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Puigdemont und Rovira wegen Terrorismus angeklagt
Richter García Castellón erhebt Anklage gegen Puigdemont und Rovira im Fall Tsunami Democràtic, mitten in den Amnestieverhandlungen.
Anklage gegen Puigdemont und Rovira wegen Terrorismus im Fall Tsunami
Kann ein richterlicher Beschluss eine Regierungsbildung erschüttern? Manuel García Castellón, Ermittlungsrichter am Nationalen Gerichtshof (Audiencia Nacional), hat den ehemaligen Präsidenten der Generalitat Kataloniens, Carles Puigdemont, und die Generalsekretärin von ERC, Marta Rovira, im Rahmen des Verfahrens gegen die Organisation Tsunami Democràtic wegen mutmaßlicher terroristischer Verbrechen angeklagt. Die Nachricht wurde zuerst von 20minutos gemeldet. Sie trifft auf einen offenen politischen Kalender und wirft eine zentrale Frage auf: Fallen Terroranschuldigungen unter das gerade diskutierte Amnestiegesetz?
Was untersucht der Fall Tsunami Democràtic?
Die Anklage stellt Puigdemont und Rovira ins Zentrum einer Untersuchung gegen die Organisation Tsunami Democràtic und die ihr vorgeworfenen terroristischen Straftaten. Es ist wichtig, Begriffe nicht zu verwechseln: Eine Anklage bedeutet, dass eine Person in das Verfahren einbezogen wird und die Ermittlungen auf sie gerichtet sind, aber es ist kein Schuldspruch und antizipiert auch keinen Prozess.
Ab hier beginnt die Interpretation. Eine Lesart besagt, dass der Beschluss zeigt, dass es genug Beweismaterial gab, um diesen Schritt zu gehen, und dass dieser viel zu spät erfolgt sei: Die Anklage kommt, so wird betont, vier Jahre nach den untersuchten Ereignissen. Die Gegenposition sieht in genau dieser Verzögerung den Beweis dafür, dass das Verfahren dann aktiviert wird, wenn es politisch passt, und nicht, wenn es rechtlich geboten wäre.
Fällt Terrorismus unter das Amnestiegesetz?
Ob die verhandelte Amnestie terroristische Straftaten einschließt oder ausschließt, verändert die Natur der Anklage grundlegend: Sie wird von einem juristischen Problem zu einer politischen Bedingung. Die weit verbreitete Vermutung ist, dass der Ermittlungsrichter die Verhandlungspartner an die Wand gedrückt hat, indem er sie zwingt, zu entscheiden, ob der Gesetzestext auch diese Angeklagten umfasst.
Andere formulieren es umgekehrt: Die Anklage ermöglicht eine Ausweitung des Gesetzes ohne scheinbare Kosten, da es keine kostenlose Zugeständnis mehr ist, sondern eine technische Notwendigkeit. Die öffentliche Berechnung ist einfach. Bei vier Stimmen, die auf dem Spiel stehen, ist es teurer, jemanden wegen Terrorismusangeklagten auszuschließen als einzubeziehen.
Druck auf die Regierungsbildung oder normale Ermittlungen?
Zwei Narrative konkurrieren, keines lässt sich allein durch den Beschluss beweisen. Das erste beschreibt massiven Druck auf die Verhandlungen: Der Schriftsatz taucht genau dann auf, wenn die Einordnung der Delikte ins zukünftige Gesetz diskutiert wird; manche lesen darin sogar eine Warnung wie „Unterschreibe oder wir verfolgen dich“. Das zweite erinnert schlicht daran, dass ein Ermittlungsrichter ermittelt und dass zeitliche Zufälle keine Beweise sind.
Es gibt eine dritte, unbequemere Lesart für jene, die einen klaren Gewinner erwarteten. Wenn die Anklage eine breitere Amnestie erzwingt, gewinnt die Verhandlungsposition, nicht die Anklagebehörde. Daher wiederholt sich die Frage: Wen begünstigt dieser Schritt wirklich?
Begnadigung, Amnestie und das prozessuale Detail, das alles ändert
Ein technischer Hinweis, der kursiert und nicht ignoriert werden sollte: Wer nicht verurteilt ist, kann nicht begnadigt werden. Eine Begnadigung setzt ein rechtskräftiges Urteil voraus, daher hat sich die Debatte von Begnadigungen zur Amnestie verschoben, die vorher und nicht nachher greift. Die strafrechtliche Einstufung ist genau deshalb entscheidend: Es macht einen Unterschied, ob Protestdelikte oder Personen gedeckt werden, die wegen Terrorismus angeklagt sind.
Hier rückt Brüssel ins Bild. Es wird angemerkt, dass eine Amnistie mit Terrorismusvorwürfen vor europäischen Gerichten anders bewertet wird als nationale Begnadigungen, was dazu zwingt, die Sache auch als Vorabentscheidungsfrage und nicht nur als politisches Signal zu betrachten.
Wie blickt man aus dem Ausland darauf?
Das häufigste Argument ist das der Glaubwürdigkeitsverlust: Wenn im Ausland bekannt wird, dass katalanische Politiker wegen Terrorismus angeklagt werden, so heißt es, verliert die Bezeichnung an Gewicht und europäische Haftbefehle werden komplizierter. Die historische Entgegnung ist direkt: Auch ETA-Verdächtige fanden in Frankreich und Belgien Zuflucht, ohne dass dies ihre Natur änderte.
Die weniger freundliche Diagnose zielt woanders hin: Ein Land, dessen Urteile im Ausland nicht vollstreckt werden, gewöhnt sich daran, nicht ernst genommen zu werden, und kein richterlicher Beschluss kann das beheben.
Bleibt das verwirrende Detail. Ein Richter kann vier Jahre brauchen, um jemanden anzuklagen, aber nur wenige Tage Verhandlungsdauer entscheiden darüber, was mit dem Angeklagten geschieht. Die Justiz bewegt sich hier in dem Tempo, das die Politik vorgibt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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