Selenskyj klagt über Druck aus dem Westen, den Konflikt zu beenden
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte auf einer Pressekonferenz, westliche Politiker und Medien begännen, die Ukraine zu drängen, den Konflikt mit Russland mit einem Ergebnis zu beenden, das nicht dem entspricht, was er will. Er brachte es in einem Satz auf den Punkt: „Alle wollen uns so weit wie möglich in Richtung eines Ergebnisses schieben, das nicht genau das ist, das wir wollen." Die Gründe seien, so er, „sowohl finanzieller als auch politischer Natur". Die Erklärung kommt nach Monaten, in denen die offizielle europäische Erzählung unbegrenzte Unterstützung und lückenlose Sanktionen versprach.
Was Selenskyj genau zum Druck sagte
Selenskyj sprach von einer wachsenden „Müdigkeit" in der internationalen Gemeinschaft und von fremden Interessen. „Die Müdigkeit nimmt zu, die Menschen wollen irgendein Ergebnis für sich, während wir ein Ergebnis für uns brauchen", erklärte er laut ukrainischen Medien, die in der Berichterstattung zitiert wurden. Er fügte hinzu, Kiew müsse „mit allen europäischen Ländern und dem Rest der Welt" zusammenarbeiten, machte aber klar, dass derzeit keine Verhandlungen über Friedenspläne laufen und er mit seinen Amtskollegen keine Wege zu einer Lösung des Konflikts „mit einem positiven Ergebnis" für das ukrainische Volk erörtert hat.
Die Botschaft lässt zwei Deutungen zu. Die erste: Die Ukraine sitzt nicht am Tisch, an dem über ihre Zukunft entschieden wird. Die zweite: Wer bis vor Kurzem bedingungslose Unterstützung versprach, zieht nun im Hintergrund die Fäden. Die Reaktion in der Wirtschaftsanalyse fällt sofort aus: Wenn die Geldgeber Druck machen, dann weil die Kosten für das Aushalten des Kräftemessens allmählich schwerer wiegen als die Erzählung.
Die Energiekosten, die Europa nicht zugeben will
Das Argument, das in der Analyse der Wende am häufigsten fällt, ist das energetische. Europa hatte Öl und Gas zu günstigen Preisen per Pipeline; jetzt kauft es teurer, bei mehr Akteuren und mit einer Logistik, die vom Seeverkehr abhängt. Die Folge ist eine Kostenkrise, die Industrie und Familien trifft, während die Sanktionen gegen Russland den Gegner nicht in die Knie gezwungen haben. Der Schuss ist nach hinten losgegangen, halten jene fest, die seit Monaten warnen, dass der Energie-Boomerang hier mehr wehtun würde als dort.
Parallel dazu gibt es die These, die USA hätten eine bequeme Position: Sie verkaufen Waffen und Energie an ein Europa, das an Substanz verliert. Die zynischste – und am häufigsten wiederholte – Analyse besagt, Washington sei an einem Fortgang des Konflikts interessiert, denn jeder Kriegsmonat ist ein Geschäftsmonat und ein Monat der Schwächung eines europäischen Konkurrenten. Dass Selenskyj jetzt von westlichem Druck spricht, passt in dieses Bild: Wer zahlt, befiehlt.
Selenskyjs politischer Verschleiß und das Beispiel der im Stich gelassenen Verbündeten
Der historische Vergleich, der über der Angelegenheit schwebt, ist der der Verbündeten, die die USA fallen ließen, als sie nicht mehr nützlich waren. Südvietnam, die moderaten Iraker, die Libyer des Frühlings, die säkularen Afghanen. Das Muster wiederholt sich: massive Unterstützung, solange es strategisch etwas bringt, Verlassen, wenn die Kosten den Nutzen übersteigen. Ohne amerikanische Waffen würde die Ukraine wie ein Würfelzucker zerfallen, und das weiß Selenskyj besser als jeder andere.
Manche behaupten, der ukrainische Präsident sei eine Marionette, die gehorcht, solange man sie stützt, und die bloßgestellt dasteht, sobald man sie fallen lässt. Andere verweisen darauf, dass ihn sein persönliches Vermögen und seine Immobilien im Ausland in die Lage versetzen würden, sich aus dem Staub zu machen, wenn der Zirkus endet. Das sind unbelegte Vermutungen, aber sie kursieren hartnäckig in der Konfliktanalyse. Fakt ist jedenfalls, dass die Ukraine Territorium, Menschenleben und Verhandlungsspielraum verloren hat, während der Westen debattiert, ob er die Party weiter bezahlt.
Welche Interessen die einzelnen Akteure treiben
Das Interessenbild ist unbequem. Den europäischen Ländern ist daran gelegen, dass der Konflikt so schnell wie möglich endet, weil die Energierechnung und die Inflation sie bei Wahlen teuer zu stehen kommen. Dem US-Militär- und Energiekomplex ist daran gelegen, dass er weitergeht. Und Russland, so die vorherrschende Analyse, will die ukrainische Armee erst zerschlagen, bevor es an den Verhandlungstisch geht. Zwischen diesen drei Vektoren ist die Ukraine die justierbare Variable.
Die offene Frage ist, ob Europa überhaupt realen Druck ausüben kann oder nur leise Andeutungen machen kann. Macron ist vorgeprescht und hat davon gesprochen, Russland „eine Lösung zu geben" – ein Zeichen, dass sich etwas bewegt. Solange Washington aber keinen Zug macht, klingen die europäischen Vorschläge wie Hintergrundmusik.
Das Szenario, das sich auftut: Frieden mit Verlusten oder Krieg ohne Unterstützung
Wenn Selenskyj nachgibt, muss die Ukraine Gebietsverluste hinnehmen, die vor Monaten undenkbar waren. Wenn er nicht nachgibt, riskiert er, den Zustrom von Waffen und Geld zu verlieren, der seine Armee am Laufen hält. Einen bequemen dritten Weg gibt es nicht. Selenskyj selbst sagte es: Es laufen keine Verhandlungen, aber der Druck existiert und wächst.
Vor diesem Hintergrund ist absehbar, dass sich der Konflikt eher durch die Erschöpfung der Geldgeber abkühlt als durch eine echte Vereinbarung. Und dass die Ukraine am Ende das unterschreibt, was man ihr zu unterschreiben erlaubt. Wann und zu welchen Bedingungen, weiß noch niemand.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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