Kopflose Babys: Falschmeldung erinnert an Inkubatoren-Hoax

Vorwurf der Hamas-Kopfabschneidung bei Babys verbreitete sich ohne Bildbeweis. Israels Armee teilte Anadolu mit, es gebe keine Bestätigung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Kopflose Babys: Falschmeldung erinnert an Inkubatoren-Hoax
Von den Kuwaitschen Inkubatoren zur Anschuldigung geköpfter Babys

Ein Bericht eines israelischen Fernsehsenders brachte die Anschuldigung in Umlauf: Die Hamas habe während ihres Angriffs auf Israel Babys geköpft. Es gab keine Bilder. Die Reporterin selbst stellte später klar, dass ihr die Szene von israelischen Soldaten geschildert worden sei und sie diese nicht selbst gesehen habe. Der Sender legte auch kein direktes Zeugnis der Militärs vor. Mit diesem Material – Hörensagen und null grafische Beweise – verbreitete sich die Behauptung über Medien, Leitartikel und Depeschen, bis sie als Tatsache feststand. Fast drei Jahre nach Beginn der Analyse bleibt die Frage dokumentarisch unbeantwortet: Gab es Köpfungen oder handelt es sich um eine weitere Kriegsfälschung?

Wurden Babys tatsächlich geköpft oder ist es eine Falschmeldung?

Das Einzige, das einer unabhängigen Überprüfung ähnelt, kam aus der israelischen Militärstruktur selbst. Auf Anfrage antwortete sie der Agentur Anadolu, dass ihr keine Informationen vorlägen, welche die Behauptungen über geköpfte Babys bestätigten. Dies ist der unbequemste Datenpunkt in der Akte und zugleich derjenige, der die wenigsten Schlagzeilen erzeugte.

Wer behauptet, alles sei gelogen, hat reichlich Munition. Die Zahl, die in einigen Versionen kursierte – vierzig Babys, laut den am weitesten verbreiteten Transkripten – wurde nie durch ein Bild, einen forensischen Bericht oder das direkte Zeugnis jemandes, der die Leichen gesehen hätte, untermauert. Nur Berichte zweiter und dritter Hand.

Am anderen Ende erinnern manche daran, dass selbst ein einziges ermordetes Kind kein Kollateralschaden ist und dass die Diskussion über Zahlen die Schwere nicht mindert. Beides kann gleichzeitig wahr sein. Und genau dort verheddert sich fast jede Analyse.

Der Präzedenzfall der Inkubatoren: Das Zeugnis von Nayirah

Der Vergleich, der am häufigsten auftaucht, ist der von 1990. Am 10. Oktober dieses Jahres sagte ein fünfzehnjähriges Mädchen, das nur als Nayirah identifiziert wurde, vor dem Menschenrechtsausschuss des US-Kongresses aus. Sie berichtete, dass irakische Soldaten während der Invasion Frühgeborene aus ihren Inkubatoren genommen und auf dem Boden sterben gelassen hätten. Die Geschichte wurde von Senatoren und von George H. W. Bush selbst zitiert, um die Intervention im Golfkrieg zu rechtfertigen.

1992 kam die Wahrheit ans Licht: Nayirahs Nachname war Al-Sabah und sie war die Tochter von Saud Al-Sabah, dem kuwaitischen Botschafter in Washington; ihr Zeugnis war als Teil einer Kommunikationskampagne vorbereitet worden. Dies wird nie berücksichtigt, fasst ein Teilnehmer zusammen. Die Lehre aus dem Vorfall ist eingraviert: Wenn eine Gräueltat nur von einem Zeugen ohne Beweise berichtet wird und dazu dient, einen Krieg zu eröffnen, sollte man zunächst Zweifel walten lassen.

Was Biden sagte und was das Weiße Haus korrigierte

Der US-Präsident Joe Biden behauptete, Bilder von den Köpfungen gesehen zu haben, und erklärte, die Hamas-Angriffe seien der tödlichste Tag für Nnnn seit dem Holocaust. Das Weiße Haus dementierte später, dass Biden solche Fotografien gesehen habe. Der Widerspruch – feierliche Ankündigung morgens, Dementi nachmittags – schürte den Verdacht, dass eine maßgeschneiderte Erzählung konstruiert werde.

Ein solcher Vorfall beweist für sich allein nichts. Aber er passt zum Mechanismus, vor dem viele warnen: erst das unverifizierte Bild, dann das Schweigen und schließlich der Schneeballeffekt. Manche vertreten die Ansicht, dass dieser Baby-Brief immer wieder auftaucht, wenn es darum geht, eine Offensive zu rechtfertigen – mit Saddam, mit Gaddafi, mit wem auch immer – und dass sich nur die Verpackung ändert, nicht die Funktion.

Haben die Palästinenser für die Hamas gestimmt?

Ein wiederkehrendes Argument lautet, dass die Bevölkerung Gazas nichts davon gewählt habe. Die Hamas ist nicht genau eine Partei mit erneuertem Mandat: Seit Jahren finden keine Wahlen statt und fast 50 % der Palästinenser sind unter vierzehn Jahre alt, laut verfügbaren Daten. Viele, die heute unter der Kontrolle der Gruppe leben, waren noch nicht einmal geboren, als zuletzt abgestimmt wurde. Die Unterscheidung ist wichtig: Von der Reaktion eines unterdrückten Volkes zu sprechen ist etwas anderes, als das Handeln einer Organisation zu beschreiben, die ein Gebiet mit Gewalt kontrolliert.

Der Beweis, der nie eintraf

Zwei unvereinbare Lesarten passen zur gesamten Akte. Skeptiker stützen sich auf das Fehlen grafischen Materials und das Dementi gegenüber Anadolu. Wer der ursprünglichen Version Glauben schenkt, vertraut den Berichten der Soldaten, die der Journalistin erzählt wurden, obwohl niemand es mit eigenen Augen gesehen hat.

Bemerkenswert ist, dass die Sache abgeschlossen wird, bevor eine Überprüfung stattfindet. Die Anschuldigung geköpfter Babys funktioniert gleichermaßen, ob sie wahr oder falsch ist: Sie installiert Schrecken im öffentlichen Bewusstsein und brandmarkt Zweifler. Unter diesen Regeln hört die Verifizierung auf, relevant zu sein, und genau dort bricht die Analyse zusammen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (133 Antworten).

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