verbüßung der Strafe abschieben, was das Código Penal (Strafgesetzbuch) bereits erlaubt. Die Alternative – sie ohne Verfahren ziehen zu lassen – löst das Problem nicht, sondern verlagert es.

Rettung ist keine Option: SOLAS und SAR

Das Seerecht verpflichtet zur Rettung jeder Person in Gefahr innerhalb der Such- und Rettungszone eines Staates, unabhängig davon, wer sie ist. Die SOLAS- und SAR-Konventionen unterscheiden nicht zwischen Migranten, Kriminellen oder Touristen. Sobald sie an Bord und in einem spanischen Hafen sind, fällt die Pflicht zur Untersuchung auf die Behörden, wenn Hinweise auf ein Verbrechen vorliegen.

Dies ist der Kern der Sache: Die Rettung ist keine politische Entscheidung, sondern eine rechtliche Verpflichtung. Daraus ergibt sich die Paradoxie, die viele anführen: Spanien rettet, Spanien richtet, Spanien zahlt. Wer das ändern will, müsste die Konventionen ändern, nicht nur das nationale Gesetz.

Was auf der Straße und in den Medien diskutiert wird

Die öffentliche Diskussion hat sich in entgegengesetzte Positionen entwickelt. Ein Teil der Meinung hält diese Ereignisse für eine Bestätigung der Notwendigkeit, die Migrationskontrolle zu verschärfen und das Rettungsmodell zu überprüfen. Ein anderer Teil erinnert daran, dass es ein Fehler ist, von einem Extremfall zu verallgemeinern, und dass die überwiegende Mehrheit derer, die den Atlantik überqueren, keine Verbrechen begeht.

Zwischen diesen Extremen hat die Debatte um Hexerei als Motiv für die Verbrechen ein Element hinzugefügt, das an Anthropologie grenzt. Vorwürfe der Hexerei als Ursache für Konflikte an Bord sind auf Migrationsrouten nichts Neues, wie Organisationen berichten, die in der Region arbeiten.

Der Fall befindet sich noch in der Ermittlungsphase. Es gibt kein Urteil. Die sechzehn Angeklagten warten auf einen Prozess, der Jahre dauern könnte. Und die Frage bleibt offen, die niemand klar beantwortet: Wenn Spanien sie nicht vor Gericht stellt, wer wird es dann tun?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (119 Antworten).

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