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Rusland kann Ukraine besiegen, aber regieren ist eine andere Sache
Falls Russland die Ukraine einnimmt, beginnt das eigentliche Problem: die jahrzehntelange Herrschaft über eine feindselige Bevölkerung.
Krieg gewinnen ist eins; überzeugen und beherrschen ein anderes
Nach der anfänglichen Erzählung begann die russische Invasion der Ukraine mit einem Lehrbuch-Szenario: Blitzkrieg, Regierungswechsel in Kiew und eine Besatzungsmacht nach Art von Vichy. Auf dem Papier nur eine Frage von Tagen. In der Praxis stellt sich für jede seriöse Analyse eine andere Frage. Wenn Moskau das Terrain erobert, kann es dann auch regieren? Ein Land einzunehmen ist eine Sache. Darin zu bleiben ist ein Problem, das in Jahrzehnten gemessen wird.
Das Problem ist nicht das Eindringen, sondern das Bleiben zur Herrschaft
Die Geschichte ist voll von Invasoren, die die erste Woche gewannen und die folgenden zwanzig Jahre verloren. Wiederkehrende Beispiele: Napoleon in Spanien, Hitler in Russland, die USA in Vietnam und Afghanistan, Frankreich in Spanien. Die Schlussfolgerung ist unbequem für jede Armee, egal wie groß sie ist: Im Guerillakrieg trägt derjenige mit den meisten Truppen oft die größeren Verluste. Nicht weil er den Feind nicht vernichten kann, sondern weil jeder eigene Ausfall schwer wiegt und jeder Teilsieg nichts abschließt.
Der Satz, der die Sache zusammenfasst, ist einfach: Man kann kein Volk regieren, das nicht regiert werden will. Manche argumentieren, dass die prorussischen Gebiete der Ukraine assimilierbar wären, ohne großen Widerstand integrierbar. Der Rest keineswegs. Dort würde die Besatzung laut dieser Analyse in einen Dauerzustand von Unruhen und bewaffneten Herden münden, der teurer wäre als die Invasion selbst.
Die Ukraine war bereits von der NATO umgeben: Das Argument hält nicht
Das Argument der unmittelbaren militärischen Bedrohung kollidiert mit der Geografie. Der östlichste Punkt Russlands liegt etwas mehr als 3.000 Kilometer vom westlichsten entfernt, und Alaska liegt daneben. In Europa teilt Russland bereits Grenzen mit NATO-Staaten: Lettland, Estland, Litauen, Polen, Rumänien. Dort stehen alliierte Truppen und Material, Eurofighter-Jets und Panzer, die per Zug ins Baltikum verlegt wurden. Wäre das Problem Raketen vor der Tür, hätten diese Türen jahrelang offen gestanden.
Daraus ergibt sich die Frage, die sich nicht von selbst beantwortet: Was ändert die Ukraine im Vergleich zu einer Rakete in Polen, wenn beide Seiten die jeweils andere verwüsten können? Der technische Unterschied zwischen einem System von vor sechzig Jahren und einem aktuellen ist real, verändert aber nicht den Kern. Das Gleichgewicht des Schreckens kennt keine Nachbarschaften.
Die Ablehnung, die Verträge überlebt
Am stärksten wird auf die Erinnerung gesetzt. Die Erfahrung des Irak mit den USA oder Polens mit Russland hinterlässt ein Misstrauen, das Generationen überdauert. Eine Bevölkerung kann einen Krieg verlieren und trotzdem nicht vergessen. Die Jahre der Abneigung gegen den Besatzer enden als generelles Misstrauen gegenüber allem, was nach ihm riecht, einschließlich seiner Propaganda, die eine Säule der Macht jedes Regimes ist.
Dieser Punkt ruiniert das optimistischste Szenario. Man kann eine genehme Regierung installieren, ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnen und im Fernsehen Sieg feiern. Was man nicht unterschreiben kann, ist Vergessen. Und ohne die Überzeugung der Bewohner des Territoriums ist jeder Vertrag Makulatur. Die Warnung, die durch das Thema läuft, gilt für beide Seiten: Wer immer die Ukraine behält, erbt auch ihr Misstrauen.
Wer zahlt für die Zeit danach?
Die Kosten enden nicht mit der letzten Kugel. Die Aufrechterhaltung eines besetzten Gebiets über Jahre hinweg verbraucht Militär-, Polizei- und Verwaltungsbudgets, und hinzu kommt der Schlag der Sanktionen. Die Rechnung verteilt sich auf beide Seiten: ein ärmeres Russland, das Käufer für seine Rohstoffe sucht, und eine Europäische Union, die für Gas bezahlt, das früher per Pipeline kam, während die Inflation Löhne und Ersparnisse auffrisst.
Manche zeichnen das Ende als klaren Sieg: Moskau behält einen Teil des Landes, zwingt Kiew zum NATO-Verzicht und zur Demilitarisierung und erklärt den Krieg für beendet. So gesehen gewinnt es. Die Zweifel liegen im gesamten Regelwerk. Eine Schlacht zu gewinnen und ein Problem über Jahrzehnte zu haben, ist kein Sieg. Es ist das Verlängern der Rechnung und das Weiterreichen an den Nächsten.
Wo die Berechnung scheitert
Niemand bestreitet, dass eine Armee mit weit überlegenen Ressourcen einen konventionellen Krieg gewinnen kann. Fast immer passiert das. Was nicht feststeht, ist, was danach kommt: Guerilla, Abnutzung, verfestigte Ablehnung und eine Rechnung, die nicht aufhört zu wachsen. Gewinnen ist der einfache Teil der Erzählung. Überzeugen und Beherrschen sind der Teil, der nicht in eine Schlagzeile passt.
Das Detail, das oft fehlt: In den ersten Tagen der Verteidigung von Kiew wurde über Satelliten-Internetterminals gesprochen, die dem Bürgermeister der Hauptstadt übergeben wurden, sowie über ein Telefonat zwischen dem ukrainischen Präsidenten und Elon Musk zur Koordination ihrer Nutzung. Die Anekdote ist weniger wegen ihrer technologischen Seite wichtig als wegen dessen, was sie zeigt: Der Widerstand organisierte sich auf einer Bevölkerung, die nicht bereit war, sich zu ergeben.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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