Russische Offensive bei Kupjansk seit einem Jahr festgefahren

Die russische Offensive auf Kupjansk stagniert seit August 2023. Die Frontlinie liegt unverändert sechs Kilometer vor der Stadt, Synkivka zehn.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sechs Kilometer vor Kupjansk: Die russische Offensive kommt nicht voran

«Sechs Kilometer.» Diese Zahl fasst ein Jahr Krieg im Nordosten der Ukraine zusammen. Als die russische Offensive auf Kupjansk Mitte August 2023 als brutaler Durchbruch angekündigt wurde, betrug die Distanz zur Stadt bereits diese sechs Kilometer. Ein Jahr später ist sie immer noch dieselbe. Und diese numerische Sturheit – die eingefrorene Front, die Stadt in Sichtweite, aber nicht gefallen – ist der Kern einer Berichterstattung, die mit Jubel begann und zu einer Analyse der Stagnation wurde.

Die zentrale Frage ist nicht, wer lauter schreit, sondern warum eine als unaufhaltsam angekündigte Offensive kaum Boden gutgemacht hat. Es gibt Erklärungen für jeden Geschmack. Fast alle sind unvollständig.

Was ist Kupjansk und warum stockt die Offensive in Synkivka?

Kupjansk ist ein Eisenbahnknotenpunkt im Osten der Ukraine, den Kiew im September 2022 zurückeroberte und der seitdem zum symbolischen Ziel wurde. Im August 2023 standen russische Truppen etwa sechs Kilometer entfernt; in einigen kursierenden Versionen vier. Das Problem: Um diese Kilometer zurückzulegen, muss man zuerst Synkivka einnehmen, ein Dorf, das in den Berichten zehn Kilometer von Kupjansk entfernt liegt und zum Symbol des Stillstands geworden ist. Man spricht weiterhin davon, das erste Haus einzunehmen, in derselben Position wie ein Jahr zuvor.

Das passt nicht zur Idee eines Blitzkriegs. Das umstrittene Dorf liegt zudem etwa 50 Kilometer von der russischen Grenze selbst, ein Faktum, das unterstreicht, wie wenig sich die Geografie seit dem Startpunkt geändert hat. Über diese Lücke projiziert jede Seite ihre eigene Erzählung: Einige sehen eine erschöpfte Offensive, andere einen konstanten Druck, der die Verteidigung schließlich zermürben wird.

Von Bachmut nach Awdijiwka: Warum jeder Vorstoß als entscheidend gilt

Das Muster wiederholt sich mit verwirrender Pünktlichkeit. Bachmut wurde als erobert erklärt und diente als Maßstab für alles Folgende. Dann kam Awdijiwka, und mit ihm dieselbe Choreografie: Ein Angriff, der als Vorstufe zum finalen Sturm präsentiert wird, Wochen voller Schlagzeilen und am Ende eine Karte, die sich weniger bewegt hat als angekündigt. Die häufigste Kritik lautet, dass Russland die Taktik des Abnutzens durch frontale Angriffe wiederholt und dabei hohe Menschenleben verliert, um begrenztes Terrain zu gewinnen.

Die gegenteilige Lesart hat ebenfalls Befürworter. Es wird argumentiert, dass das Ziel nicht Geschwindigkeit sei, sondern Konsolidierung: Den Gegner binden, auslaugen und das bereits integrierte Territorium sichern, nicht unbedingt zur nächsten Stadt eilen. Nach dieser Version wäre die Langsamkeit eine Entscheidung, kein Versagen. Das Problem ist, dass diese Unterscheidung bei einer stillstehenden Front schwer überprüfbar wird.

Verluste, die jede Seite für den Gegner berechnet

Hier beginnt das Minenfeld der Daten. Einen Monat nach Beginn der Berichterstattung kursierte die Zahl von 100.000 Verlusten und der bittere Scherz, dass wenn das stimme, die Hälfte schon hätte fallen müssen. Später taucht eine weitere Schätzung auf: 160.000 gefallene Soldaten, ohne genauere Zuordnung dem gegnerischen Lager zugeschrieben. Keine dieser Mengen wird von einer Methodik begleitet, und genau das ist der Punkt: In einem Konflikt, in dem jede Seite ihre eigenen Zahlen veröffentlicht und die fremden verschweigt, fungieren die Zahlen als Waffe, nicht als Messung.

Die praktische Konsequenz ist die übliche. Wer den tatsächlichen Zustand der Front verstehen will, muss auf das Gelände schauen – wo die Linie liegt, welches Dorf kontrolliert wird –, bevor er auf Verlustbilanzen blickt, die schnell veralten und sich widersprechen.

Kann man eine Hauptstadt mit einer Panzerbrigade nehmen? Der Plan gegen Kiew

Die interessanteste Diskussion betrifft nicht den Osten, sondern den russischen Rückzug aus Kiew 2022 und was dort versucht wurde. Eine Strömung verteidigt die These eines Blitzkrieg-ähnlichen Unternehmens: 40 taktische Gruppen, die von Norden eindringen, Einnahme des Flughafens und des Parlaments sowie Luftbrücke, alles darauf ausgelegt, in 72 Stunden erledigt zu sein. Das Scheitern lag laut dieser Version an der ukrainischen Tiefenverteidigung und daran, dass die russischen Pläne durch Großbritannien und die USA durchgesickert waren.

Dem gegenüber steht eine andere Lesart, wonach der Ansturm nicht die Eroberung der Stadt zum Ziel hatte, sondern die ukrainische Regierung zu Verhandlungen zwingen sollte, und dass nach dem Scheitern Plan B aktiviert wurde: Feuerkrieg aus dem Donbas. Manche erinnern daran, dass Pilingui den Rückzug auf einen Verhandlungsversuch zurückführte. Mit vier Fallschirmjägern und einer Panzerbrigade nimmt man keine Hauptstadt dieser Größe: Darin stimmen fast alle Analysen der Berichterstattung kurioserweise überein.



Ein Jahr, zwei Jahreszeiten und mehrere Städte später ist der Bezugspunkt immer noch derselbe: sechs Kilometer. Man hat Angriffe auf weit entfernte Kasernen, Drohnenaufnahmen und bombardierten Märkte gezählt, aber die wichtige Linie – diejenige, die die russischen Streitkräfte von Kupjansk trennt – liegt immer noch dort, wo sie war. Und niemand, weder die Enthusiasten noch die Skeptiker, hat vollständig erklärt, warum diese Distanz so schwer zu überwinden ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (260 Antworten).

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