Hitlers zweites Buch: Der nie veröffentlichte Plan

Hitlers unveröffentlichtes Zweites Buch, erst 1961 enthüllt, zeigt seine Pläne für ein Bündnis mit Großbritannien und die Eroberung des Ostens.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Hitlers zweites Buch: Der nie veröffentlichte Plan
Das geheime Buch, das Hitler nie veröffentlichen wollte

Im Jahr 1928, fünf Jahre vor der Machtergreifung, schrieb Adolf Hitler ein Manuskript, das niemals öffentlich wurde. Es war keine übliche Fortsetzung von Mein Kampf, sondern eine außenpolitische Abhandlung, in der der zukünftige Diktator mit einer später unbequemen Offenheit seine Pläne für ein Bündnis mit Großbritannien und Italien, die Zerstörung Frankreichs und die Eroberung von Lebensraum im Osten darlegte. Das als Zweites Buch bekannte Textstück blieb bis 1961 unveröffentlicht, als das Institut für Zeitgeschichte in München es auf Deutsch herausgab. In Spanien erschien es in den 60er Jahren unter dem Titel Raza y Destino (Rasse und Schicksal) in einer heute vergriffenen Übersetzung.

Die Paradoxie besteht darin, dass dieses Dokument, das eigentlich ein Eckpfeiler jeder Analyse von Hitlers Absichten sein sollte, weitgehend unbekannt bleibt. Währenddessen werden Debatten darüber geführt, ob der Führer den Krieg mit England wollte oder nicht, ohne dass fast jemand die primäre Quelle zitiert, die diese Frage klärt. Zudem behandelt das Buch die Nfragenfragenfragenfrage kaum, was dem Bild eines Hitler widerspricht, der von Anfang an ausschließlich vom Antisemitismus besessen war.

Ein für das Regime unbequemes Manuskript

Hitler diktierte das Zweite Buch 1928 seinem Sekretär Rudolf Hess. Damals war die NSDAP eine Randerscheinung im Reichstag, und der charismatische Führer hatte die Macht noch nicht erlangt. Der Text entwickelt die Ideen aus Mein Kampf bezüglich Lebensraum und Außenpolitik weiter, jedoch mit einem Detailgrad, den Hitler selbst als kontraproduktiv ansah. Nach Angaben der Historiker entschied sich der Führer gegen eine Veröffentlichung, da seine Bündnispläne mit Großbritannien und seine Geringschätzung ägyptischer und indischer Nationalisten bei seinen Anhängern und vor allem bei potenziellen Verbündeten unbeliebt hätten sein können.

Das Manuskript lag in einer Schublade, bis es nach dem Zweiten Weltkrieg von US-Truppen beschlagnahmt wurde. Erst 1961 rettete der Historiker Gerhard Weinberg es aus der Vergessenheit und veröffentlichte es mit umfangreichen kritischen Anmerkungen. Die spanische Ausgabe der 60er Jahre, betitelt Raza y Destino, zirkulierte nur in kleinen Kreisen und ist heute ein fast schon gesuchtes Sammlerstück.

Das Bündnis mit Großbritannien, das nie zustande kam

Der Kern des Zweiten Buches ist die Außenpolitik. Hitler argumentiert, dass Deutschland Territorien in Osteuropa erobern muss, um sein Überleben als Großmacht zu sichern. Im Gegensatz zur späteren Realität träumte der Diktator 1928 von einem Bündnis mit dem Britischen Empire. Seine Logik war simpel: Deutschland sollte auf Kolonien und das Wettrüsten zur See verzichten, um London nicht zu provozieren, und dafür grünes Licht für die Expansion nach Osten erhalten. Italien wäre der andere privilegierte Partner, Frankreich der Feind, den es zu schlagen galt.

Dieser Ansatz kollidiert mit der Realität von 1939, als Hitler Polen überfiel und den Krieg mit Großbritannien auslöste. Verrat an den eigenen Ideen oder bloßer Opportunismus? Der Text von 1928 zeigt einen Hitler, der bereits darauf verzichtet hatte, die Grenzen von 1914 zurückzuholen, da er sie als unzureichend betrachtete, und der auf kompromisslosen Expansionismus setzte. Das Bündnis mit London war ein Mittel zum Zweck, kein Ziel an sich.

Die Debatte um die Echtheit

Die Echtheit des Zweiten Buches wurde von einigen Seiten angezweifelt, obwohl die Mehrheit der Historiker sie anerkennt. Das Originalmanuskript wird im Bundesarchiv verwahrt und wurde kalligraphisch analysiert. Zweifel entstehen teilweise durch die geringe Verbreitung des Textes und die Existenz von Übersetzungen, die von Sympathisanten des NS-Regimes angefertigt wurden, was Verschwörungstheorien Nahrung gab.

Unabhängig davon ist der Inhalt des Buches konsistent mit dem, was Hitler in Mein Kampf schrieb, und mit seinen späteren Handlungen. Der Unterschied liegt in der Gewichtung: 1928 war der zukünftige Diktator überzeugt, dass Großbritannien den deutschen Expansionismus irgendwann als kleineres Übel im Vergleich zum sowjetischen Kommunismus akzeptieren würde. Er irrte sich.

Vom Vergessen zur Wiederentdeckung in Foren

Das Zweite Buch hat in historischen Diskussionskreisen wieder Aktualität erlangt, wo es genutzt wird, um die These zu widerlegen, Hitler habe keinen Krieg gewollt. Die Veröffentlichung von Links zu Übersetzungen und Diskussionen über die Echtheit haben das Interesse an einem Text geweckt, den Hitler paradoxerweise lieber geheim gehalten hätte. Die Kontroverse ist eröffnet: Haben wir es mit dem definitiven Beweis für die kriegerischen Absichten des Führers zu tun oder mit einem nebensächlichen Dokument, das nichts an dem bereits Bekannten ändert?

Die Antwort hängt, wie so oft, davon ab, wen man fragt. Unbestreitbar ist, dass das Zweite Buch existiert, übersetzt ist und von jedem gelesen werden kann. Ob man es lesen will, steht auf einem anderen Blatt.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (75 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver