Raspberry Pi 400: Günstiger PC im Tastaturdesign für 70 Dollar

Die Raspberry Pi Foundation bringt einen vollständigen Desktop-PC in einer Tastatur für 70 Dollar auf den Markt, mit 4 GB RAM und 4K-Ausgabe, und entfacht die Debatte um günstige Computer neu.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Raspberry Pi 400: Günstiger PC im Tastaturdesign für 70 Dollar
Raspberry Pi 400: Der 70-Dollar-Tastatur-PC will die Ära des Spectrum wiederbeleben

Siebzig Dollar. Zu diesem Preis hat die Raspberry Pi Foundation einen vollständigen Computer in eine Tastatur integriert, ohne Tower, lose Kabel oder Montageaufwand. Das Raspberry Pi 400 präsentiert sich als offener Nachfolger der Commodore 64, ZX Spectrum und Atari 800XL, die eine Generation in den Achtzigern prägten, jedoch nun mit ARM-Architektur, vier Gigabyte RAM und zwei Micro-HDMI-Anschlüssen für 4K-Bildschirme. Das Angebot ist so simpel, dass es fast beleidigend wirkt: Man kauft die Tastatur, schließt einen Monitor an und hat sofort einen Desktop. Was die Broschüre nicht betont, ist, dass zu diesem Preis fast alles andere fehlt, und genau hier beginnt die Diskussion.

Was im Raspberry Pi 400 steckt

Die Basis ist identisch mit der des Raspberry Pi 4: Ein Broadcom BCM2711 SoC mit vier Cortex A72 Kernen, die hier von 1,5 auf 1,8 GHz übertaktet sind. Vier Gigabyte LPDDR4-Speicher, Ethernet, Bluetooth 5 und Dual-Band-WLAN bei 2,4 und 5 GHz. Es bleiben die vier USB-Ports (zwei 3.0 und zwei 2.0), der USB-Typ-C-Stromanschluss, der 40-Pin-GPIO-Anschluss, der 3,5-mm-Klinkenstecker und die zwei Micro-HDMI-Ports erhalten. Die Kühlung ist passiv, ohne störende Lüfter.

Im Vergleich zum Pi 3 B+ ist der Sprung beeindruckend: Cortex-A72-Prozessoren statt Cortex-A53, VideoCore VI Grafik mit 500 MHz gegenüber VideoCore IV mit 250-400 MHz und vier Gigabyte LPDDR4 statt nur einem Gigabyte LPDDR2. Die H.265-Decodierung ermöglicht 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde. All das passt in die Dicke einer kompakten Tastatur, was genau das Argument des Produkts ist.

Das 100-Dollar-Kit und die tatsächlichen Kosten in Spanien

Der offizielle Preis beträgt 70 Dollar, aber das komplette Kit steigt auf 100 Dollar: Es enthält Maus, USB-C-Netzteil, vorinstallierte SD-Karte, Micro-HDMI-Kabel und Anfängerhandbuch. Die Einführung erfolgt gestaffelt: Zuerst Ausgaben für Großbritannien, Frankreich und die USA, dann spanische, deutsche und italienische Versionen, und Ende des Jahres Indien, Australien und Neuseeland.

In Spanien sieht die Zahl anders aus. Laut den Preisen, die unter Nutzern kursieren, wird das Kit auf 107,39 € taxiert, oder alternativ 75 € plus acht € für das Netzteil mit kostenlosem Versand, wie es Besitzer berichten, die es selbst zusammenbauen. Diese Spanne ist kein Detail, wenn das Verkaufsargument genau der Preis ist.

Warum ein Tastatur-Computer statt eines 200-Euro-Laptops?

Hier wird es hitzig. Das am häufigsten genannte Argument ist der Platzbedarf: Ein Laptop belegt den gesamten Schreibtisch und muss jedes Mal weggeräumt werden, wenn man mit Papiernotizen lernt oder Texte tippt, während dieses Gerät den Tisch frei lässt und nur einen Monitor im Hintergrund benötigt. Wer schon einmal neben einem offenen Lehrbuch getippt hat, weiß wovon die Rede ist.

Die Preise der Konkurrenz sind eng. Wie in Foren diskutiert, gibt es x86_64-Systeme von Intel oder AMD für 130-150 Euro, wobei ARM-Ausschluss berücksichtigt wird. Ein NUC mit Celeron kostet rund 140 Dollar, plus 40 Dollar für Speicher und Festplatte, laut einem anderen Teilnehmer. Und der 200-Euro-Laptop bringt Bildschirm, Akku und Speicher serienmäßig mit – drei Dinge, die hier extra bezahlt werden müssen. Das Gegenargument, von jemandem, der einen teuren Laptop kaufte und genug hatte, ist, dass er nach einem Jahr voller Krümel ist und die Leistung im Keller liegt.

Es gibt auch den billigen Weg ohne diesen Umweg: Ein normales Raspberry Pi für etwa 30 Euro, ein 3,5-Zoll-Touchscreen für 9 Euro und eine USB-Tastatur für 7 Euro bringen das Gesamtpaket auf etwa 50 Euro. Der Einwand ist, dass dies drei Geräte und ein Kabelgewirr sind, genau das, was das Pi 400 beseitigen soll.

Die Nachteile: ARM, SD-Karten und schwaches WLAN

Software ist die offene Flanke. Raspberry Pi OS ist ein Debian-basiertes Linux, und auch Ubuntu oder Windows 10 IoT Core laufen, aber viele Programme existieren einfach nicht für ARM. Für Office und Surfen ist das kein Drama; es wird problematisch, wenn spezifische Tools benötigt werden. Wer vom Pi 3 aufgestiegen ist, stellte zudem fest, dass das Gerät mit HEVC-kodierten Filmen überfordert war.

Im täglichen Gebrauch zeigen sich weitere Risse. Die Leistung der WLAN-Antenne zwingt manche Nutzer zum Kabel, und die microSD-Karte wird zum Flaschenhals: Manche versprechen 100 MB/s, kriechen aber bei Systemupdates, gelegentlich mit Datenkorruption. Demgegenüber stehen Karten, die 170 MB/s für 15 € und 64 GB ankündigen und das Erlebnis verändern.

Vom GPIO zum Eltern-PC: Nutzungen, die den Kauf rechtfertigen

Der GPIO-Anschluss unterscheidet diese Familie wirklich von jedem Laptop: Relais, Sensoren, Elektronik und IoT-Projekte, die 24 Stunden mit vernachlässigbarem Verbrauch auf sehr stabilen Betriebssystemen laufen. Danach ist die Liste lang: Programmierung, Multimedia-Center mit Kodi, anonymisierter TOR-Router, Emulation klassischer Konsolen und sogar Supercomputer-Basis.

Ein Fall illustriert besser als jede Broschüre, für wen sich das lohnt. Den alten, langsamen Computer bei den Eltern ersetzen, die ihn nur für Bankgeschäfte, Videos und Surfen nutzen. Wenn Linux die Banking-Webseiten schluckt und die Verknüpfungen „Surfen“, „Videos“ und „Bank“ heißen, ist der Treffer perfekt.



Mit diesen Zahlen hat das Pi 400 eine echte Lücke im Budget-Desktop-Markt: Erster Computer für ein Kind, Ersatz für ein recyceltes Gerät oder Hobbywerkzeug zum Basteln, ohne den großen Tower anzuschalten. Den Rekord des Commodore 64 zu wiederholen scheint jedoch optimistisch. Wer Tastatur und Bildschirm will, hat bereits Laptops für etwas mehr, und ARM-Software bleibt der Bauer, den niemand gern zieht. Siebzig Dollar kaufen keine Nostalgie.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (136 Antworten).

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