Spanien 1975: Zwei Mahlzeiten für 2 Euro? Die Inflationsfalle

Ein Beleg von 1975 zeigt zwei Mahlzeiten für 300 Peseten (ca. 2 Euro). Nach INE-Daten entsprechen diese heute 28,24 Euro und widerlegen nostalgische Preisvergleiche.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien 1975: Zwei Mahlzeiten für 2 Euro? Die Inflationsfalle
Zwei aßen 1975 für 2 Euro: Die Falle des Preisvergleichs

Haben wirklich zwei Personen 1975 für weniger als zwei Euro gegessen? Die Rechnung existiert — 300 Peseten für zwei Esser — und darauf basiert zur Hälfte die Erzählung, wie gut das Leben damals war. Papier ist geduldig: 300 Peseten sind in direkter Äquivalenz etwa 2 Euro. Und genau hier beginnt das Problem, denn diese Berechnung ergibt nur Sinn, wenn man die Inflation und die Löhne der damaligen Zeit ignoriert.

Die fehlerhafte Umrechnung von 331 Peseten

Der erste Fehler ist klassisch: Den festen Wechselkurs von 331 Peseten = 2 Euro als aktuellen Preis zu betrachten. Das ist er nicht. Dieses Geld aus dem Jahr 1975 reist nicht bis heute, ohne den Preisindex zu durchlaufen. Nach Berechnungen unter Anwendung der Daten des INE (spanisches Statistikamt) entsprechen 2 Euro von 1975 heute 28,24 Euro im Jahr 2022. Die Mahlzeit, die mit 2 Euro bezahlt wurde, würde heute nicht 2 Euro kosten: sie würde fast 30 kosten.

Das Bild ändert sich erheblich. Wenn ein Menü für zwei in einem Restaurant heute durchschnittlich 28 Euro kostet, ist der reale Unterschied zu 1975 nicht 1.400 %, sondern praktisch null. Daraus ergibt sich die unbequeme These dieser Diskussion: Auswärts essen kostet heute proportional genauso viel wie vor einem halben Jahrhundert. Was sich geändert hat, war nicht der Preis, sondern die Fähigkeit, ihn bequem zu bezahlen.

Was waren 300 Peseten im Verhältnis zum Lohn von 1975?

Das zweite Element ist das Gehalt. Laut den im Thread kreuzenden Zahlen lag der SMI (spanischer Mindestlohn) 1975 bei rund 7.000 Peseten pro Monat, und die meisten Arbeiter bewegten sich in einer Spanne von 9.000 bis 10.000 Peseten. 300 Peseten für zwei Personen zum Essen zu zahlen, war nach dieser Schätzung etwas weniger als ein Dreißigstel des monatlichen Nettolohns eines Durchschnittsverdieners. Ein Luxus, ja, aber ein erschwinglicher "mindestens einmal im Monat".

Die genannten Zahlen reichen von 6.000 Peseten monatlich für einen Familienvater bis zu 12.000 für einen frischgebackenen Akademiker, 14.000 für einen Arbeiter 1977 oder, am anderen Ende, 80.000, die manche Fachkräfte verdienten. Bei einer solchen Bandbreite bricht jede Verallgemeinerung basierend auf einem einzelnen Beleg zusammen: Eine kursierende Berechnung schätzt das tägliche Auswärtsessen auf etwa 10 % des Gehalts eines normalen Angestellten.

Der Mythos vom günstigen Wohnraum und der zweistelligen Inflation

Wo die Erzählung vollständig bröckelt, ist beim Wohnen und Kreditwesen. Ein Forumsnutzer erinnert sich, dass eine Wohnung in Alcorcón 1978 etwa 308.000 Peseten kostete, und laut Berichten im Thread nahmen Hypothekennehmer Kredite zu Sätzen auf, die heute wie Fiktion klingen: Kredite zu 17 %, diskontierte Wechsel zu 20 %. Der Schlüssel war nicht, dass alles billig war, sondern die galoppierende Inflation. Mit Raten über 10 % und Jahren, die 15 % überschritten, wurde die feste Rate, die bei Unterzeichnung das halbe Gehalt auffraß, vier Jahre später lächerlich.

Hier liegt der wahre Motor des Mythos. Im Nachhinein war jene Wohnung "geschenkt". Aber zum Zeitpunkt der Unterschrift war die Belastung des Gehalts enorm. Das Gleiche gilt für Essen, Kleidung oder Autos. Frische Lebensmittel konnten relativ billiger sein, während Kleidung und die wenigen Elektronikartikel der Zeit für einen Durchschnittslohn unerschwinglich waren; in vielen Familien wurden Kleidungsstücke zwischen Geschwistern und Cousins weitergegeben, und Autos waren ein Luxus, den sich nur wenige leisten konnten.

Wie viel kostet das gleiche Menü heute?

Und heute? Laut einem Teilnehmer kostet ein einfaches Tagesmenü in einer Bar etwa 11 Euro, also essen zwei für 22. In der Cafeteria des Kongresses (spanisches Parlament) liegen Menüs unter 10 Euro, ein Bier kostet 1,05 und ein Kaffee 0,95. Der Kaffee dient als Thermometer: 1975 kostete er laut einem Nutzer 10 Peseten; heute liegt er in der günstigsten Bar bei etwa einem Euro und deutlich höher überall dort, wo es Tischdecken gibt.

Der Vergleich geht immer noch nicht auf, weil sich der Kontext völlig geändert hat. Was früher außergewöhnlich war — auswärts essen, etwas trinken, ein Wochenende entkommen — ist heute in vielen Haushalten Routine. Die Erinnerung derer, die die Nachkriegszeit erlebten, bestätigt dies: Ferien zählten nur ins Dorf, Coca-Cola als Belohnung, geerbte Kleidung. Es war keine billigere Welt; es war eine Welt mit weniger Dingen, die man kaufen konnte.

Inflation, die nicht zum Warenkorb passt

Mit einer offiziellen Inflation um 9 % und dem sehr häufigen Gefühl, dass der Einkauf "mindestens 30 %" teurer wird, flammt die Debatte jedes Mal neu auf, wenn ein alter Beleg auftaucht. Makro-Zahlen sagen das eine; der Supermarkt-Beleg sagt das andere. Und in der Mitte bleibt eine Frage, die niemand sauber beantwortet: Wenn sich die relativen Preise kaum geändert haben, warum ist das Gefühl der Verarmung so absolut?

Also ja, zwei Menschen aßen 1975 für weniger als 2 Euro. Genauso wahr ist, dass 2 Euro von 1975 heute fast 30 sind, und dass das Gehalt von damals nicht das von jetzt ist. Mit diesen Bausteinen zerfällt jede nostalgische Schlagzeile über billiges Essen in zwei Zeilen. Papier ist geduldig, auch mit einer 1975er Rechnung, die zur Waffe für Streitgespräche nach dem Essen gemacht wurde.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (111 Antworten).

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