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Rückzug aus Nordukraine: Russland verlagert Offensive auf Donbas
Russische Truppen verlassen Kiew, Tschernihiw und Sumy. Der Rückzug deutet auf eine Zangenoffensive im Donezbecken hin.
Russland räumt Nordukraine und konzentriert Kriegsgeschehen auf den Donbas
Anfang April 2022 änderte sich die Lage schlagartig. Die russischen Streitkräfte zogen sich nicht nur vom Kiewer Vorstoß zurück, der von Tschernobyl aus gestartet war; sie räumten auch die gesamte Region Tschernihiw und hoben die Belagerung von Sumy auf. Innerhalb weniger Tage wurde der Norden vom aktiven Frontgebiet zu befreitem Territorium. Was blieb, war ein im Süden konzentriertes Heer, das versuchte, einen taktischen Manöverzug vorzutäuschen, was vor Ort jedoch eher wie ein Rückzug aussah.
Der ursprüngliche Plan, der nie funktionierte
Die vorherrschende Analyse geht davon aus, dass der ursprüngliche Entwurf anders aussah. Kiew einzunehmen — der Angriff auf den Flughafen war kein Geheimnis —, dort eine genehme Regierung einzusetzen und von dieser Position aus den Rest des Landes als Satellitenstaat zu verhandeln. Ein ambitioniertes, vielleicht überambitioniertes Ziel. Auf dem Papier klang es nach Blitzkrieg; in der Praxis erforderte es eine Logistik und ein Tempo, die die russischen Kolonnen nicht halten konnten. Der König war nackt, und die Welt sah dies früher als Moskau.
Als dies scheiterte, blieb Plan B: sich zurückziehen, den Südkorridor und den Donbas konsolidieren und durchhalten.
Wie viele Truppen sind tatsächlich vor Ort?
Hier bricht die offizielle Darstellung zusammen. Schätzungen besagten, dass Russland etwa 200.000 Soldaten der Landstreitkräfte eingesetzt hatte, gegenüber rund 700.000 Ukrainern ohne Reservisten. Der numerische Vorteil des Verteidigers ist überwältigend. Hinzu kam die Abnutzung der russischen mechanisierten Einheiten, die stärker zerstört wurden als erwartet, sowie ein wachsender Fluss westlicher Waffenlieferungen.
Bei diesen Zahlen stellt sich nicht die Frage, ob Russland Kiew hätte nehmen können, sondern wie es mit so wenig Reserven jegliche Eroberung hätte halten sollen. Der Frühjahrsrasputitsa (Schlammsaison) spielte zudem gegen den Angreifer. Winterlektionen, die man zwar kannte, aber ignorierte.
Rückzug oder Verlagerung zum Donbas?
Manche argumentieren, es sei keine Flucht, sondern eine Verschiebung des Schwerpunkts: den Norden aufgeben, um alle Kräfte im Osten und Süden zu bündeln und eine Zangenoffensive zu starten, um das ukrainische Heer im Donezbecken einzukesseln und aus den beiden östlichen Oblasten zu vertreiben. Dagegen spricht das Gegenteilige Argument: Bei einem Rückzug entstehen die höchsten Verluste, und aufgegebene Stellungen werden selten zurückerobert.
Der damals genannte geografische Schlüssel war Cherson. Seine Kontrolle entschied über den Zugang zur Krim und zur Küste. Die Zeit spielte in beide Richtungen zugunsten dessen, der sich eingrub.
Butscha, Kaninchen und der Propagandakrieg
Das Niveau der Debatte sank, als die Leichen auftauchten. In Butscha wurden etwa 400 tote Zivilisten gezählt, und ab diesem Punkt wandelte sich der Konflikt von einer strategischen Diskussion zu etwas anderem. Während einige die Fakten leugneten, behandelten andere sie seit Tag eins als Norm. Die Wahrheit ist, dass die Narrative auf beiden Seiten langsam gekocht wurden.
Es kursierte sogar eine bemerkenswerte Anekdote: In russischen Kanälen begannen Soldaten als Kaninchen bezeichnet zu werden, wegen ihrer Neigung, schnell wegzulaufen. Humor als Barometer für die Sarracena.
Was Europa nicht sehen wollte
Jenseits der Front machte die Invasion die europäische Energieabhängigkeit deutlich sichtbar. Während Brasilien, die USA, Deutschland und Großbritannien gepanzerte Fahrzeuge und Langstreckenartillerie lieferten, blieb die grundlegende Frage unbeantwortet, wer die Rechnung — und womit — bezahlte. Es wurde von 4 Millionen Flüchtlingen bei einer Bevölkerung von über 40 Millionen gesprochen, eine Zahl, die vielen zu niedrig erschien.
Heute stößt die Analyse an denselben Punkt: War der Rückzug aus dem Norden das Vorspiel zu einer großen Donbas-Offensive oder der erste Akt eines Misserfolgs, den Moskau noch nicht eingestehen will. Damals wagte niemand, weder Optimisten noch Skeptiker, ein Datum für das Ende vorherzusagen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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