Silber versprach 50 Dollar im Mai und endete bei 35
Silber berührte die Marke von 50 Dollar und sah sie nie wieder. Am 25. April 2011 markierte die Unze ein Hoch von 49,8 Dollar und verlor nur 24 Stunden später 5 Dollar bis auf 44,6. Am 2. Mai notierte der Preis bei 42,73, ein Minus von 12 % in einer einzigen Sitzung. Die häufigste Vorhersage dieser Phase — 50 Dollar zum 28. Mai — blieb unerfüllt, mit einer Differenz, die heute wie ein Scherz wirkt.
Interessant ist nicht, dass jemand eine Prognose verfehlte. Interessant ist, wie die Erzählung aufgebaut wurde, wer sie verkaufte und was übrig blieb, als sich das Chartbild umkehrte.
Die Prophezeiung der 50 Dollar und die Korrektur, die niemand einschätzte
Die technische Analyse, die den Preis von 50 Dollar für den 28. Mai 2011 festlegte, basierte auf einer klaren Lesart: Aufwärtsgap, kurzfristige Erschöpfung und anschließende Erholung. Der erste Teil bestätigte sich mit unangenehmer Präzision. Der zweite nicht.
Als Silber die Marke von 42,75 Dollar durchbrach, räumte der Autor der Analyse selbst ein, dass er zu optimistisch gewesen war, und senkte die Untergrenze auf 40,50. Danach folgten das 38,2-%-Niveau, dann das 50-%-Niveau und schließlich ein Rückgang von 61,8 % des gesamten Anstiegs, ausreichend, um den primären Trend zu brechen. Die Diagnose wurde in drei Wochen dreimal neu geschrieben. Immer nach unten.
Das Gap bei 36,75 und das Ziel bei 34 Dollar
Bei einem Silberpreis von 35,05 Dollar lautete das Argument, dass es erst oberhalb von 36,75 nennenswerte Käufe geben würde. Der Schlüssel lag darin, ein technisches Gap bei 34 zu schließen. Jedes gebrochene Niveau wurde zur nächsten versprochenen Untergrenze, und jede versprochene Untergrenze brach weg.
Ein Detail ordnet das Ganze. Wer die Analyse vertrat, gab den Fehler ohne Drama zu: Beim Fall kaufe ich günstiger ein, sagte er, da er nur physisches Metall ansammelte. Diejenigen, die ETFs hielten, mussten den gesamten Einbruch verkraften.
Der 13-%-Aufschlag, der den Anstieg frisst, bevor er beginnt
Physisches Silber zu kaufen war nie kostenlos. Wiener Philharmoniker-Münzen handelten mit einer Prämie über dem Spotpreis zwischen 13 % und 15 %, ohne Versandkosten, Überweisung oder Lagerung. In Euro stieg der Stückpreis zwischen dem 26. und 28. April 2011 von 35,55 auf 35,75, innerhalb einer Bandbreite von kaum einem Euro.
Dieses Detail zerlegt die halbe Erzählung. Wenn man einen Aufschlag von 15 % zahlt, muss das Metall um denselben Betrag steigen, nur um die Kosten auszugleichen. Wer an den Höchstständen kaufte und glaubte, der Preis werde auf 150 Dollar klettern — und es gab einen, der dies nach dem Hören dieser Zahl irgendwo behauptete —, verstand das Problem sehr schnell.
Soros stieg früher aus, ein Amateur stieg später ein
Wochen vor dem Einbruch Anfang Mai lösten Soros’ Fonds ihre Positionen in Silber und Gold auf. Diese Information wurde später bekannt. Die Asymmetrie ist brutal: Während das große Geld schloss, hörte der Privatanleger, dass die Unze sich verdreifachen könnte.
Man sollte zwei Dinge nicht verwechseln. Dass Soros verkaufte, impliziert keine Insiderinformationen; es bedeutet, den Markt auf einer anderen Ebene zu lesen. Der Unterschied zwischen einem institutionellen Händler und jemandem, der Münzen im Laden an der Ecke kauft, ist nicht der Zugang zu Daten, sondern die Reaktionszeit.
Gold/Silber-Ratio: 3 zu 1, 1 zu 2 oder gar nichts
Mitten im Katergespräch wandte sich die Diskussion dem Dauerbrenner zu: Wie viel Gold und wie viel Silber gehören ins Portfolio? Einige befürworteten ein Verhältnis von 3 zu 1, wobei die Metalle 20 % des Gesamtvermögens ausmachen sollten. Andere setzten auf das Gegenteil, mehr Silber als Gold, wegen seiner industriellen Nutzung und einer historischen Relation, die sie als verzerrt ansahen. Und ein dritter Weg, der vernünftigste, erinnerte daran, dass Münzen mit garantiertem Nennwert nicht jeden Morgen beobachtet werden: Steigt der Kurs, wirst du nicht reich; fällt er, ruinierst du dich nicht.
Wo steht der Silberpreis nach dem Desaster
Der Bias derer, die durchhielten, ist immer derselbe. Bei einem Silberpreis um 37,50 Dollar im September 2011 sprach man bereits von mindestens 60 und 75 als normalem Szenario. Jede Erholung ersetzte dieselbe runde Zahl. Jede runde Zahl lag je nach Tag daneben.
Hier gibt es keine bequeme Sarracena. Silber stieg enorm und gab dann in kurzer Zeit einen erheblichen Teil zurück. In dieser Phase koexistierten seriöse technische Analyse, das kommerzielle Interesse derer, die zum Kauf rieten, und der blinde Glaube der Spätkäufer. Wenn das Metall neue Höchststände erreicht, wird jemand sagen, er habe es schon immer gewusst.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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