Rufián macht PP-Sparpolitik für Zugunglück von Urda in Spanien verantwortlich

Gabriel Rufián gibt für das Zugunglück von Urda den Investitionskürzungen der PP und der Marktliberalisierung der PSOE die Schuld, während Kritiker ihm acht Jahre ohne Gegensteuern vorwerfen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rufián macht PP-Sparpolitik für Zugunglück von Urda in Spanien verantwortlich
Rufián macht PP-Kürzungen verantwortlich und weicht den acht Regierungsjahren aus

Gabriel Rufián, Spitzenkandidat der ERC in Barcelona und Abgeordnete im spanischen Kongress, erklärte am Donnerstag, die „einzigen Namen und Nachnamen“ der Zugtragödie von Urda seien „zuerst die Investitionskürzungen der PP und danach die rücksichtslose Liberalisierung des Marktes durch die PSOE“. Er äußerte sich auf X, mitten in der Kontroverse um die durchgestochenen Audiomitschnitte zwischen der Leitstelle von Adif und den Triebfahrzeugführern der am Unglück beteiligten AVE- und Iryo-Züge, bei dem 68 Menschen starben und mehr als hundert verletzt wurden.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Ein großer Teil der öffentlichen Kritik warf dem ERC-Politiker vor, auf frühere Regierungen zu zeigen, während die amtierende Regierung nach Ansicht dieser Kritiker seit acht Jahren das Investitionsdefizit nicht beseitigt. Die ehemalige Adif-Präsidentin Isabel Pardo de Vera erklärte El Mundo, „die Regierung kann nach dem, was sie mit Wartung und Sicherheit gemacht hat, nicht von menschlichem Versagen sprechen“. Zudem sei ein Vertrag zur Modernisierung des Steuerungssystems, der im Januar abgelaufen war, immer noch nicht abgeschlossen, und die Generaldirektion für Sicherheit sei abgeschafft worden.

Wer verantwortet ein gescheitertes Sicherheitssystem?

Rufiáns Argument stützt sich auf eine einfache Idee: „Eine einzelne Person kann beim Schienenverkehr nicht für das Leben von Hunderten verantwortlich sein.“ Daraus folgert er, „menschliches Versagen sei der Ausdruck eines gescheiterten Sicherheitssystems“. In der Bahntechnik ist das eine vertretbare These – Signalsysteme existieren gerade dafür, dass der Fehler eines Einzelnen nicht zur Katastrophe führt –, doch sie kollidiert mit der Chronologie der Debatte.

Denn zur Debatte steht nicht, ob ein Triebfahrzeugführer Fehler machen kann, sondern wie lange das System nicht aktualisiert wurde und wer das hätte tun müssen. Der häufigste Einwand lautet, dass **die PSOE seit acht Jahren regiert** und das Defizit, das Rufián der PP zuschreibt, nicht behoben hat. Die Antwort des Unabhängigkeitspolitikers verlagert die Verantwortung in der Praxis in die Vergangenheit und lässt das jüngere Regierungshandeln außer Fokus.

Der Modernisierungsvertrag, der weiter offen bleibt

Der Fakt, der in der Diskussion am stärksten wiegt, stammt nicht von Rufián, sondern von der ehemaligen Adif-Chefin selbst. Pardo de Vera richtet den Blick auf zwei Punkte: **einen im Januar abgelaufenen und bis heute nicht abgeschlossenen Modernisierungsvertrag für das Steuerungssystem** sowie die Abschaffung der Generaldirektion für Sicherheit. Das sind konkrete, in den Unterlagen des Bahninfrastrukturbetreibers überprüfbare Fakten, und sie erklären, warum die Debatte vom politischen Geplänkel zur technischen Akte übergegangen ist.

Manche halten den Verfall des Netzes für strukturell und Folge jahrzehntelanger Unterinvestition; dagegen steht das Argument, dass die seit 2018 Regierenden Spielraum gehabt hätten, das zu ändern, es aber nicht getan haben. Zwischen beiden Extremen ist die meistgelesene Rechnung einfach: Wenn das Problem die Investitionen sind, müssten sich die Haushalte der letzten Jahre darin widerspiegeln. Genau da stockt die Diskussion, denn **die Regierung legt seit Jahren keine neuen Haushalte vor**, sodass zugesagte und tatsächlich ausgeführte Mittel nicht vergleichbar sind.

Der Schatten der durchgestochenen Adif-Audios

Rufián ging auch gegen die Veröffentlichung der Kommunikation zwischen der Leitstelle und den Triebfahrzeugführern an: eine „unzumutbare Situation“, wie Verkehrsminister Óscar Puente sie nannte, die „Übernahme von Verantwortung erfordert, nicht Durchstecherei, um Verantwortung abzuwälzen“. Der ERC-Politiker wirft also der Darstellung des menschlichen Versagens vor, die politische Verantwortung zu verschleiern.

Das Problem: Dieser Schachzug hat einen Preis. Indem Rufián das Feuer auf die PP und die „rücksichtslose Liberalisierung des Marktes“ konzentriert, macht er eine Tragödie mit 68 Toten zu einem weiteren Episode des Parteienstreits. Und dieser Streit hat in diesem Fall einen klaren Gewinner: denjenigen, der verhindert, dass die Untersuchung das Management der letzten acht Jahre beleuchtet.

Der Lärm, der die Akte überdeckt

Die öffentliche Debatte über Urda ist zu einem Austausch von Etiketten verkommen, bei dem die technische Akte hintansteht. Gestritten wird, ob das Unglück ins 19. Jahrhundert gehört, ob Philipp V. oder Franco schuld sind – und viel weniger darüber, ob das Steuerungssystem zertifiziert war, wann der Vertrag abgelauf ist und warum er nicht verlängert wurde. Auf diesem Terrain verliert Rufián den Boden: Sein Beitrag enthält weder eine einzige Investitionszahl noch ein Datum noch ein Dokument.

Die offene Frage ist nicht rhetorisch gemeint: Wenn menschliches Versagen ein gescheitertes System widerspiegelt – wer hat die Verlängerung des abgelaufenen Vertrags unterzeichnet, und warum existiert die Sicherheitsdirektion nicht mehr? Dort gibt es keine Namen und Nachnamen der PP. Aber sehr wohl solche der letzten acht Jahre.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (101 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver