Sjewjerodonezk eingekesselt: Der Donbas entscheidet sich im Kessel

Sjewjerodonezk ist von Norden, Osten und Süden eingekreist: Möglicherweise sind 14.000 bis 16.000 ukrainische Soldaten eingekesselt. Der Donbas entscheidet sich in einer Einkesselung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sjewjerodonezk eingekesselt: Der Donbas entscheidet sich im Kessel
Sjewjerodonezk eingekesselt: Der Kessel, der über den Donbas entscheiden könnte

Der russische Vormarsch im Donbas ist keine Analysten-Hypothese mehr: Es ist eine Einkesselung mit eigenem Namen. Laut den Meldungen, die in Kanälen zur Konfliktbeobachtung kursieren, ist die Stadt Sjewjerodonezk —die faktische Hauptstadt des Teils von Luhansk, der unter Kiewer Kontrolle blieb— von Norden, Osten und Süden abgeschnitten, und die Verbindung zur Nachbarstadt Lyssytschansk ist unterbrochen. Eine gesprengte Brücke, die zweite unter Feuerkontrolle. Die Zange schließt sich.

Die Zahl, die in allen Gesprächen schwebt, ist unbequem: Zwischen 14.000 und 16.000 ukrainischen Soldaten könnten im Kessel eingeschlossen sein, unter ständigem Artillerie- und Hubschrauberbeschuss. Sollte sich das bestätigen, stünden wir vor einem zweiten Mariupol, allerdings mit einem entscheidenden Unterschied: Hier gibt es kein Stahlwerk und keine Industriekeller, sondern offenes Gelände und ein Schienennetz, das die Russen nutzen, um schwere Artillerie aus Luhansk heranzuschaffen.

Was die in der Beobachtung zitierten Medien sagen

Ausgangspunkt der Beobachtung waren drei Artikel: ein italienischer, detaillierter als der Durchschnitt; ein amerikanischer, hinter einer Paywall; und ein indischer. Der Vergleich ist kein Zufall. Die italienische Analyse —zitiert als die gründlichste— beschreibt die drei geplanten Kessel im Donbas: Sjewjerodonezk-Lyssytschansk als den unmittelbarsten, mit bereits eingekesselter Stadt und gekappten Verbindungen. Der amerikanische bleibt hinter der Paywall an der Oberfläche. Der indische bietet kaum mehr als den allgemeinen Rahmen.

Die Schlussfolgerung aus diesem Vergleich: Detaillierte und tagesaktuelle Informationen sind knapp. Die westlichen Medien sind davon abgegangen, eine ukrainische Gegenoffensive anzukündigen, und räumen jetzt häppchenweise ein, dass sich das Gelände in die entgegengesetzte Richtung bewegt. Die zitierte Lageeinschätzung —einem Analysten zugeschrieben, der täglich Karten veröffentlicht— spricht von "einer der flüssigsten Phasen des Krieges" und nennt als Meilensteine die Kapitulation in Mariupol und den russischen Durchbruch bei Popasna.

Der russische Vormarsch und das Schienennetz von Luhansk

Das am häufigsten wiederholte technische Argument ist logistisch: Die Russen nutzen das Schienennetz von Luhansk, um gewaltige Mengen Artillerie zu transportieren. Gelingt es den Ukrainern, dieses Nachschubnetz zu durchbrechen, kommt der Vormarsch abrupt zum Stehen. Es ist der einzige echte Hebel, den die Analyse ausmacht. Ohne die Unterbindung der feindlichen Logistik ist keine Gegenoffensive möglich, und diese Logistik verläuft über Strecken, die acht Jahre lang im separatistischen Hinterland lagen.

An der Front lautet die Lesart, dass die ukrainische Berufsarmee auf eine zweite Verteidigungslinie ausweichen musste. Die erste —acht Jahre lang befestigt und im Donbas-Krieg als uneinnehmbar geltend— fiel in etwa anderthalb Monaten, nachdem Russland nach dem Abzug aus Kiew Kräfte konzentriert hatte. Auf ukrainischer Seite hatte niemand dieses Tempo erwartet. Die zweite Linie ist per Definition schlechter vorbereitet, und genau darin liegt das Problem.

Verluste, Abnutzung und die Frage nach Verhandlungen

Die Abnutzung ist die andere Achse der Beobachtung. Die Rede ist von extrem hohen Verlusten auf beiden Seiten, von einer ukrainischen Armee, die in drei Monaten ebenso viele Verluste hinnehmen musste wie in fast zehn Jahren Krieg in Afghanistan, und von einem Russland, das den Personalmangel mit Rekrutierung in Gefängnissen und lokalen Milizen ausgleicht. Die Frage, die die gesamte Beobachtung durchzieht, lautet, ob ein Punkt kommen wird, an dem die ukrainische Bevölkerung, sterbensmüde, auf Verhandlungen drängt. Eine Antwort gibt es nicht. Nur Anzeichen dafür, dass die Sarracena inzwischen in zurückgewonnenen Kilometern gemessen wird.

Manche halten es für unmöglich, dass Selenskyj die Siegeserzählung aufrechterhalten kann, wenn sich eine Massenkapitulation im Donbas bestätigt. Andere erinnern daran, dass der Krieg nicht mit einem Waffenstillstand endet: Die Sanktionen gegen Russland sind dauerhaft, und der Energiepreis wird weiter steigen, unabhängig vom militärischen Ausgang. Das ist vielleicht die einzige Gewissheit der Beobachtung.



Was, wenn der Kessel von Sjewjerodonezk nicht das Ende von etwas ist, sondern der Beginn eines längeren und teureren Krieges für alle?

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (90 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver