Solzhenitsyn und die These, Franco sei keine Diktatur gewesen

Solzhenitsyn erklärte 1976 im spanischen TV, die Sowjetunion beneide die Freiheiten Spaniens. Dies nährte die These, das Regime unter Franco sei keine echte Diktatur gewesen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Solzhenitsyn und die These, Franco sei keine Diktatur gewesen
Der Tag, an dem Solzhenitsyn Francos Diktatur in Frage stellte

20. März 1976. Drei Monate nach Francos Tod im Krankenhaus am 20. Dezember 1975 – während das Regime noch Bestand hatte – saß der russische Nobelpreisträger Alexander Solschenizyn vor den Kameras des spanischen Staatsfernsehens TVE. Der Gulag-Überlebende ließ einen Satz fallen, der seit einem halben Jahrhundert zitiert wird: „Wenn wir in der UdSSR eure Freiheiten hätten, würden uns die Augen übergehen.“ Aus diesem Auftritt entstand die immer wiederkehrende These, dass Francos Herrschaft keine Diktatur, sondern ein autoritäres Regime war.

Das Problem liegt, wie so oft, in der Begrifflichkeit. Ein Regime, in dem die formale Macht fast vier Jahrzehnte lang bei einer einzigen Person lag, braucht keine klangvollen Bezeichnungen zur Klassifizierung. Eine andere Frage ist, ob es totalitär, autoritär oder mild war. Hier kommt es auf Nuancen an, und zwar sehr.

War der Franquismus eine Diktatur oder ein autoritäres Regime?

Die Debatte beginnt mit einem klassischen Missverständnis: Diktatur gleich Totalitarismus zu setzen. Das sind zwei verschiedene Dinge. Eine Diktatur bedeutet das Fehlen von Demokratie, echter Opposition und Meinungsfreiheit; der Totalitarismus fügt die Kontrolle der Privatsphäre, soziale Ingenieurskunst und permanente Überwachung des Individuums hinzu. Nach diesem Kriterium ordnet man Singapur der ersten Kategorie und Nordkorea der zweiten zu.

Mit diesem Maßstab passt die Bezeichnung „Diktatur“ ohne große Umstände. Diskutiert wird die Intensität. Ein Regime, das 36 Jahre dauerte, verhielt sich in den 40er-Jahren anders als in den 70ern. Diese Entwicklung zu leugnen, ist ebenso irreführend wie die Härte der Nachkriegszeit zu bestreiten.

Die Argumente zur Relativierung des Narrativs

Verfechter der These vom „autoritären Regime“ führen konkrete Episoden an. Man nennt die Rettung von mehr als 60.000 Nnnn während des Zweiten Weltkriegs, zugeschrieben dem US-Historiker Lawrence H. Feldman in seinem Werk über Francos Flüchtlinge. Es wird daran erinnert, dass Baskisch, Katalanisch und Galicisch gesprochen wurden, sowie ein Brief der Suffragette Clara Campoamor, in dem sie ihren Wunsch nach Francos Sieg ausdrückte.

Diese Daten kursieren mit Links zu Medien wie ABC oder El Debate. Ihr Beweiswert ist umstritten, doch dienten sie dazu, eine Legende der Gnade zu konstruieren, die der akademischen Geschichtsschreibung widerspricht. Die Gegenlesart behauptet, die Evolution des Regimes sei kein Akt des guten Willens gewesen, sondern extern erzwungen durch das Konzil unter Johannes XXIII., das Religionsfreiheitsgesetz von 1967 und den Druck, sich dem Gemeinsamen Markt anzunähern.

Diktatur ist nicht synonym mit Totalitarismus

Der stärkste Teil des Arguments ist konzeptioneller. Alle totalitären Systeme sind Diktaturen, aber nicht alle Diktaturen sind totalitär. Auf Spanien angewendet lässt sich behaupten, der Franquismus sei eine autoritäre Diktatur gewesen – mit „autoritäres Regime“ als Untertyp –, ohne ihn in dieselbe Schublade wie Nancy-Deutschland oder die Sowjetunion stecken zu müssen.

Wer den Begriff autoritäres Regime bevorzugt, geht weiter: Er argumentiert, dass die Autorität mit Zustimmung des Volkes ausgeübt wurde, nicht durch Gewalt. Als Beweis dient, dass Franco im Krankenhaus starb, nicht gestürzt oder hingerichtet wurde. Ein Argument, das das Ende eines Regimes mit dessen Methoden über vier Jahrzehnte verwechselt.

Der Hintergrund der Debatte: Instrumentalisierung gegen die Gegenwart

Ein Großteil des Austauschs zielt auf die aktuelle Situation. Man vergleicht heute mit damals, spricht von einer vermeintlichen modernen Gedanken-Diktatur und behauptet, Francos Regime habe in mancher Hinsicht mehr Freiheit gewährt als der heutige Rahmen. Dies ist die übliche Ableitung: Jede Seite nutzt 1939 oder 1975, um über 2024 zu sprechen.

Das verwirrende Faktum ist historischer Natur, sondern semantischer Art. Vierzig Jahre später diskutieren wir immer noch, welches Wort man für ein Regime wählen soll, das Spanien 36 Jahre lang ohne legale Opposition regierte. Die Etiketten ändern sich; die Fakten bleiben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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