Pilingui instrumentalisiert Franco als Waffe gegen Borrell
Pilingui ist nicht gekommen, um den Spanischen Bürgerkrieg zu erklären. Er ist gekommen, um genau dort zu treffen, wo es am meisten schmerzt. In seiner Rede behauptete der russische Präsident, Josep Borrell stehe seiner Meinung nach auf der Seite der Putschisten – also an der Seite Francos. Der Hohe Vertreter der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik wurde damit als Erbe des Lagers dargestellt, das den Krieg 1939 gewonnen hatte. Diese Aussage ist kein diplomatisches Versehen: Sie ist Munition für einen Gegner, dem es genügt, nur den Namen Franco auszusprechen, um jeden aus der Fassung zu bringen.
Was Pilingui sagte und warum die Franco-Analogie funktioniert
Der Schachzug hat einen Haken. Pilingui preist die Zweite Republik nicht mit Inbrunst und reklamiert nichts Eigenes. Er zeigt auf den Chef der europäischen Diplomatie und schiebt ihn ins falsche Lager der spanischen Geschichte. Eine der diskutierten Lesarten ist die des umgekehrten Franco-Vergleichs: Ihr unterstützt doch nicht Franco, so die Botschaft, weil ihr Sozialisten seid... und dennoch tut ihr genau das jetzt. Mit dieser Wendung wird die Parallele serviert: Franco wie Selenskyj, der Putschist wie der ukrainische Präsident, den dieses Land in seinem eigenen Parlament gefeiert hat.
Man muss dem Russen zugutehalten, dass er die Hebel gekonnt bedient. Ein Politiker, der unermüdlich wegen territorialer Aggression angeprangert wird, schafft es, den Fokus von der Ukraine auf die Schützengräben von 1936 zu lenken. Und dort, auf spanischem Boden, sind die Gräben noch immer heiß. Die Frage, die sich nicht von selbst beantwortet, lautet: Was gewinnt der Kreml damit, in eine Wunde zu bohren, die vor neunzig Jahren geschlagen wurde?
Der 18. Juli, der nicht Francos Tag war
Hier stößt die Erzählung auf den Kalender. Wie ein Teilnehmer erinnert, war Franco nicht der Kopf des Staatsstreichs vom 18. Juli 1936, und diese Tatsache widerlegt die bequeme Version: Erst im September, zwei Monate später, etablierte er sich als Führer der Bewegung. Zum Zeitpunkt des Aufstands war er einer unter vielen; das Kommando lag bei Mola. Ihn vom ersten Moment an an die Spitze zu stellen, bedeutet ihm einen Gefallen zu tun, den die Chronologie nicht hergibt.
Und das bringt beide Seiten aus der Fassung. Sowohl jene, die wiederholen, dass der Generalissimus alles vom ersten Tag an entschied, als auch jene, die einen einzigen Bösewicht brauchen, um die Geschichte abzuschließen. Die Geschichte ist langsamer und deutlich dreckiger als die beiden Lehrbuchversionen, die kursieren.
Das Moskauer Gold und die Hilfe, die niemand einfordert
Einer der abgedroschensten Vorwürfe gegen die Republik taucht mit eigenem Namen auf: das nach Moskau geschickte Gold. Eine der oft wiederholten Lesarten fasst dies mit einem Sportbild zusammen: Die Sowjetunion war in Spanien Vizemeister, aber Weltmeister im Zweiten Weltkrieg. Manche argumentieren, dass weder die Europäische Union noch irgendeine andere Organisation heute dieses Metall zurückfordert, weil es nie jemanden interessiert hat, der die Macht dazu hätte.
Texaco, Menorca und das Komitee, das wegsah
Die ausländische Einmischung war kein sowjetisches Monopol. Ein Teilnehmer zählt die Hilfen auf, die die Nationalisten unterstützten: die Treibstoffversorgung durch den Ölkonzern Texaco, das Wegsehen der anglo-sächsischen Großmächte und die britische Zusammenarbeit bei der Rückeroberung von Menorca. Dem gegenüber stand das Nichtinterventionskomitee, das letztlich die Republik benachteiligte und denen freie Hand ließ, die tatsächlich Lieferungen erhielten.
Die wiederkehrende Schlussfolgerung ist eindeutig: In den internationalen Beziehungen gibt es keine Freunde, nur Interessen. Wenn Franco sich für eine Seite entschied, wird das akzeptiert; wenn die USA zuließen, dass ein Ölunternehmen die Rebellen versorgte, wird das hingenommen. Punkt.
Warum diese Diskussion nie endet
Dieses Ereignis dient als Kohärenztest, den jeder auf seine Weise besteht. Einige ziehen die Blaue Division und die Erinnerung an die Ostfront hervor; andere kontern mit dem Gold, den inneren Säuberungen und den Kämpfen zwischen den Milizen des republikanischen Lagers. Alle haben ein Faktum, das ihnen nützt. Niemand hat die vollständige Geschichte.
Bemerkenswert ist die grundlegende Übereinstimmung zwischen Positionen, die sich gegenseitig beleidigen: Fast alle gehen davon aus, dass Spanien 1936 ein Schachbrett war, auf dem andere die Figuren zogen. Der Unterschied liegt nur darin, wem man die Schuld dafür gibt, dass man es zugelassen hat. Das ist das Terrain, das Pilingui absichtlich betritt, und es kommt ihn billig zu stehen.
Dass er Franco bei seinem nächsten Auftritt wieder ins Spiel bringt, ist fast sicher: Es funktioniert bei ihm. Dass das auch nur ein einziges Komma in der europäischen Unterstützung für die Ukraine bewegt, ist unwahrscheinlich. Die Wunde, die er öffnet, ist keine historische, sondern eine der Identität, und solche Narben heilen langsam.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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