Spanien: Apothekentechniker verdient 1.100 € und lebt schlechter als Eltern

Manel, 27-jähriger Apothekentechniker in Spanien, erhält 1.100 € monatlich. Im Gegensatz zu 1995 reicht der Durchschnittslohn heute nicht mehr für Wohneigentum.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Apothekentechniker verdient 1.100 € und lebt schlechter als Eltern
1.100 Euro monatlich mit 27 Jahren: Die Kluft zwischen Manel und seinen Eltern

Wie ist es möglich, dass ein 27-jähriger Apothekentechniker mit fester Anstellung und einer Partnerin, mit der er die Kosten teilt, das Monatsende nur „unter Mühsal“ erreicht? Manel sagte im Radio: Er verdient 1.100 Euro monatlich und beschwert sich über die allgemeine prekäre Arbeitslage, obwohl er mit seiner aktuellen Stelle „sehr zufrieden“ ist. Zuvor hatte er Jobs, die er als ebenso prekär einstufte und bei denen er laut eigener Aussage „illegal und unter katastrophalen Bedingungen“ arbeiten musste.

Sein unbequemster Satz betrifft nicht das Gehalt, sondern lautet: „Meine Eltern lebten vor Jahren, als sie in meinem Alter waren, viel besser als ich.“ Er spricht nicht von Luxus oder Netflix, sondern davon, dass zwei Personen mit Einkommen kaum über die Runden kommen, ohne den Gürtel enger zu schnallen.

Was der Durchschnittslohn von 1995 im Vergleich zum heutigen aussagt

Der Kontrast, den Manel beschreibt, ist messbar. Vor drei Jahrzehnten lag der Durchschnittslohn deutlich unter dem heutigen Niveau, doch die Kaufkraft war höher. Der Hauptgrund liegt nicht auf der Lohnabrechnung, sondern beim Immobilienpreis. Mit dem Durchschnittsgehalt von 1995 konnte man eine Wohnung kaufen. Heute ist derselbe Schritt ein Balanceakt.

Hier bricht der Generationenvergleich zusammen. Junge Menschen verdienen nominal nicht weniger; ihr Einkommen kauft jedoch weit weniger als das ihrer Eltern. Die Wohnkosten haben die Spielräume aufgezehrt.

Ungleichgewicht zwischen offenen Stellen und überqualifizierten Bewerbern

Ein zweiter struktureller Faktor erklärt Manels Klage: Es herrscht ein Missverhältnis zwischen geschaffenen Arbeitsplätzen und unbesetzten Stellen. Für verfügbare Positionen gibt es Überqualifikation, während in anderen Sektoren Kandidaten fehlen. Dies drückt die Löhne in mittleren Kategorien nach unten.

Manel formulierte es direkt: „Ich muss entsprechend meinen Kenntnissen bezahlt werden, die nicht wenige sind.“ Das Problem ist, dass der Markt keine abstrakten Kenntnisse honoriert, sondern konkrete Funktionen. In kleinen Handelsberufen und im Kundenkontakt stagniert das Gehaltsniveau seit Jahren.

Die Falle, Hypotheken ohne Blick auf den Preis zu vergleichen

Hier taucht das häufigste Gegenargument zur Nostalgie auf: Die Zinsen in den Neunzigern waren viel höher als heute. Das stimmt. Doch die Gesamtberechnung inklusive des damaligen Immobilienpreises ergibt ein überraschendes Bild: Laut gängiger Schätzung kostete eine Wohnung Anfang der Neunziger etwa 12 Millionen Pesetas. Heute hat sich der Preis für denselben Wohnungstyp in derselben Gegend so stark erhöht, dass niedrigere Zinsen dies nicht kompensieren können.

Niedrige Zinsen auf absurde Preise sind eine Falle, keine Entlastung. Und wenn der Euribor steigt, wie bereits in zwei Krisen geschehen, schnappt diese Falle für jene zu, die Kredite über 30 oder 40 Jahre aufgenommen haben.

Sparsamkeit früher war keine Tugend, sondern Zwang

Ein oft fehlender Aspekt im Generationenstreit: Das Leben vor dreißig Jahren war viel sparsamer: weniger Autos pro Familie, weniger Reisen, weniger kostenpflichtige Freizeitaktivitäten. Viele Familien besaßen kein Auto und besuchten selten den Strand. Lange Hosen wurden für den jüngeren Bruder gekürzt.

Dies entkräftet Manels Beschwerde nicht, sondern ordnet sie ein. Seine Eltern lebten nicht besser wegen kluger Verwaltung, sondern weil die Preise für Grundbedürfnisse – Dach über dem Kopf, Essen, Transport – Spielraum ließen. Heute hat die Wohnraumpolitik diesen Spielraum übernommen.

Der „Mileurista“ von 2005 und der heutige Verdienst von 1.100 Euro

Das Label änderte sich, die Zahl kaum. 2005 sprach man von „Mileuristas“ (Lohn um 1.000 €); zwei Jahrzehnte später liegt das Lohnniveau vieler qualifizierter Stellen bei 1.100 Euro. Der Unterschied: Damals waren die Immobilienpreise noch nicht explodiert, heute sind sie es.

Die Debatte berührt auch die Nettoeinkünfte nach spanischer Einkommensteuer (IRPF): Bei dieser Basis liegt das Nettogehalt eher nahe bei 1.200 als bei 1.100 Euro, je nach Berechnungsgrundlage. Ein Detail, das den Kern nicht ändert: Zwei solche Gehälter finanzieren ein Haus, aber kein sorgenfreies Leben.

Wenn Arbeit nicht zum Leben reicht

Die wenig diskutierte Konsequenz erwähnte Manel beiläufig: Manche ziehen es vor, zu Hause zu bleiben, statt bestimmte Bedingungen zu akzeptieren. Das ist keine Faulheit, sondern Arithmetik. Wenn das Gehalt die Arbeitskosten – Fahrt, Verpflegung unterwegs, Betreuung Angehöriger – nicht deckt, geht die Rechnung nicht auf.

Parallel dazu entsteht der unangenehme Vergleich: Einige behaupten, dass Mindestleistungen plus Schwarzarbeit netto mehr Geld bringen als ein Vollzeitvertrag über 1.100 Euro. Man zahlt nicht ein, baut keine Rentenansprüche auf, aber die besten Lebensjahre kehren nicht zurück.



Letztlich geht es nicht darum, ob Manel recht hat. Es geht darum, warum eine gebildeter denn je Generation einen Lohnboden akzeptiert, den ihre Eltern nie unterschrieben hätten. Und warum wir es Fortschritt nennen, wenn zwei Berufstätige gerade so über die Runden kommen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (161 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver