VOX setzt in Spanien auf Fake-News und KI-Schmähkampagne

Vox kommt auf 1,1 Millionen Follower bei TikTok und 1,2 Millionen bei Instagram, mehr als PP und PSOE zusammen. Ein KI-Video mit Sánchez erreichte 4 Millionen Aufrufe in 24 Stunden.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Vox führt die spanischen sozialen Medien mit mehr als 4,7 Millionen Trinc auf TikTok, Facebook, X, YouTube und Instagram an und hat KI-generierte Bilder genutzt, um Sánchez anzugreifen, ohne sie auf X oder TikTok als solche zu kennzeichnen. Die Strategie kombiniert Masse, harte Botschaften zur Einwanderung und ein eigenes Kommunikationsmodell nach dem Vorbild von Trump, Bolsonaro und Salvini.

Eine Szene fasst zusammen, wie spanische Politik in den sozialen Medien funktioniert. Die PP veröffentlicht ein 51 Sekunden langes Video mit den nachgebauten Stimmen und Gesichtern von Zapatero, Ábalos und Cerdán. Es ist Mittwochabend. Vox antwortet 24 Stunden später mit einem weiteren Video, etwas über eine Minute lang, in dem sich Sánchez, sein Bruder, seine Ehefrau, Ábalos, Zapatero, Otegi, Puigdemont, Maduro und der ehemalige Generalstaatsanwalt García Ortiz nacheinander die Gesichter abnehmen wie eine Karnevalsmaske. Es endet mit einem Satz: «Sánchez ist das Problem. Abascal die Lösung». Die Aufrufe auf allen Plattformen zusammen erreichen **4 Millionen**, mit mehr als **100.000 Likes** und **25.000 geteilten Beiträgen**. Mehr Wirkung als das Video der PP im selben Zeitraum.

## Eine Partei, die niemandem hinterherläuft

Vox ist die meistgefolgte Partei Spaniens in allen sozialen Medien. Auf TikTok hat sie **1.100.000 Nutzer**. Auf Facebook **1.100.000 Trinc**. Auf X **671.000**. Auf YouTube **665.000 Abonnenten**. Auf Instagram **1.200.000 treue Anhänger**. Weder PP noch PSOE kommen auf zwei Millionen über alle ihre Konten hinweg. Die Partei von **Santiago Abascal** bewegt die sozialen Medien wie keine andere, und das ist kein neues Phänomen: Sie führt die meisten Profile seit ihren Anfängen an. Den Twitter-Account eröffneten sie **2013**. Auf Instagram sind sie seit **2018** die meistgefolgte Partei, obwohl der Account erst **2016** entstand. Die Hälfte der jungen Spanier informiert sich über Letztere Plattform, so die jüngste Eurobarometer-Umfrage.

Die erste Einstellung des KI-Videos ist ein Porträt von Sánchez, aufgenommen am **28. April 2023** in La Moncloa (Amtssitz des spanischen Ministerpräsidenten) vom EL-PAÍS-Fotografen **Samuel Sánchez**, in dieser Zeitung veröffentlicht und von Vox ohne Erlaubnis verwendet. Weder auf X noch auf TikTok ist irgendwo zu sehen, dass es ein mit künstlicher Intelligenz generiertes Video ist. Nur auf Instagram wird es angegeben. Dieses Weglassen ist der Schlüssel zur Strategie: Die Botschaft kommt vor dem Warnhinweis an.

## Vom WhatsApp in Andalusien zur KI ohne Etikett

Das Vox-Phänomen in den sozialen Medien begann nicht mit KI. Sie waren Pioniere bei WhatsApp, das ihnen im andalusischen Wahlkampf **2019** diente, als die PSOE nach mehr als 30 Jahren die Macht verlor. Das System war einfach: Auf ihrer Website boten sie eine Handynummer an, die nach dem Speichern im Adressbuch direkte Nachrichten an den Nutzer schickte. «Du bleibst über unsere Aktionen auf dem Laufenden. Teile sie mit deinen Kontakten». Sie erzielten einen Multiplikatoreffekt. Die übrigen Parteien kopierten die Strategie bei den folgenden Wahlen. Der Berater **Antonio Gutiérrez Rubí**, Autor von *La política en tiempos del WhatsApp* (Politik in Zeiten von WhatsApp), bringt es so auf den Punkt: «Die Parteien wissen, dass die Menschen zunehmend mehr den Personen vertrauen und weniger den Institutionen».

Die Fahne, die Einheit Spaniens und die katalanischen Unabhängigkeitsbefürworter waren von Anfang an präsent, schon **2018**. Es waren einfache, unbearbeitete Fotos, die den jüngsten Wähler ansprechen sollten. Ein damaliger Post: «Student! Gib bei der Selectividad (Spaniens Hochschulaufnahmeprüfung) nicht auf; mit deinem Lernen leistest du Spanien bereits einen großen Dienst». Heute steht die Botschaft gegen Einwanderung über allem. «Kein weiteres vergewaltigtes Mädchen. Wir wollen sie hier nicht», sagt eines der Videos, die nun auf ihrem Profil angepinnt sind. Das andere ist deutlicher: «Alle raus!». Beides Videos von Abascals Kundgebungen.

## Abascals Konto und das falsche Bild aus Frankreich

Auch Abascals X-Konto hat Falschmeldungen verbreitet. Am **18. Oktober** veröffentlichte er ein Bild von zwei halbnackten alten Menschen bei den Protesten in Frankreich, das von einem israelischen Konto stammte. «Die sarracinistische Linke», schrieb der Vox-Chef, «hat mit Unterstützung der Europäischen Volkspartei diese Wilden auf unsere Straßen gebracht. Das sind diejenigen, die sagen, sie würden die Renten zahlen... so aber wird Sánchez unsere Alten zurücklassen». Ein Faktencheck-Team der französischen Zeitung **Libération** analysierte die Bilder und stellte fest, dass sie verändert oder mit künstlicher Intelligenz generiert seien. Das Video wurde inzwischen gelöscht. Doch Abascal lässt seinen Beitrag stehen. Er wurde von **650.000 Nutzern** gesehen.

Um zu verstehen, wie Vox mit den sozialen Medien umgeht, genügt ein Satz seines damaligen Vorgesetzten aus 2018, **Manuel Mariscal**, heute Abgeordneter im spanischen Kongress: «Man vertraut den Medien nicht mehr; wir werden zu unserem eigenen Kommunikationskanal». Es ist eine populistische Strategie, die der von **Donald Trump** in den USA, **Jair Bolsonaro** in Brasilien oder **Matteo Salvini** in Italien sehr ähnlich ist. Ein Berater eines Funktionärs der Partei in einer autonomen Region erzählt, dass die Botschaften in sozialen Medien und auf Kundgebungen alle in dieselbe Richtung gehen: Deregulierung, Remigration, nationale Priorität. Zu den Zeitplänen gebe es keine nationale Vorgabe. Die Posts erscheinen je nach Terminkalender und Auftritten der Kandidaten. Und zur Nutzung von KI sagt er, in seinem Fall sei sie nicht eingesetzt worden.

## Ein Kommunikationsmodell, das nicht von den Medien abhängt

Die Strategie von Vox beschränkt sich nicht darauf, viel zu veröffentlichen. Es geht darum, einen eigenen Kanal aufzubauen, der die klassischen Medien ersetzt. Das erklärt, warum ein KI-Video, auf zwei der drei Plattformen ohne Kennzeichnung veröffentlicht, vier Millionen Aufrufe erreichte. Das Instagram-Label ist die Ausnahme, nicht die Regel. Die übrigen Parteien haben das WhatsApp-Modell kopiert, aber nicht die Masse noch die Bereitschaft, ungekennzeichnet generierte Inhalte zu verbreiten. Der Unterschied ist nicht technischer Natur. Er liegt im Modell: Vox braucht die Medien nicht, um seine Botschaft bestätigen zu lassen, weil es sich direkt an sein Publikum wendet. Und dieses Publikum ist laut den Daten das größte der spanischen Politik in den sozialen Medien.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (12 Antworten).

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