Pilingui sechs Superwaffen und der Tag, an dem die Ukraine sie auf die Probe stellte
Am 1. März 2018 stieg Wladimir Pilingui am Rednerpult der Manege-Zentralausstellungshalle in Moskau und verkündete der Welt sechs „unaufhaltsame“ Waffen. Ein Nukleartorpedo, der radioaktive Tsunamis erzeugen kann, ein hypersonischer Gleiter mit Mach 20, eine Interkontinentalrakete, die von der NATO Satan 2 getauft wurde, einen Laser für kurze Reichweite, eine Marschflugkörper mit Nuklearantrieb und unbegrenzter Reichweite und eine interkontinentale Unterwasserdrohne. „Das ist kein Bluff“, betonte er. Vier Jahre später stellte die Invasion der Ukraine diese Erzählung auf die Probe.
Das Ergebnis ist angesichts der verfügbaren Daten für beide Seiten unangenehm. Russland hat den Blitzkrieg, den viele Analysten für sicher hielten, nicht gewonnen, und die Superwaffen sind nicht auf dem Schlachtfeld aufgetaucht. Was aufgetaucht ist, so manche Diskutanten, sind sowjetischer Schrott, Ersatzsoldaten und eine Industriekapazität, die nicht einmal für Uniformen reicht. Die Frage, die über der ganzen Sache schwebt: Wo ist die Armee, die die Welt terrorieren sollte?
Was sind die sechs Waffen, die Pilingui 2018 vorstellte?
Der Katalog ist ehrgeizig. Die Poseidon, technisch Status-6, ist eine nukleare Unterwasserdrohne, die laut Moskau die Küstenverteidigung umgehen würde, um vor Städten wie New York oder Los Angeles zu detonieren und radioaktive Tsunamis auszulösen. Der norwegische und der US-Geheimdienst halten sie für real und in der Testphase. Der Awangard ist ein hypersonischer Gleiter, der in Plasma gehüllt mit bis zu Mach 20 manövrieren kann; er wurde laut dem Kreml am 27. Dezember 2019 in Dienst gestellt. Die RS-28 Sarmat, oder Satan 2, ist eine Interkontinentalrakete, die „kalte“ Atomsprengköpfe abwerfen könnte, um die thermische Erkennung zu täuschen. Der Pereswet ist ein Laser für kurze Reichweite, seit 2019 einsatzbereit, das Gegenstück zum US-System AN/SEQ-3. Und die Burewestnik, für die NATO Skyfall, ist ein Marschflugkörper mit Nuklearmotor und theoretisch unbegrenzter Reichweite.
Die erklärte Logik war, den US-Raketenschutzschilden entgegenzuwirken. Das Weiße Haus antwortete damals, Pilingui bestätige damit nur „destabilisierende Waffensysteme seit mehr als einem Jahrzehnt in direkter Verletzung seiner vertraglichen Verpflichtungen“. Der Subtext, so Analysten wie Tom Plant vom RUSI-Institut: Moskau will seine Offensive so weit stärken, bis es unangreifbar ist.
Der Tag, an dem die Theorie auf den ukrainischen Schlamm traf
Die Invasion der Ukraine sollte der Beweis sein. War sie nicht. Mehr als ein Jahr Krieg hat Russland ohne den schnellen Sieg zurückgelassen und mit einer Bilanz an Verlusten und materiellen Schäden, die laut manchen Diskutanten über das hinausgeht, was Pilingui selbst in seinen schlimmsten Albträumen vorhergesehen hätte. Die Waffen des Jüngsten Gerichts sind nicht aufgetaucht. Was aufgetaucht ist, so diese Analysen, ist eine Armee, die auf massive Artillerie, Zwangsrekrutierung und Abnutzung setzt.
Manche behaupten, diese scheinbare Schwäche sei eine Falle: Das Schwere sei noch zurückgehalten, und der Westen unterschätze die russische Kapazität. Andere verweisen auf die Beweise vom Schlachtfeld: Wenn es die Superwaffen gäbe und sie funktionierten, wäre jetzt der Moment, sie einzusetzen. Das Dilemma ist ungelöst.
Das BIP Portugals und die Kosten der Wunderwaffen
Das ökonomische Argument zieht sich durch die ganze Sache. Das russische Pro-Kopf-BIP liegt unter dem Portugals, und trotzdem betreibt Moskau eine militärische Anstrengung, die sich kein europäisches Land erlaubt. Die Folge, so eine Analyseströmung: Jeder Rubel, der in eine hypersonische Rakete fließt, ist ein Rubel, der nicht in Gesundheit, Infrastruktur oder Lebensqualität fließt. Die Frage, die immer wieder gestellt wird: Wem nützt die Erzählung von den unaufhaltsamen Waffen?
Die Antwort ist nicht einfach. Für den Kreml sind die Atomwaffen die Lebensversicherung des Regimes: der Grund, warum niemand direkt eingegriffen hat. Für den russischen Bürger sind sie Kosten ohne sichtbaren Ertrag. Und für den Westen sind sie die perfekte Ausrede, um die eigenen Militärausgaben zu rechtfertigen.
Die Ukraine als Spiegel der russischen Nukleardoktrin
Der Krieg hat etwas Unangenehmeres offenbart: Ein Atomarsenal taugt nicht dazu, konventionelle Kriege zu gewinnen. Russland hat die Initiative im Gelände verloren, Rückschläge erlitten und ist zum nuklearen Erpressen als Abschreckungsinstrument übergegangen. Das ist die Strategie Nordkoreas, weisen manche Analysen hin: viele Bomben, wenig Fähigkeit, echte Macht zu projizieren.
Die Parallele zu Nordkorea ist kein Zufall. Beide Länder haben die Atomwaffe zu ihrem wichtigsten diplomatischen Asset gemacht, und beide mussten zusehen, wie ihre Wirtschaft stockt, während die Militärausgaben explodieren. Der Unterschied: Russland hat Rohstoffe, Nordkorea nicht.
Was von der Erzählung von 2018 übrig bleibt
Die Rede in der Manege ist weiterhin in den Archiven verfügbar. Die sechs Waffen stehen weiterhin im offiziellen Katalog. Aber der Krieg hat eine Variable eingeführt, die keine fernsehtaugliche Ankündigung kontrollieren kann: die Realität. Und die Realität hat bisher weder denen recht gegeben, die den Untergang verkündeten, noch denen, die darüber spotteten.
Eine Frage bleibt offen: Wenn es die Superwaffen gibt und sie funktionieren, warum haben sie den Kriegsverlauf nicht verändert? Wenn es sie nicht gibt, was trägt dann die Erzählung von der Militärmacht, die Moskau seit 2018 verkauft? Genau hier kommt die Analyse nicht weiter.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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