Cervantes führt das Ranking des Publikumsvotings an, doch die Liste lässt Cortés und El Cid außen vor
Ein Publikumsvoting zur Wahl des wichtigsten Spaniers der Geschichte setzte Miguel de Cervantes an die Spitze, doch das Ergebnis löste eine Welle der Kritik aus: Die Liste der zehn Meistgewählten umfasst Juan Carlos I., Königin Sofía, Felipe VI., Pablo Picasso und Felipe González, während Hernán Cortés, El Cid, Blas de Lezo, Quevedo und Lope de Vega fehlen. Die Zahl, die das Durcheinander zusammenfasst: Isabel la Católica landete auf Platz 11, Francisco Franco auf Platz 22.
Die Debatte, die sich über mehrere Jahre hinzog, mündete in eine Diskussion darüber, was es bedeutet, Spanier zu sein, und warum das kollektive Gedächtnis die einen belohnt und die anderen begräbt. Der meistgeäußerte Schluss: Die Liste ist ein Porträt der Gegenwart, nicht der Vergangenheit.
Was geschah bei der Wahl zum größten Spanier der Geschichte
Ausgangspunkt war eine Fernsehsendung, die das Publikum aufforderte, den relevantesten Spanier aller Zeiten zu wählen. Das Ergebnis, in ein Ranking umgewandelt, platzierte Cervantes, Kolumbus, Ramón y Cajal und die Heilige Teresa von Ávila in den vorderen Rängen. Danach füllte sich die Liste mit Namen, die viele als überraschend empfanden: jüngere Monarchen, Politiker der Transition und Showgrößen.
Die häufigste Kritik galt nicht den Abwesenden, sondern den Anwesenden. Juan Carlos I., Königin Sofía, Felipe VI., Adolfo Suárez, Felipe González und Pablo Picasso belegten Positionen, die nach Ansicht mehrerer Teilnehmer bedeutenderen historischen Persönlichkeiten zugestanden hätten. Die Frage, die über der gesamten Diskussion schwebte: Nach welchen Kriterien wurde die Liste erstellt?
Die meistzitierte Antwort war das Wahlergebnis selbst: Die Demokratie hat gesprochen. Ein Argument, das die Debatte nicht beendete, sondern anheizte.
Hernán Cortés, der große Abwesende der Liste
Wenn ein Name in der Diskussion immer wieder auftaucht, dann der von Hernán Cortés. Für einen Teil der Teilnehmer ist er der vielseitigste Spanier der Geschichte: Krieger, Diplomat, Stadtgründer, Eroberer eines Imperiums und Autor von Briefen an den Kaiser mit literarischer Qualität. Hervorgehoben wird, dass er in Salamanca studierte, die gesamte klassische Literatur gelesen hatte und Könige aus dem Vizekönigreich Neuspanien heraus brieflich an die Wand spielte.
Der Kontrast zu Francisco Pizarro ist unvermeidlich. Pizarro wird als Archetyp des Konquistadoren beschrieben, ein tollkühner Mann mit Initiative, aber Analphabet. Die Beziehung zwischen Cortés und Moctezuma gilt als vielschichtiger als die zwischen Pizarro und Atahualpa, denn Moctezuma war Herrscher eines kulturell deutlich raffinierteren Imperiums. Das Fazit mehrerer Teilnehmer: Cortés spielt in einer anderen Liga.
Cortés' Abwesenheit aus den Top 10 wird von einigen Teilnehmern auf den Versuch zurückgeführt, fremde Gefühle nicht zu verletzen – im Einklang mit dem, was als Minderwertigkeitskomplex gegenüber Angelsachsen und Europäern wahrgenommen wird. Mit demselben Argument wird Francos Platz 22 erklärt.
Kolumbus war kein Spanier und Cervantes kein Dramatiker
Einer der Punkte, die die meiste Diskussion auslösten, war die Nationalität von Christoph Kolumbus. Mehrere Teilnehmer erinnerten daran, dass er kein Spanier war, obwohl eine Theorie besagt, er sei Galego und Nachfahre kastilischer Admiräle gewesen. Für andere disqualifiziert dieses Detail ihn direkt.
Der andere große Name ist Miguel de Cervantes. Man schreibt ihm zu, der Welt beigebracht zu haben, Geschichten mit runden Figuren zu schreiben – ein Beitrag, den selbst die Griechen nicht geschafft hatten. Vor Cervantes spielten die Schriftsteller mit den von den Griechen hinterlassenen Paradigmen; nach ihm mit diesen Paradigmen und ihren eigenen. Die Engländer haben in den letzten 20 Jahren fünf verschiedene Übersetzungen des Don Quijote veröffentlicht, und im 18. Jahrhundert brachten sie zwei Ausgaben auf Spanisch heraus, als das Werk in Spanien bereits in Vergessenheit geraten war.
Der Vergleich mit Shakespeare kehrt immer wieder. Für manche hat der Engländer eine Note universeller, tragischer Größe, die Lope de Vega fehlt. Für andere war der beste Dramatiker aller Zeiten Lope, nicht Shakespeare.
Blas de Lezo, El Cid und die Abwesenden, die ihren Platz einfordern
Die Liste der bemerkenswerten Auslassungen ist lang: El Cid, El Gran Capitán, Quevedo, Blas de Lezo, der Herzog von Alba, Philipp II., Alfons X. der Weise, Seneca, Trajan und Garcilaso. Einige Teilnehmer sind der Ansicht, dass Blas de Lezo, der Schrecken der Engländer, einen prominenten Platz verdient hätte. Auch Isabel la Católica, die auf Platz 11 landete, wird eingefordert, ebenso wie die Heilige Teresa von Ávila als herausragende Frauen.
Das Niveau der Liste lässt sich in einem oft wiederholten Satz zusammenfassen: Pantoja, Lola Flores, Antonio Banderas, Zapatero und Rocío Jurado vor Elcano, Cortés, Blas de Lezo, Churruca, Pizarro, Quevedo und Lope de Vega. Die Diagnose mehrerer Teilnehmer: Das Publikumsvoting belohnt mediale Berühmtheit, nicht historische Bedeutung.
Was die Liste über das spanische Kollektivgedächtnis verrät
Das Ergebnis des Votings sagt mehr über die Gegenwart aus als über die Vergangenheit, so mehrere Teilnehmer. Die Meistgewählten sind die Namen, die im Fernsehen vorkommen, nicht die in Geschichtsbüchern. Die Präsenz junger Monarchen und Politiker der Transition spiegelt Aktualität wider, nicht historische Relevanz.
Die Diskussion mündete in eine Debatte über die spanische Identität. Eine Strömung vertritt die Auffassung, Spanien sei sein eigenes Europa gewesen, einzigartig und anders, und wer sich als Europäer statt als Spanier verstehe, leugne die Essenz. Eine andere verteidigt, die Größe Spaniens liege gerade in seiner Vermischung der Kulturen und seiner globalen Präsenz, die mit der Eroberung Amerikas begann.
Ein Abschluss der Debatte kam nicht zustande. Die Frage bleibt offen: Wer war der größte Spanier der Geschichte? Die Antwort hängt davon ab, wen man fragt. Für manche: Cervantes. Für andere: Cortés. Für viele: keiner der auf der Liste Stehenden.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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