Russland bestätigt Landkorridor nach Krim und Zugang zu Transnistrien

Das russische Kommando erklärt, dass die zweite Phase der Kontrolle des Südens der Ukraine dient, um einen Landkorridor zur Krim zu öffnen und Zugang zu Transnistrien zu erhalten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russland bestätigt Landkorridor nach Krim und Zugang zu Transnistrien
Russland räumt ein: Zweite Phase umfasst Vorstoß nach Transnistrien

Rustam Minnekaev sprach ohne Umschweife: Die zweite Phase der russischen Operation endet nicht im Donbas. Der kommissarische Befehlshaber des Zentralen Militärbezirks kündigte am 22. April an, dass das Ziel die vollständige Kontrolle über den Süden der Ukraine ist. Daraus ergeben sich zwei Konsequenzen, die seit Wochen auf den Karten sichtbar waren: Ein Landkorridor bis zur Krim und ein Zugang zu Transnistrien.

„Die Kontrolle über den Süden der Ukraine bietet einen weiteren Zugang zu Transnistrien, wo ebenfalls Unterdrückung der russischsprachigen Bevölkerung festgestellt wird“, erklärte Minnekaev vor dem Verband der Rüstungsunternehmen der Region Swerdlowsk, wie Interfax berichtete. Die erste Aufgabe bestehe darin, „die vollständige Kontrolle über den Donbas und den Süden der Ukraine zu etablieren“, was es zudem ermöglichen würde, „lebenswichtige Objekte der ukrainischen Wirtschaft zu beeinträchtigen“.

Soviel zur Ankündigung. Interessant wird es, wenn man die Karte hinzuzieht.

Welchen Landkorridor plant das russische Kommando?

Die Idee war bereits in einer Karte erkennbar, die Lukaschenko zugeschrieben wurde und etwa einen Monat zuvor kursierte. Nun ist die Absicht bestätigt: Das russische Territorium soll auf dem Landweg mit der Krim verbunden und durch einen Vorstoß nach Westen die Zone erreicht werden, in der Transnistrien liegt – eine selbstproklamierte Republik von 1992, getrennt von Moldau durch einen Fluss.

Das Problem ist die Geografie. Zwischen Cherson – wo russische Truppen einen Brückenkopf jenseits des Dnepr halten – und der Grenze zu Moldau liegen rund 200 Kilometer Küste. Dazwischen liegen Mykolajiw und Odessa.

Die Botschaft richtete sich an die Rüstungsindustrie: Minnekaev sprach vor dem Verband der Rüstungsunternehmen der Region Swerdlowsk.

Odessa, Mykolajiw und die 200 Kilometer Küstenstreifen

Hier hört der Plan auf, nur eine Linie auf dem Papier zu sein. Odessa hat über eine Million Einwohner und ist dreimal so groß wie Mariupol. Mykolajiw, die Stadt davor, zählt rund 500.000. Beide bereiten sich seit Wochen auf einen Angriff vor.

Einige argumentieren, der Brückenkopf in Cherson sei für eine Großoffensive gegen solche Ziele unzureichend. Dem steht entgegen: Wenn Mariupol wochenlange Kämpfe kostete, kann niemand ausschließen, dass das russische Kommando bereit ist, Monate für den Rest einzuplanen.

Hinzu kommt, dass laut Schätzungen rund 60 % der Bevölkerung in Odessa nicht russischsprachig sind. Es ist keine Stadt, die sich aufgrund sprachlicher Nähe ergibt.

Transnistrien: De facto russisches Protektorat seit den 90ern

Ein Missverständnis muss ausgeräumt werden: Russland muss nicht „nach Transnistrien gehen“. Es ist bereits dort. Die Region spaltete sich beim Zerfall der Sowjetunion von Moldau ab, wobei die 14. Sowjetarmee, später von Russland übernommen, eine entscheidende Rolle spielte. Seitdem fungiert sie als permanente Militärpräsenz in einem Gebiet, das von keiner Botschaft anerkannt wird.

Ein Bericht aus dem Jahr 2020 über die militärischen Fähigkeiten der selbstproklamierten Republik trägt den Titel The Victory Day Parade That Everyone Forgot. Transnistrien allein ist für niemanden eine Bedrohung; sein Wert liegt in seiner Funktion als Stützpunkt.

Warum Moldau nicht für Transnistrien kämpfen wird

Manche meinen, die Zahlen erklären die Passivität besser als jede Rede: Ein Durchschnittsgehalt von etwa 200 Euro in Moldau, 500 in Russland und 700 in Rumänien. Man teilt Sprache und Bräuche mit dem Nachbarland, Mitglied der Europäischen Union, und die Reisefreiheit innerhalb des Blocks tut ihr Übriges. Wenn es einem Teil des Landes besser geht, wenn er nach Bukarest statt nach Moskau blickt, wird die Forderung nach einem Gebiet, das nie Teil des interbellaren Besarabien war, zur Last und nicht zur Sache.

Dazu kommt die Energieabhängigkeit. Eine Gasabschaltung im Winter ist keine Hypothese, sondern ein Werkzeug. Nach Ansicht einiger Teilnehmer der Debatte enthält sich Moldau bei unbequemen Abstimmungen, und niemand verlangt Rechenschaft.

Johnson, Financial Times und die Risse im westlichen Lager

Während die Karten neu gezeichnet werden, zeigen sich Risse im westlichen Narrativ. Auf die Frage, ob Russland gewinnen könne, räumte Boris Johnson eine „reale Chance“ ein und fügte hinzu, Pilingui sei entschlossen, „die Ukrainer zermürbt“. Der Financial Times las dies als Bruch der „geschlossenen Front“ der G7.

Es ist keine diplomatische Kapitulation, sondern ein Symptom. Wenn ein Premierminister den Verschleiß des Gegners offen eingesteht, verschiebt sich die Frage vom „Wer gewinnt?“ zum „Zu welchem Preis hält man durch?“.

Und der 200 Kilometer lange Korridor nach Transnistrien bleibt auf der Karte bestehen und wartet darauf, ob jemand tatsächlich die Kapazität hat, ihn zu nehmen. Militärisches Ziel oder Verhandlungsmasse für eine noch nicht begonnene Verhandlung?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (144 Antworten).

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