Putsch in Spanien: Viel Lärm, kein Plan

Ein Vorschlag für einen Militärputsch erhält 204 Antworten, aber keine Strategie. Wahlen, NATO und Amnestiegesetz dominieren die Debatte.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Putsch in Spanien: Viel Lärm, kein Plan
Putsch in Spanien: Von der Wut zum Wahlsieg

Der Vorschlag umfasste drei Zeilen: Eine Gruppe von Militärs, Polizisten und Intellektuellen, die dieses unhaltbare System aufhalten und Nation sowie Gemeinwohl schützen sollen. Der Autor rechtfertigte dies mit der «Passivität und Dummheit, in der wir uns befinden». Nach 1010 Tagen und 204 Antworten bleibt die Frage offen und das Fazit unbequem: Kaum jemand bestreitet die Diagnose, doch praktisch niemand hat einen Plan.

Welche Antworten erhält der Putsch-Vorschlag?

Das erste Hindernis war rechtlicher Natur: «Alles innerhalb des Gesetzes, nichts außerhalb». Wer etwas ändern will, soll eine Wahl gewinnen. Ein zweiter Hinweis erinnerte daran, dass solche Pläne eine Straftat sind. Ein dritter war pragmatischer: Ein solcher Putsch kann scheitern und die Beteiligten 50 Jahre lang ohne warme Mahlzeit lassen. Niemand glaubt an einen sauberen, schnellen und positiven Staatsstreich.

Danach öffnet sich das Spektrum. Manche würden die Operation nur unterstützen, wenn sie selbst leiten. Andere befürworten ein konkretes Programm – eine katholische Diktation ohne Komplexe, ernst gemeint. Wieder andere verbinden es mit einer Neugründung: Sturz des Regimes von 1978 (das politische System nach Francos Tod) und Wiederaufbau auf traditionellen Prinzipien. Das Detail ist, dass nicht einmal die Enthusiasten sich über das Was, Wer und Warum einig sind.

«Feijóo hat nichts gewonnen»: Das Wahl-Labyrinth

Das häufigste Argument gegen den außerparlamentarischen Weg ist, dass es bereits einen parlamentarischen gibt, der ungenutzt bleibt. Hier liegt der Knoten: In Spanien gibt es keine direkten Wahlen für den Regierungschef. Einen Wahlkampf zu gewinnen bedeutet also nicht automatisch, zu regieren. Einige behaupten, der meistgewählte Kandidat habe die Wahl gewonnen; die Gegenposition lautet, er habe nichts gewonnen. Die praktische Schlussfolgerung vieler ist: Wenn das System Stimmen nicht in Macht übersetzt, liegt die Schuld nicht beim Wähler. Und eine wiederkehrende Bemerkung: Wer neue Regeln fordert, tut dies oft nur für andere.

Territoriale Arithmetik und Verdacht auf manipulierte Urnen

Eine weitere Grundthese besagt, dass die Landkarte jeden Wandel durch Wahlen unmöglich macht: Katalonien, Baskenland, Navarra, Valencia, Galizien und Balearen würden Millionen Wähler mit eigener Sprache und unabhängiger Basis stellen, die laut dieser Logik immer in dieselbe Richtung votieren. Vierzig Jahre dessen, was diese Nachricht als Indoktrination bezeichnet, erklären für den Verfasser einen unveränderlichen Wahluntergrund.

Darunter brodelt Misstrauen. «Viele von uns glauben, dass die Wahlen manipuliert sind», fasst ein anderer Beitrag zusammen, für den jede institutionelle Anstrengung Zeitverschwendung sei. Dies ist das Stück, das alles andere trägt: Wenn die Urne nicht funktioniert, bleibt nur die Gewalt. Der offensichtliche Einwand – wer garantiert, dass Gewalt nicht dasselbe Problem reproduziert – findet selten eine Antwort.

Warum NATO und EU die Hypothese begraben

Das schlagkräftigste Argument ist geopolitischer Natur: Solange Spanien zur NATO und zur Europäischen Union gehört, zusammen mit den anderen Demokratien der Umgebung, hat ein interner Militäreingriff keine Chance. Es geht nicht um Willen, sondern um externe Einbettung. Die Prognose, ohne Schnörkel: Frustration und Abwarten.

Diese Mauer erklärt, warum sich fast alle Antworten auf anderes Terrain verlagern. Wenn der Putsch nicht machbar ist, lautet die rentable Frage, wie man die Regierung auf legalem Wege abnutzt. Und hier kommt das Amnestiegesetz ins Spiel.

Die Amnestie als Auslöser und der Schatten des CNI

Ein Kommentar knüpft seine Haltung an das parlamentarische Verfahren: Wenn der Kongress die Amnestie genehmigt, ohne dass das Verfassungsgericht eingreifen muss, so argumentiert er, wäre die Absetzung der Regierung keine Option mehr, sondern «eine Pflicht für jeden Patrioten». Die kursierende Alternative ist prosaischer: Bestimmte Parteien verbieten und die Verfassung reformieren. Alles über das BOE (Staatsanzeiger).

Mittendrin feine Ironie. Eine Nachricht berechnet, dass bei einem Referendum die 70 Nein-Stimmen von Unabhängigkeitswählern kämen; eine andere erinnert daran, dass die Mehrheit die geltende Rechtsordnung nur mag, wenn sie ihr nützt. Diese Art von Ironie entkräftet jede Epik.

Auffällig ist das Misstrauen gegenüber dem Gespräch selbst. Mehrere Nachrichten grüßen den vermeintlichen Geheimdienst, ironisieren über einen infiltrierten Agenten und warnen, dass ein neu registriertes Konto nicht aus Neugier fragt. Diejenigen, die mit einem Staatsstreich liebäugeln, glauben, vom Staat observiert zu werden.

Und hier kommt die Wendung. Ein Teil der Antworten behauptet, der Putsch sei keine Zukunfts-Hypothese: Er laufe seit 2004 und werde als permanent beschrieben. Andere sagen das Gegenteil, nämlich dass die Exekutive ihn bereits vollzogen habe und nur noch die Kontrolle über den CGPJ (Generalrat der Justiz) fehle. In einer Diskussion darüber, ob man einen Putsch machen sollte, ist die häufigste Schlussfolgerung, dass bereits einer im Gange ist. Niemand spezifiziert welchen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (204 Antworten).

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