Der Parallelmarkt für Gold und Silber, der die 21% MwSt umgeht
Ein eingeschriebenes Paket mit zwanzig Ein-Unzen-Silbermünzen trifft ein, ohne Rechnung. Der Käufer zahlte 27 Euro pro Stück, wickelte den Deal über private Nachrichten ab und umging die 21% MwSt, die auf physisches Silber in Spanien anfällt. Dies ist kein Einzelfall: Seit über einem Jahrzehnt kaufen und verkaufen Privatpersonen im ganzen Land Gold- und Silberunzen jenseits der offiziellen Läden, orientieren sich am internationalen Marktpreis und addieren eine variable Prämie je nach Münze. Das funktioniert, weil eine reale Nachfrage besteht und die Differenz zu den offiziellen Händlern oft zweistellig ist.
Man muss kein großer Investor sein. Der durchschnittliche Beleg überschreitet selten einige Hundert Euro. Gehandelt werden einzelne Münzen, Tuben mit zwanzig Stück oder gelegentlich Kilo-Bars. Auf diesem Mikromarkt basiert eine Diskussion, die tiefer geht als sie scheint: Wie viel Aufschlag auf den Metallpreis ist gerechtfertigt? Wer betrügt? Wie vermeidet man den fiskalischen Raub ohne illegal zu handeln? Und warum wurde spanisches Silber so teuer im Vergleich zu deutschem?
Was ist die Spot-Prämie und warum bestimmt sie den Preis
Der Metallpreis, der sogenannte Spot, ist nur die Referenz. Alles andere ist Prämie: Kosten für die Herstellung, Händlermarge und vor allem das, was der Käufer bereit ist, für ein konkretes Objekt in der Hand zu zahlen. Der Krügerrand-Goldbarren wurde einst für 1.360 Euro angeboten, tauchte Jahre später aber für 1.025 Euro auf. Mexikanische 50-Peso-Münzen mit 37,5 Gramm Feingold wurden für 1.500 Euro, dann 1.530 Euro inseriert, mit einem entscheidenden Detail: In Brüssel zahlte man 1.508 Euro, sodass ein Verkauf in Spanien einen Rabatt erforderte oder die Münzen im Schubladenschrank schlummerten.
Es gibt zwei Ansätze bei der Preisgestaltung. Einige verkaufen zum Spot plus einer niedrigen Prozentzahl zwischen 3% und 5%, während andere Sammlerprämien bis zu 40% verlangen. Eine Wiener Philharmoniker Silbermünze wurde für 26,8 Euro angeboten. Ein American Eagle für 27 Euro, mit einer Mindestbestellmenge von zwanzig Stück. Ein australischer Kookaburra aus dem Jahr 1992 (1 kg) für 990 Euro. Diese Zahlen wirken seltsam, verglichen mit den späteren Dumpingpreisen.
Die 21% MwSt und die Flucht zu deutschen Händlern
Hier liegt der Knackpunkt. Physisches Silber in Spanien unterliegt einer MwSt von 21%. Anlagemünzen aus Gold sind befreit, was Silber zum steuerlichen schwarzen Schaf der Branche macht. Dieser Unterschied zu Deutschland, wo das Regime deutlich milder ist, löste ein Erdbeben unter den Käufern aus. Ein Neuling sagte es unverblümt: Spanische Käufer seien naiv, wenn sie weiterhin mehr an nationale Distributoren zahlten, statt online bei deutschen Anbietern zu bestellen. Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe.
Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Drei Kookaburras in Deutschland zu kaufen lohne sich nicht, wenn man die Versandkosten addiere, hieß es im Gegenzug. Für kleine Bestellungen kann der lokale Händler günstiger sein als internationale Transportkosten. Es hängt alles vom Volumen ab. Bei 500 Unzen gewinnt Deutschland klar. Bei drei nicht. Und genau hier lag die eigentliche Debatte: Nicht ob die spanische MwSt hoch ist — sie ist es — sondern ob es sich lohnt, den lokalen Händler zu boykottieren, oder ihn einfach bei kleinen Bestellungen zu wählen.
Von 27 auf 16,50 Euro: Der Absturz des Silbers im Sekundärmarkt
Nichts fasst das letzte Jahrzehnt besser zusammen als die Entwicklung der Ein-Unzen-Münzen. Eagles, die anfangs für 27 Euro gehandelt wurden, fielen in der Mitte auf 20,50 Euro und zuletzt auf 16,50 Euro, als jemand sechzig Stück auf einmal verkaufte. Fast 40% weniger für dasselbe Stück. Silber brach auf den internationalen Märkten ein, und der Sekundärmarkt folgte verzögert, schmerzhaft und mit Angeboten, die mangels Käufer hängen blieben.
Wer oben gekauft hat, sitzt fest. Wer wartete, kaufte zur Hälfte des Preises. Diese Asymmetrie erklärt, warum im letzten Abschnitt pures Bullion knapp wird: Kaum jemand verkauft Silber zu Dumpingpreisen, wenn er warten kann. Wer Münzen besitzt und keine Liquidität braucht, hält still, und der Markt füllt sich mit Stücken mit hoher Prämie, die preislich starr bleiben.
Die Angst, dass die Adresse in falsche Hände gerät
Der Kauf von Münzen per Post birgt ein Risiko, über das anfangs kaum jemand spricht. Die Adresse des Käufers liegt beim Verkäufer und damit auch bei jedem, der das Etikett in einem Sortierzentrum sieht. Wer Metall zu Hause hortet, wird auf dem Papier zum Ziel. Die Diskussion wandte sich praktischen Lösungen zu: Pakete am Arbeitsplatz empfangen, ein Postfach nutzen, die Adresse eines vertrauenswürdigen Geschäfts angeben oder vom Verkäufer verlangen, dass im Absender kein Juweliergeschäft steht.
Erfahrene Käufer haben ihre Routinen. Einer berichtete, dass er Bestellungen an ein fremdes Geschäft mit anderem Namen liefern lässt und den Versandstatus überwacht, um das Paket genau dann abzuholen, wenn es zugestellt wird. Ein anderer merkte an, dass der Arbeitsplatz funktioniere, es sei denn, im Büro versucht jemand, fremde Pakete zu öffnen. Einschreiben sind nur ein relativer Trost. Die Schlussfolgerung der Langzeit-Käufer ist unbequem: Das Risiko lässt sich nicht eliminieren, nur reduzieren.
Fälschungen: Der Panda, der die Reinheit nicht eingraviert hat
Der Metallmarkt zieht Fälscher an wie Honig die Fliegen. Es kursierten Partien chinesischer Pandas, die für geübte Augen auffielen: Weder das Kilostück zeigte die Reinheit noch den Nennwert in Yuan. Der Hinweis war nicht subtil, und der Rat war immer derselbe: Misstrauen gegenüber zu billigen Sammlungen und Gewicht, Durchmesser sowie Oberfläche vor der Zahlung prüfen. Für ernsthafte Käufer wurden sogar Programme zur Echtheitsprüfung von Bullion-Münzen geteilt, inklusive Magnettests.
Die andere Seite der Medaille zeigte ein Käufer, der 400 Viertel-Dollar-Silbermünzen auf einer US-Plattform erwarb und die MwSt an der Grenze zahlte, eine Zusatzbelastung, die viele überraschte: Auch Transportkosten sind steuerpflichtig. Dafür erhielt er mehrere Münzen mit numismatischem Wert innerhalb dessen, was andere nach Gewicht verkaufen. Die Lotterie des Sammlers.
Das Bullion-Angebot erlischt, Prämiensstücke bleiben
Mit dem Sinken des Silberpreises änderte sich die Zusammensetzung des Angebots. Pures Bullion — Münzen, deren Preis fast am Spot klebt — verschwand. Die meisten Inserate waren nun Münzen mit Prämie, unelastisch gegenüber dem Kurs: Verkäufer bevorzugen es, sie zu behalten, statt sie billig loszuschlagen. Die Folge, wie angemerkt wurde, ist die Kluft zwischen Papier-Silber und physischem Silber, zwei verschiedene Märkte mit demselben Namen. Ohne Großhändler dahinter, argumentiert ein Teilnehmer, bietet niemand kompetitive Preise für Bullion.
Auch kam Purismus darüber auf, was hier gehandelt werden sollte. Man verteidigte, dass der Markt sich auf Edelmetalle und verwandte Stücke beschränken sollte, ohne zu einem Flohmarkt für Secondhand-Ware zu verkommen. Und die erfahrensten Stimmen bestanden darauf, dass alle Informationen bereits verfügbar seien, Anfänger kostenlos geführt würden und jede „Wundermethode“ sofort Misstrauen wecke.
30-Euro-Münzen für 27 Euro: Unter dem Nennwert
Was wirklich schockiert, ist der Tag, an dem Silbermünzen mit 30 Euro Nennwert für 27 Euro angeboten wurden, also 10% unter ihrem Gesichtswert. Das klingt nach Schnäppchen und Warnung zugleich: Wenn Silber tief genug fällt, nähert sich der Metallgehalt dem Nennwert, und ein Verkauf unter dem Nominal kostet mehr als das Aufbewahren. Auch Großposten wurden gesucht: Jemand suchte 500 Münzen zu 100 Pesetas für jeweils 6,50 Euro, und es bewegten sich 400 ‘Karlillos’ für 13,25 Euro.
Der Sekundärmarkt schloss eine Ära mit Eagles zu 16,50 Euro, Krügerrands zu 1.025 Euro und Prämiensstücken, die sich gegen weitere Senkungen sträubten. Die Frage, die offen bleibt, ist nicht, wie stark Silber steigen wird, sondern wie viele bereit sind, ihre Münzen abzugeben, solange der Preis noch nicht gestiegen ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (3544 Antworten).