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Selbstständig oder GmbH in Spanien: Wann sich die Körperschaftsteuer wirklich lohnt
Die Ersparnis einer GmbH gibt es nur bei Gewinnen, die im Unternehmen bleiben. Mit der Pflicht, 75 % als Gehalt zu entnehmen, schrumpft der Steuervorteil.
Selbstständig oder GmbH: die Rechnung, die entscheidet – und die fast niemand anstellt
Ein gut verdienender Selbstständiger in Spanien erhält von seinem Steuerberater den üblichen Rat: Gründe eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (SL), zahle Körperschaftsteuer und spare dir die Einkommensteuer. Er wehrt sich. Er war bereits Geschäftsführer einer SL und erinnert sich an Rechnungen, Kassen, Inventare, Lieferscheine und eine angestellte Buchhalterin. „Ich bleibe lieber selbstständig, auch wenn ich mehr Steuern zahlen muss“, sagt er. Die Frage ist nicht rhetorisch gemeint: Ist das Wahnsinn?
Die kurze Antwort lautet: Nein. Die lange hängt davon ab, wo das Geld am Jahresende ist.
Woher die Steuerersparnis einer SL kommt
Der Gewinn des Selbstständigen wird mit der Einkommensteuer (IRPF) besteuert, mit Grenzsteuersätzen, die je nach Region bis zu 45-47 % erreichen. In einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zahlt der im Unternehmen verbleibende Gewinn Körperschaftsteuer, rund 23-25 % für KMU, bei Neugründungen in den ersten Jahren weniger.
Das ist der Köder. Und das ist die Falle: Die Ersparnis gibt es nur bei dem Geld, das man nicht entnimmt. Was man als Gehalt entnimmt, wird genauso mit IRPF besteuert wie zuvor. Was man als Dividende entnimmt, wird erneut besteuert, im Bereich der Kapitalerträge. Wenn man den gesamten Gewinn zum Leben braucht, schrumpft der Vorteil bis fast auf null.
Die 75-%-Regel, die das Finanzamt im Blick hat
Bei Gesellschaften von Freiberuflern – Anwälte, Berater, Ärzte, Architekten – sieht das Gesellschaftsgesetz eine sichere Hafenregelung vor: Wenn der Gesellschafter mindestens 75 % des Ergebnisses erhält, bevor das Unternehmen Steuern darauf zahlt, akzeptiert die Steuerbehörde (Hacienda) die Gestaltung. Bei gewerblichen Tätigkeiten gibt es keinen festen Prozentsatz, aber es gilt die allgemeine Marktwertregel. In der Praxis wird derzeit im Weg von Betriebsprüfungen nachverhandelt, mit Strafen inklusive, wenn die Gesellschaft keine eigenen Mittel hat und die gesamte Arbeit vom Gesellschafter erbracht wird.
Übersetzt heißt das: Eine Einmann-SL ohne Struktur ist für die Steuerbehörde ein Selbstständiger mit zusätzlichem Papierkram. Die Ersparnis frisst die Nachversteuerung auf.
Gemietete Halle und Angestellte: wann eine SL wirklich Sinn ergibt
Das Bild ändert sich, wenn man einstellen will. Mit ein paar Angestellten und einer gemieteten Halle ist die Tätigkeit wirklich unternehmerisch. Das Finanzamt hat weniger Spielraum zu behaupten, der Gewinn stamme aus der persönlichen Arbeit des Inhabers, und einbehaltene Gewinne werden ohne große Diskussion besteuert.
Dann erscheint der andere Vorteil, der nicht in der Excel-Tabelle auftaucht: die beschränkte Haftung. Eine Kündigung, die vor Gericht endet, ein Arbeitsunfall, ein Problem in den Geschäftsräumen. Als Selbstständiger haftet man mit dem Privatvermögen; bei einer SL im Prinzip nur mit dem der Gesellschaft, außer man hat Bürgschaften unterschrieben. Und es gibt einen Bonus, der oft vergessen wird: Förderungen und öffentliche Ausschreibungen verlangen meist eine Gesellschaftsform.
Die Kosten, die im Rechner nicht auftauchen
Bürokratie ist keine abstrakte Plage. Es sind Buchhaltung, Inventar, Kasse, Lieferscheine, die Abstimmung jeder einzelnen Buchung und die Koordination mit der Steuerkanzlei. In Branchen mit viel physischem Warenverkehr ist Automatisierung ein Wunschtraum. Manche behaupten, mit KI-Tools sei das in ein paar Nachmittagen erledigt; wer es erlebt hat, weiß: Das Problem ist nicht die Software, sondern die Menge menschlicher Entscheidungen, die einem niemand abnimmt.
Dazu kommt das Risiko einer Betriebsprüfung bei der Einmann-Gesellschaft, auf die sich das Finanzamt besonders konzentriert. Und der innere Verschleiß: verteilte Verantwortlichkeiten, Reibereien mit Gesellschaftern oder Angestellten, Zeit, die dem eigentlichen Geschäft fehlt.
Die Frage, die offen bleibt
Die vollständige Rechnung – mit angemessenem Gehalt, Dividende, Selbstständigen-Sozialabgabe und Kosten der Steuerkanzlei – ergibt eine Differenz, die überrascht, wer nur auf den Körperschaftsteuersatz schaut. Aber das Endergebnis hängt davon ab, wie viel man monatlich entnehmen muss und wie viel die eigene Zeit wert ist. Da kann dir kein Berater helfen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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