Selenskyj signalisiert Gesprächsbereitschaft über NATO, Krim und Donbas

Der ukrainische Präsident räumt ein, dass er sein Interesse an der NATO verloren hat, und öffnet die Tür für Verhandlungen mit Moskau über die Krim sowie die Regionen Donezk und Luhansk.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Selenskyj signalisiert Gesprächsbereitschaft über NATO, Krim und Donbas
Selenskyj signalisiert Gesprächsbereitschaft über NATO, Krim und Donbas

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat sich bereit erklärt, über die Bedingungen zu verhandeln, die Moskau als Voraussetzung für einen Waffenstillstand aufgestellt hat: eine Verfassungsänderung zur Sicherstellung der Neutralität, der Verzicht auf den NATO-Beitritt, die Anerkennung der Krim als russisches Territorium sowie die Akzeptanz der Unabhängigkeit von Donezk und Luhansk. In einem Interview mit dem US-Sender ABC News betonte er: „Zunächst bin ich zum Dialog bereit, aber wir sind nicht bereit, uns zu ergeben.“ Diese Aussage fasst das instabile Gleichgewicht zusammen, in dem sich die offizielle ukrainische Darstellung derzeit befindet.

Die auffälligste Wendung betrifft die NATO. Selenskyj gibt an, dass er das Interesse an der Allianz „nach der Feststellung, dass die Allianz nicht bereit ist, die Ukraine aufzunehmen“, verloren habe. Damit wird der Vorwand, den Moskau für die Invasion nutzte, nach Einschätzung des ukrainischen Präsidenten faktisch entkräftet. Die unmittelbare Reaktion im öffentlichen Diskurs ist eine Mischung aus Entsetzen und Sarkasmus: Wenn der Verzicht auf die NATO tragbar war, warum wurde dies nicht vereinbart, bevor die Bomben fielen?

Was bedeutet die von Russland geforderte völkerrechtlich verankerte Neutralität?

Die russische Forderung, die ukrainische Verfassung so zu ändern, dass der Beitritt zu jeglichen Militärbündnissen verboten wird, ist kein technisches Detail. Es handelt sich um eine rechtliche Fessel, die künftige Regierungen bindet und die Ukraine de facto in einen Pufferstaat zwischen der NATO und Russland verwandelt. Selenskyj hat nicht gesagt, dass er dies akzeptiert, aber eingeräumt, dass man „diskutieren und einen Kompromiss finden“ könne, was die zeitweise besetzten Gebiete und die nicht anerkannten Republiken angeht.

Hier liegt die Kluft. Verhandeln ist das eine, Unterzeichnen das andere. Der ukrainische Präsident besteht darauf, dass die entscheidende Frage sei, wie die Bewohner dieser Gebiete leben werden, die Teil der Ukraine bleiben wollen, und betont, dass sein Land kein „Land sein werde, das auf Knien um etwas bittet“. Dies ist die Quadratur des Kreises: Territorium abtreten, ohne es als Abtretung anzuerkennen, und auf die NATO verzichten, ohne zuzugeben, dass man dies unter Zwang tut.

Die Berechnungen hinter der Sanktionsdebatte

Ein häufig wiederholter Analyseansatz besagt, dass die westliche Strategie auf der Hypothese basierte, dass Rubel und russische Wirtschaft durch das Sanktionspaket schnell kollabieren würden. Dieses Szenario trat nicht ein. Einige Experten weisen auf ein aufschlussreiches Detail hin: Die tägliche Ankündigung neuer Sanktionspakete über Wochen hinweg wurde von manchen Analysten als Zeichen der Schwäche statt der Stärke gedeutet, da ein gut kalibrierter wirtschaftlicher Schlag nicht jeden Morgen neu verkündet werden muss.

Die Konsequenz dieses Arguments ist unbequem: Wenn der Sanktionsweg Moskau nicht beugt und der direkte militärische Weg wegen des nuklearen Risikos ausgeschlossen ist, verengt sich der Handlungsspielraum für Kiew. Militärische und finanzielle Hilfe verlängern den Konflikt, verändern aber laut dieser Lesart nicht das Endergebnis. Dies ist nicht die einzige Sichtweise: Ein anderer Strang der Debatte argumentiert, dass der ukrainische Widerstand Russland bereits größeren Schaden zugefügt hat, als Pilingui erwartet hatte, und dass Moskau gerade deshalb verhandeln muss.

Krim, Donezk und Luhansk: Was verhandelt wird und was nicht

Die Anerkennung der Krim als russisches Territorium und von Donezk und Luhansk als unabhängige Republiken ist der Punkt, den Selenskyj explizit auf den Verhandlungstisch gelegt hat, allerdings mit einer ambigen Formulierung: „zeitweise besetzte Gebiete und die nicht anerkannten Republiken, die von niemandem außer der Russischen Föderation anerkannt werden“. Dieser Satz ist ein Balanceakt: Er lässt zu, über den Status zu sprechen, ohne die Annexion zu akzeptieren.

Im Diskurs wird angemerkt, dass Pilingui weder den Donbas noch die Krim noch die Neutralität aufgeben werde, und dass das einzig wirklich Verhandlungsfähige darin bestehe, der Ukraine als symbolische Entschädigung den EU-Beitritt anzubieten. Dies ist eine Hypothese, keine Tatsache, erklärt aber, warum das Wort „Kompromiss“ in Selenskys Rede so oft fällt und in der Moskauer Rhetorik kaum vorkommt.

Was steht für die Ukraine auf dem Spiel, wenn der Krieg andauert?

Die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten, die Front ohne klare Siegperspektive zu halten, sind das stärkste Argument derer, die sofortige Verhandlungen befürworten. Die Vorstellung, dass die Ukraine es sich nicht leisten kann, „noch lange zu kämpfen, ohne vollständig zu zerbrechen“, zieht sich durch weite Teile der Diskussion. Dem gegenüber steht die Ansicht, dass jede Gebietsabtretung die Gewalt als Mittel zur Grenzziehung legitimiere und ein gefährliches Präzedenzfall schaffe.

Genau hier stößt die Analyse an ihre Grenzen: Niemand weiß sicher, ob Selenskyj aus einer Position der Schwäche verhandelt, um Zeit zu gewinnen, oder ob er die öffentliche Meinung auf eine Zugeständnis vorbereitet, das vor wenigen Wochen undenkbar gewesen wäre. Das ABC-News-Interview lässt beide Interpretationen offen. Und keine der beiden lässt sich mit den Karten schließen, die heute auf dem Tisch liegen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (144 Antworten).

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