Professor Behauptet: Angelsächsische Literatur Existiert Nicht

Ein Professor vertritt die These, dass es in englischsprachigen Ländern keine echte Literatur gibt, und stellt den literarischen Kanon infrage.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der Tag, an dem Shakespeare zur Nicht-Literatur erklärt wurde

Ein Universitätsprofessor behauptet, dass die in iberischen Sprachen verfasste Literatur die angelsächsische bei Weitem übertrifft. Er relativiert nicht. Laut der Diskussion stellt er fest, dass in englischsprachigen Ländern im strengen Sinne keine Literatur existiert. Die Provokation, unterstützt durch einen Tweet, der sich von „angelsächsischen Nomenklaturen“ distanziert, hat eine Debatte entfacht, die seit über sieben Monaten läuft und 130 Beiträge umfasst. Das Bemerkenswerte ist nicht nur, dass jemand dies sagt: Die Hälfte der Antworten stimmt ihm teilweise zu.

Der Name hinter dieser These ist Jesús González Maestro, ein Philologe und Autor mit dem Ruf eines Polemikers, der als erklärter Bewunderer von Elvira Roca Barea beschrieben wird. Der Verweis ist kein Zufall: Die Autorin von Imperiofobia baute ihr Werk auf der Idee einer antispantischen „Schwarzen Legende“, die von der angelsächsischen Geschichtsschreibung getragen werde. Auf das literarische Feld übertragen, mutiert die These zu etwas Ambitionierterem: Es gebe nicht nur vergleichbares Unrecht, sondern der angelsächsische Kanon sei eine propagandistische Konstruktion.

Von Shakespeare bis Orwell: Der Kanon infrage gestellt

Das erste Angriffsziel ist der Dramatiker aus Stratford. Ein Teilnehmer erledigt ihn mit einem Sportvergleich: Der beste Theaterautor in englischer Sprache hätte nicht das Niveau, um gegen einen mittelmäßigen Schriftsteller des Siglo de Oro anzutreten. Ein anderer fügt hinzu, dass ein Großteil der englischen Literatur Shakespeare sei, ein Sonettist und Dramatiker, den „niemand liest“, und dessen Verbleib im Kanon patriotischen Lehrplänen geschuldet sei. Die implizite Schlussfolgerung: Die kulturelle Hegemonie der Angelsachsen der letzten zwei Jahrhunderte hat ein Olymp nach ihrem Maßstab fabriziert.

Das Argument hat mehr Tiefe als es scheint. Man erinnert daran, dass das große französische Theater des 17. Jahrhunderts das spanische, nicht das englische imitierte, was darauf hindeutet, dass Shakespear aktuelle Vormachtstellung eher der Korrelation kultureller Macht als einer intrinsischen Überlegenheit folgt. Und ein Stich mit Namen wird lanciert: Eine hochgelobte Komödie des Briten Noël Coward wäre ein nachgewiesener Plagiat eines Werks von Jardiel Poncela, an das sich fast niemand erinnert.

Wo der Konsens bricht, ist die moderne Literatur. Hier trifft die These des Professors auf den Skeptizismus jener, die behaupten, Spanien produziere seit einem Jahrhundert wenig von globalem Interesse. Es wird erwähnt, dass spanische Nobelpreisträger kaum außerhalb von Hörsälen gelesen werden, die Nachkriegsromane vergessenwert und die späteren direkt verzichtbar seien. Die Antwort kommt mit Namen: Cela, Blasco Ibáñez, Lorca. Und mit einer unbequemen Frage: Wie viel soll uns der Geschmack der Ausländer kümmern?

Warum ist russische Literatur immer Teil der Gleichung?

Weil das Gegenbeispiel den Kern der Debatte entkräftet. Wenn es um Iberien gegen die Welt ginge, drängt sich Russland durch die große Tür auf: Tolstoi, Dostojewski, Tschechow, Gogol, Puschkin, Turgenjew, Gorki, Leskow, Pasternak, Solschenizyn. Die Liste breitet sich wie ein Arsenal aus. Die gezogene Schlussfolgerung ist, dass sich die russische Literatur ohne die Unterstützung eines kulturellen Imperiums gegen die angelsächsische durchsetzt, was das Argument schwächt, alles sei Propaganda.

Die amerikanische Flanke erhält Feuer aus den eigenen Reihen. Es wird zugegeben, dass es lesbare Autoren gibt — Twain, Whitman, Salinger, Bradbury, Harper Lee, Auster, Pynchon — und der Kritik vorgeworfen, andere durch reine Propaganda aufgeblasen zu haben: Hemingway, Faulkner, Steinbeck, Dos Passos, Philip Roth. Die Anekdote, die den Kreis schließt, ist die von John Kennedy Toole, der sich nach der Ablehnung seines Romans Eine Verschwörung von Dummköpfen durch den Verlag das Leben nahm. Für einige demonstriert dieser Fall den geringen Instinkt der Branche.

Sprache als Kriterium: Der Konjunktiv als Liga

Die Diskussion leitet sich zur vergleichenden Linguistik hin. Es wird argumentiert, dass die romanischen Sprachen die germanischen viel stärker beeinflusst haben als umgekehrt, dass der gehobene Wortschatz des Englischen, Deutschen und sogar Skandinavischen voller Latinismen stecke. Und die am meisten diskutierte und zitierte These wird lanciert: Eine Sprache ohne Konjunktivmodus, die nicht zwischen „sein“ (ser) und „sein“ (estar) unterscheidet, sollte in einer unteren Liga spielen. Der Geistesblitz erntet Applaus und einige Korrekturen.

Das Grundproblem, das niemand löst, ist methodischer Natur. Wie misst man die Überlegenheit einer Literatur? Durch Leser, Einfluss, Wirkung, Originalität oder einfachen Geschmack? Ohne Kriterium ist der Vergleich ein Gesellschaftsspiel. Mit Kriterium würde wahrscheinlich ein unbequemes Unentschieden herauskommen.

Den Kanon schreibt, wer die Flotte hat

Die solideste Erklärung, die emerges, ist strukturell: Das dominante Imperium diktiert seinen Kanon. Spanien tat dies im 17. Jahrhundert, als es behaupten konnte, Don Quijote sei universell. Das decadente Spanien Ende des 19. Jahrhunderts konnte nicht verteidigen, dass La Regenta besser sei als Madame Bovary, selbst wenn es so war. Heute ist die Reihe beim Englischen, morgen bei einer anderen Sprache.

Mit diesem Rahmen hört die These des Professors auf, ein bloßer Geistesblitz zu sein, und wird zu einer Warnung vor der Konstruktion von Prestige. Was sie nicht löst, ist das Wesentliche: Dass die Größe eines Textes nicht von der Flotte abhängt, die ihn stützt. Cervantes schrieb ohne ein Imperium, das ihn bewarb. Und er bleibt bestehen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (142 Antworten).

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