Spanien: Der angekündigte Exklusivbericht zum Fall Koldo blieb aus

El Confidencial kündigte eine explosive Exklusivmeldung zum spanischen Fall Koldo an. Am nächsten Tag kam die große Enthüllung nicht. Die Ermittlungen laufen weiter.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Der angekündigte Exklusivbericht zum Fall Koldo blieb aus
Die angekündigte Exklusivmeldung und der offene Fall Koldo

Wie viele Bomben kann man ankündigen, ohne dass eine zündet? Das letzte Kapitel des Falls Koldo wurde in den Redaktionen geschrieben: mehrere Medien, die Details mit Hochdruck fertigstellten, aus denselben Leaks schöpften und versprachen, dass die Exklusivmeldung von El Confidencial, falls sie erschiene, explosiv wäre. Am nächsten Tag gab es keine Explosion. Das Verfahren läuft weiter, Leaks sickern nur tropfenweise durch, und die Ankündigung bleibt vorerst genau das: eine Ankündigung. In kritischen Stunden hat jeder eine Quelle, aber niemand ein Dokument.

Was ist der Fall Koldo und was wird ihm vorgeworfen?

Der Name lautet Koldo García, ehemaliger Berater von José Luis Ábalos. Die Ermittlungen deuten auf ein mutmaßliches Netzwerk von Schmiergeldzahlungen bei öffentlichen Aufträgen für medizinisches Material hin, wobei Masken während der Pandemie im Zentrum stehen. Auf dieser Grundlage fügen veröffentlichte Berichte Details hinzu, die besser wirken als jeder Kommentar: Koldo García hatte laut THE OBJECTIVE 23 Handys und neun Waffen in seiner Wohnung in Alicante, und unter dem verbreiteten Material kursieren Fotos von Geldbündeln auf einem Bett. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion gibt es kein rechtskräftiges Urteil über diese Fakten, und es lohnt sich, dies jedes Mal zu wiederholen, wenn der Fall erwähnt wird. Was veröffentlicht wird, ist etwas anderes als das, was bewiesen wird.

Hier liegt das Geschäft: Während Richter und Polizei voranschreiten, schreiben die Schlagzeilen die Geschichte.

Ángel Víctor Torres, Montero und die Namen am Wegesrand

Die UCO (Spezialeinheit der Guardia Civil) fand auf dem Handy eines Beschuldigten Gespräche mit Ángel Víctor Torres, dem ehemaligen Präsidenten der Kanaren und Minister für Territorialpolitik, sowie Fotos von Bargeld. Dies ist der hochrangigste Name, der in den letzten Meldungen auftaucht. Um ihn herum haben zwei Verwaltungsmaßnahmen viel Gesprächsstoff geliefert: María Jesús Montero entließ den Direktor der Inspektionsabteilung, nachdem diese Abteilung den Bericht über das Netzwerk an das Ermittlungsgericht Nr. 2 des Nationalen Gerichtshofs (Audiencia Nacional) übermittelt hatte, und in sozialen Medien kursiert eine Anschuldigung – ohne bekannte gerichtliche Bestätigung – über einen mutmaßlichen Löschen von Beweismitteln aus dem Innenministerium. Parallel dazu verwickelt das System der PCR-Tests Salvador Illa: „Der Minister hat grünes Licht gegeben“, titelte El Confidencial.

Ein Kommandant der Guardia Civil in Venezuela und 15.000 Euro im Monat

Ein Kommandant der Guardia Civil, der an der Botschaft in Venezuela stationiert war, wurde festgenommen, weil er Koldo García und dessen Umfeld über laufende Ermittlungen informiert hatte, stets nach den veröffentlichten Informationen. Seine Vergütung liegt bei 15.000 Euro monatlich. Das Detail ist nicht unerheblich. Wenn eine Auslandsstationierung dazu dient, Ermittlungsakten zu leaken, hört der Leak auf, ein Gerücht zu sein, und wird zu einem Problem der Staatssicherheit. Die unbequeme Frage folgt danach: Wie viele weitere Warnungen gab es, von denen nichts bekannt wurde?

Dominikanische Republik, die 35 Flüge des Falcon und die Spur, die nicht endet

Es gibt eine Linie im Fall, die sich sträubt, abgeschlossen zu werden: diejenige, die auf Zahlungen und Schmiergeldzahlungen abzielt, die aus der Dominikanischen Republik verwaltet wurden und mit den 35 Flügen des offiziellen Flugzeugs in das karibische Land verbunden sind. In dieses Narrativ passt ein objektiver Fakt: José Bono besitzt die dominikanische Staatsbürgerschaft. Ab dort ruhen die Teile auf Hypothesen und in manchen Fällen darauf, was jemand von einem kleinen Vögelchen gehört haben will. Es wird behauptet, dass Rodríguez Zapatero die internationale Struktur der Partei koordinieren würde und dass daraus die Kontakte zum venezolanischen Umfeld entstanden seien. Kein richterlicher Beschluss hat so etwas festgestellt, und wer es mit Sicherheit behauptet, verkauft mehr, als er hat.

Sánchez nennt den Fall einen „Fake“ und vergleicht ihn mit dem 11-M

Die Regierung hat den gegenteiligen Rahmen gewählt: den der Vergiftung der öffentlichen Meinung. Sánchez warf der Rechten vor, den Fall Koldo in einen „Fake“ verwandelt zu haben, vergleichbar mit den Anschlägen vom 11-M, und einige Medien unterstützten diese These mit einem Sonderbericht darüber, wie die Verschwörungstheorie zum Anschlag konstruiert wurde. Der Zug macht wahltaktisch Sinn, birgt aber ein offensichtliches Risiko. Er lässt der Exekutive keinen Spielraum, wenn morgen ein verifizierbares Dokument auftaucht: Dann hätte er etwas als Fake bezeichnet, das überprüfbar ist. Und im Hintergrund ein weiterer Streit, der um die Exklusivmeldungen: Eine Untersuchung zur Anklage gegen die Planeta-Gruppe endete in einem öffentlichen Streit über ihre Urheberschaft, mit gegenseitigen Vorwürfen der Aneignung, wie von Crónica Libre berichtet.

Eine Exklusivmeldung anzukündigen kostet eine Nachricht. Sie zu veröffentlichen kostet eine Verifizierung, zwei Gegenchecks und manchmal einen Anwalt. Vielleicht deshalb versagt der Zünder, das Material wird um einen weiteren Tag verschoben, und der Leser, der ohnehin nichts mehr glaubt, wartet weiterhin sitzend. So ist das, wenn man alles als Fake bezeichnet: Eines Tages entpuppt sich der fremde Fake als der eigene.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (134 Antworten).

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