Privatschule in Spanien: Statussymbol oder Flucht vor dem Staat?

In Spanien besuchen nur ein Sechstel der Schüler Privatschulen, ein Drittel staatlich geförderte Schulen. Die Mittelschicht zahlt für das Umfeld, nicht für den Lehrplan.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Privatschule in Spanien: Statussymbol oder Flucht vor dem Staat?
Privat oder öffentlich: Schule als soziale Lotterie

Ein Vater ist sich sicher: Er hat seit der Geburt seiner Kinder keinen Fernseher zu Hause, im Wohnzimmer wird diskutiert und Kultur geschätzt. Er glaubt, dass viele öffentliche Schulen mittelmäßig sind, man aber trotzdem gut ausgebildet werden kann. Für ihn ist die Privatschule reines Angeben, es sei denn, das Geld spielt keine Rolle. Mit seinen Steuern hält er den Verzicht auf öffentliche Bildung für ein schlechtes Geschäft. Seine These löst eine Debatte aus, die bereits über drei Jahre andauert und 172 Antworten gesammelt hat: Ist die Schule ein Statussymbol oder eine Überlebensnotwendigkeit?

Die Mehrheit verteidigt nicht das Angeben, sondern die Flucht. Und diese Flucht hat ein Ziel: überfüllte Klassen, konfliktreiche Umgebungen und das, was einige als ideologische Indoktrination beschreiben, zu vermeiden. Das Argument des Umfelds dominiert in fast der gesamten Diskussion das akademische Argument.

Was man an einer Privatschule wirklich bezahlt

Der am häufigsten wiederholte Konsens ist, dass die Lehrer an öffentlichen Schulen genauso qualifiziert sind wie an privaten und dass der Unterschied nicht im Unterricht, sondern auf dem Schulhof liegt. Ein Lehrer an einer öffentlichen Schule formuliert es unverblümt: An Privatschulen sind die Fachkräfte motivierter, weil sie bei mangelnden Ergebnissen gekündigt werden, während sie an öffentlichen Schulen ohne Konsequenzen fehlen können. Ein anderer Lehrer, der sich als Erstplatzierter seines Einstellungswettbewerbs vorstellt, mit Schülern, die nie unter „gut“ im Abitur lagen, internationaler Erfahrung und veröffentlichten Artikeln, fügt eine Nuance hinzu, die kaum jemand bestreitet: Er würde seine akademische Freiheit am öffentlichen Gymnasium nicht gegen das Gehalt einer Privatschule eintauschen.

Das Gegenargument kommt von innerhalb des Systems selbst: Eine Privatschule lohnt sich nur, wenn sie ihre Lehrkräfte sehr gut bezahlt und die Besten anzieht. In vielen Fällen, so wird argumentiert, stellt sie ehemalige Schüler ein, die den Einstellungswettbewerb nicht bestanden haben. Das öffentliche System erzwingt einen Filter, den nicht jeder besteht, und jedes Jahr bewerben sich Lehrer von Privatschulen erneut, um zurückzukehren.

Das Umfeld als kostenpflichtiger Bildungsdienst

Hier wird die Debatte unangenehm und muss präzise dargestellt werden: Ein Teil der Teilnehmer befürwortet die Zahlung der Gebühren, damit ihre Kinder nicht mit bestimmten sozialen Profilen in einer Klasse sitzen, die sie mit abwertenden Begriffen beschreiben, die dieser Artikel nicht wiedergibt. Der Kern des Arguments, bereinigt von dieser Ebene, ist die soziale Zusammensetzung der Gruppe: Es wird behauptet, dass es an einer kostenpflichtigen Einrichtung weniger Konflikte und mehr Homogenität gibt, was die Leistung und dauerhafte Freundschaften schützt.

Demgegenüber stützt sich die Verteidigung der öffentlichen Schule auf die Realität und nicht auf Ideologie. Mehrere berichten von pogre Familien, die am Ende umgezogen sind oder Schulgeld zahlten, als die zugewiesene Schule eine Mehrheit von Schülern einer ethnischen Minderheit mit Integrationsproblemen und Mobbing konzentrierte. Der Widerspruch zwischen Rede und Tat wird scharf kritisiert: Öffentlichkeit und Multikulturalismus verteidigen, aber nicht an der Schule der eigenen Kinder.

Die realen Kosten: Geförderte Schulen, Gebühren und zahlende Großeltern

Die Struktur des Sektors widerlegt die Idee, dass Spanien sich in Reiche an Privatschulen und Arme an öffentlichen Schulen teilt. Die in der Diskussion genannten Daten zeigen, dass reine Privatschulen etwa ein Sechstel der Schüler ausmachen, geförderte Schulen (Concertados) ein Drittel und öffentliche Schulen die Hälfte, bezogen auf Madrid. Das bedeutet, dass fünf von sechs Schülern an Einrichtungen lernen, die mit öffentlichen Geldern finanziert werden.

Daraus ergibt sich das am häufigsten gezeichnete Bild: Familien, die monatlich 400 oder 500 Euro ausgeben, bei Lebensmitteln, Freizeit oder Reisen sparen und in einigen Fällen die Großeltern einen Teil der Monatsgebühr übernehmen lassen. Die geförderte Schule erscheint als das „Ich will, aber kann nicht“-Modell der Mittelschicht, eine halbstaatliche Einrichtung, die sich an regionale Vorschriften halten muss und deren Gehälter vom Staat bezahlt werden. Die schwebende Frage ist, ob dieser Aufwand Qualität kauft oder nur Gesellschaft.

Die öffentliche Schule als Lotterie und sinkendes Niveau

Die härteste Diagnose kommt nicht von Befürwortern des Privatsektors, sondern von denen, die darin arbeiten. Ein Lehrer mit Kindern an einer Privatschule räumt ein, dass die öffentliche Schule schon immer eine Lotterie war, behauptet aber, dass es immer weniger Gewinnerkarten gibt und das Niveau sinkt: Kinder, die in der zweiten und dritten Grundschulklasse noch nicht wissen, wie man einen Stift hält. Ein anderer weist darauf hin, dass die Schule oft als Kinderparkplatz dient, während die Eltern arbeiten, Pilates machen oder Radtouren fahren, wobei Nachmittagsprogramme wie Parkuhren funktionieren.

Auch die akademische Anforderung wird in beide Richtungen hinterfragt. Manche erinnern daran, dass an geförderten Schulen im Juni und September Noten verschenkt wurden, um Wiederholer aus den Klassen fernzuhalten, während andere antworten, dass an Privatschulen Wiederholer direkt ausgeschlossen werden. Die wiederkehrende Schlussfolgerung: Die Privatschule ist kein Wundermittel, aber der Vergleichsmaßstab ist so niedrig, dass die Wahl leicht fällt.

Networking, Kontakte und berufliche Zukunft

Das wirtschaftliche Grundargument ist das Sozialkapital. Es wird behauptet, dass der Nutzen der Schule nicht im Lehrplan liegt, sondern im Kontaktnetzwerk, das jahrzehntelang gepflegt wird, in Praktika, die Kindern einen Job verschaffen, und in Fremdsprachenkompetenz durch Muttersprachler. Die private Universität wird als Weg präsentiert, Absolventen unterzubringen, in einem Land, in dem, so heißt es, man ohne Kontakte nicht weiterkommt.

Der Einwand lautet, dass diese Rechnung für die Mehrheit nicht aufgeht. Spanische öffentliche Universitäten gehören zwar nicht zu den besten Hundert weltweit, doch wird entgegnet, dass solche Rankings Forschung und Publikationen messen, nicht Lehre, und dass in Spanien die Studiengebühren die Einstellung von Forschern nicht finanzieren wie im Vereinigten Königreich oder in den USA. Die Debatte über die Qualität bleibt wiederum ohne Schiedsrichter.



Mit einem Sechstel der Schüler an Privatschulen und der Hälfte an öffentlichen Schulen ist die reale Wahl der Mittelschicht nicht zwischen Exzellenz und Mittelmäßigkeit: Sie ist zwischen Bezahlen für das Umfeld oder Akzeptieren der Lotterie der zugewiesenen Klasse. Die beunruhigende Zahl ist nicht, wie viel das Schulgeld kostet, sondern wie viele Eltern eher umziehen, als ihr Kind dort anzumelden, wo es hingehört.

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (172 Antworten).

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