Schwimmen in der Arktis: Thalassophobie über 4 km Tiefe

Ein Eisbrecher-Crew schwimmt am Nordpol über 4 km Tiefe. Die Angst vor dem offenen Ozean erklärt.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Schwimmen in der Arktis: Thalassophobie über 4 km Tiefe
Schwimmen auf hoher See: Der Schwindel beim Schweben über 4.000 Metern

Der sowjetische Atomeisbrecher „50 Jahre Sieg“ erreicht den exakten Nordpol, stellt Stühle, Tische und eine tragbare Küche auf, baut einen Grill auf und bevor die Crew isst, badet sie neben dem Rumpf. Darunter liegen mehr als 4 Kilometer Ozean. Die Szene, verbreitet in einem Video eines Content-Erstellers, hat eine wiederkehrende Frage neu entfacht: Würden wir mitten im offenen Meer schwimmen? Die überwiegende Mehrheit sagt nein, und der Grund ist weniger die Kälte als etwas schwerer zu Benennendes.

Im Sommer verzeichnet der Nordpol milde Temperaturen um 0 Grad, und das Eis hinterlässt freie Flächen, wo Robben, Vögel und Eisbären auftauchen. Das Video zeigt auch dasselbe Schiff bei der winterlichen Polarnacht, mit Bildern, die viele als typisch für einen Pavor beschreiben. Die Kombination aus touristischer Zugänglichkeit und dem vertikalen Abgrund unter den Füßen ist es, was verwirrt.

Was ist Thalassophobie und warum tritt sie auf hoher See auf?

Die Angst vor tiefen Wassermassen hat einen Namen: Thalassophobie. In der Diskussion taucht sie im Zusammenhang mit einem sehr konkreten Phänomen auf, dem Schwindel, wenn man sich von der Reling eines Schiffes mitten im Ozean beugt. Mehrere Berichte stimmen darin überein, dass das Gefühl schlimmer ist als Höhenangst: Ins Meer zu fallen ist kein Aufprall, sondern ein langsamer Tod. Am Rand des Abgrunds, nennen sie es.

Manche unterscheiden zwischen der Angst vor der Tiefe und der Angst vor dem, was sie bewohnt. Ein erfahrener Schwimmer fasst es zusammen: Es macht einen Unterschied, ob man allein oder begleitet von einem Schiff schwimmt, denn zu wissen, dass ein Abgrund unter den Füßen liegt, erzeugt ein seltsames Gefühl. Ein anderer weist darauf hin, dass das Gehirn die Tiefe als Höhe interpretiert und die Fallangst aktiviert, obwohl man rational weiß, dass man schwimmt.

Der Vergleich mit dem Pool ist häufig: Wenn man Sie in einen 1.000 Meter tiefen Pool stecken würde, mit der Garantie, dass keine Tiere vorhanden sind, wäre das Gefühl dasselbe. Das Problem ist nicht das Wasser. Es ist das, was darunter liegt.

Das Bad am Nordpol und im Punkt Nemo: zwei extreme Szenarien

Das Video des Eisbrechers ist nicht der einzige Fall. Auch das von denen, die im Punkt Nemo baden, zirkuliert – dem maritimen Unzugänglichkeitspol im Südpazifik, dem vom Festland am weitesten entfernten Meerespunkt. Allein die Erwähnung des Ortes löst sofortige Ablehnung bei denen aus, die Angst vor dem offenen Ozean haben.

Am Nordpol findet das Bad zudem neben dem Rumpf eines teilweise im Wasser versenkten Stahlboots statt. Für jemanden mit einer Phobie vor großen untergetauchten Objekten ist die Kombination aus Metallmasse und daneben strampelnden Beinen direkt herzinfarktverdächtig. Das Bild der Stühle, Tische und des Grills, die anschließend auf dem Eis aufgebaut werden, fügt einen fast komischen Kontrast hinzu: die Zeremonie, die Welt in Sekunden zu umrunden, und gleich danach ein Steak.

Von der Angst vor Haien zur Angst vor dem Unbekannten

Die Tierwelt ist das andere große Argument. Das Risiko wird erwähnt, dass ein getauchter Eisbär oder ein Orca einen Schwimmer mit einer Robbe verwechseln könnte, und an den Fall von Wissenschaftlern erinnert, die im offenen Meer baden und Besuch von einem Weißen Hai bekommen. Die am häufigsten erzählte Anekdote ist die eines Rochens, der bei einem improvisierten Bad während einer Delfinbeobachtungstour nur einen Meter entfernt vorbeischwamm.

Dennoch teilen nicht alle diese Furcht. Manche behaupten, dass die Wahrscheinlichkeit eines Angriffs verschwindend gering ist und dass sie auf dem Kontinentalschelf, dreißig Meter vom Strand entfernt, wahrscheinlicher sei als mitten im Ozean. Und manche erinnern daran, dass Taucher mit Pressluftflaschen freiwillig hineintauchen und genau nach den großen Tieren suchen.

Das Meer setzt sich jedenfalls durch. Ein Schwimmer beschreibt es so, wie man ein Mikroorganismus in einer Badewanne zu sein. Ein anderer weist darauf hin, dass ein Mensch mitten im Ozean ein saftiges Stück Fleisch ist und wir zwanzig Stufen in der Nahrungskette hinabsteigen. Die am häufigsten gezogene Schlussfolgerung ist nicht Panik, sondern Respekt.

Der Wadenkrampf-Trick und andere praktische Lektionen

Die Diskussion lenkt auf ein sehr konkretes Problem des Schwimmens in offenen Gewässern ab: den Wadenkrampf. Die geteilte Erfahrung besagt, dass der Muskel einige Sekunden warnt, bevor sich der Knoten bildet, und dass es ausreicht, das Bein zu strecken und die Fußspitze nach oben zu drehen, um ihn zu vermeiden. Die Ursache wird auf intensive Anstrengung und Dehydration zurückgeführt, nicht auf einen Kaliummangel, wie die Tatsache belegt, dass dies auch Elite-Fußballern passiert, die eigene Ernährungsberater haben.

Auch Seemannstricks tauchen auf: Wenn eine Gruppe Delfine da ist, sind keine Haie in der Nähe. Und ein Faktum, das legendär klingt, aber als real zitiert wird: Es gab große Solo-Navigator, die nicht schwimmen konnten.



Die Diskussion erreicht keinen Konsens. Manche würden nicht einmal mit einer Harpune schwimmen, andere ohne Zögern tun, und wieder andere bitten nur um eine Brille. Was niemand bestreitet, ist, dass der offene Ozean, mit oder ohne Tiere, weiterhin mehr Respekt einflößt als alles andere.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (141 Antworten).

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