Polizist wegen Tötung von Jojan Andrés Murillo angeklagt

Ein Richter bezweifelt die vom Udyco-Beamten geltend gemachte Lebensgefahr, der den 26-jährigen Jojan Andrés Murillo bei einer Anti-Drogen-Razzia in Madrid erschoss.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Polizist wegen Tötung von Jojan Andrés Murillo angeklagt
Richter stellt "Lebensgefahr" des Polizisten infrage, der Jojan Andrés tötete

Polizeiberichte sind nur so viel wert wie die Geschichte, auf der sie basieren. Der Bericht vom 29. Januar 2025 in der Calle Sinesio Delgado in Madrid hat sich innerhalb von zwei Monaten aufgelöst und einen Beamten der Udyco (Spezialeinheit für Drogenkriminalität) wegen vorsätzlichen Totschlags angeklagt. Jojan Andrés Murillo war 26 Jahre alt, spanischer Staatsbürger kolumbianischer Herkunft und vorbestraftenfrei. Ein Schuss durchbohrte seinen Körper von Brust zu Rücken und blieb im Fahrersitz stecken. Der Schuss fiel um 13:52 Uhr; der Tod wurde um 15:15 Uhr bestätigt, nachdem er nach längerem Liegen auf dem Bürgersteig ins Krankenhaus gebracht worden war.

Er fuhr einen weißen Seat León. Zwei Beamte der Gruppe VIII der Udyco, der Einheit für Drogen und organisierte Kriminalität der Justizpolizei-Brigade, folgten ihm in einem getarnten Fahrzeug und stoppten ihn abrupt an der Ecke zur Finisterre-Straße. Sie stiegen zivil gekleidet mit gezückten Waffen aus und holten ihn gewaltsam aus dem Auto. Ein Freund des Opfers, der über Freisprecheinrichtung mit ihm sprach, hörte die gesamte Sequenz. Die Ironie: Auch das Ermittlungsprotokoll hörte es – das Auto hatte eine gerichtlich genehmigte Abhörvorrichtung.

Was der Polizeibericht erzählte: Ein 30-Jähriger und ein Fluchtmanöver

Die offizielle Version, die an jenem regnerischen Nachmittag an die Medien ging, sprach von einem „30-jährigen Kolumbianer“ mit „vielen Vorstrafen“, der nach einem Zusammenstoß mit seinem Auto gegen ein Polizeifahrzeug während der Flucht erschossen wurde. Im Seat León seien „mehrere Kokainziegel, Geld und Utensilien zur Handhabung von Betäubungsmitteln“ gefunden worden. Keiner dieser drei Punkte hält zwei Monate später stand: Das Opfer war 26 und hatte keine Vorstrafen.

Der vor Ort verfasste Bericht, unter Anwesenheit von Vorgesetzten der Policía Nacional, besagt, dass der schießende Beamte abdrückte, um zu verhindern, dass sein Kollege überfahren wird, als das Auto rückwärts fuhr. „Mit dem festen Gefühl, dass sein Leben und das seines Kollegen ernsthaft gefährdet waren“, heißt es weiter. Zuvor hätten sie dreimal „Halt Polizei, bleiben Sie stehen“ gerufen, ohne Erfolg. Bei halb offener Fahrertür hätte der junge Mann eine „seltsame Bewegung gemacht, indem er sich zum Beifahrersitz hinabbeugte“. Der Schuss, so der Bericht, sollte dieses Manöver vereiteln.

Das Urteil, das den Einsatz der Dienstwaffe infrage stellt

Hier endete die Übereinstimmung. Der ermittelnde Richter hat die polizeiliche Darstellung widerlegt, gestützt auf zwei Beweismittel: die Aufzeichnung der Fahrzeugüberwachung und Bilder einer nahen Privat-Kamera. Beide forderte der Anwalt Juan Manuel Fernández Ortega, der die Familie des Opfers vertritt. Das Urteil kommt zu dem Schluss, dass es sich „anscheinend“ um einen irregulären Einsatz der Dienstwaffe handeln könnte und dass nach Ansicht des Videos „die vom Beamten erwähnte Lebensgefahr keineswegs klar ersichtlich ist“. Das Schießen auf den Verdächtigen statt auf das Fahrzeug weist laut Richter Merkmale auf, die die Korrektheit des Einsatzes „ernsthaft“ bezweifeln lassen.

Der Beamte erklärte sich letzte Woche als Beschuldigter wegen vorsätzlichen Totschlags. Er ist suspendiert; per Gerichtsbeschluss wurden ihm Besitz und Tragen der Waffe während der Ermittlungen entzogen. Zwei Vorgesetzte der Policía Nacional waren beim Verhör anwesend.

Ein Duell, das sich in Sekundenbruchteilen entscheidet

Ein Großteil der öffentlichen Debatte dreht sich um ein physikalisches und wahrnehmungsbezogenes Problem: Kann ein Beamte eine reale Gefahr in der Zeit bewerten, die ein Auto braucht, um einen Meter zurückzusetzen? Manche argumentieren, die Zweifel des Richters kämen zu spät und falsch, da er ruhig am Schreibtisch etwas beurteile, das Sekundenbruchteile dauerte und einer Verfolgung vorausging. Gegenargument: Der Schütze hatte Video- und Audioaufnahmen, die nicht zu seiner Unterschrift passen. Das Argument, dass die Korrektheit eines Schusses in einem Moment entschieden wird, befreit nicht davon zu erklären, warum der Bericht einen 30-Jährigen mit Vorstrafen beschrieb.

Auf der anderen Seite wird ein anderes Detail betont: die Größe des Einsatzes. Reichen zwei zivile Beamte aus, um einen mutmaßlichen Drogendealer ohne Flagrantdelikt festzunehmen? Diese Frage ist nicht trivial in einem Fall, in dem die Nebenklage jedes Beweisstück erkämpfen musste.

Die Kluft zwischen Medienberichten und Aktenlage

Der Fall illustriert ein bekanntes Muster: Heiß geleakte Polizeinformation setzt den Rahmen, den die Ermittlungen dann schrittweise zerlegen. Hier kam die Wendung durch objektive Elemente, nicht durch interessierte Zeugenaussagen. Der vollständige Vergleich dessen, was gesagt und bewiesen wurde, zeigt eine überraschend große Anzahl falscher Daten innerhalb von 24 Stunden.

Die Angelegenheit öffnet auch eine unbequemere Diskussion: Was passiert, wenn derjenige, der den Bericht verfasst, dieselbe Person ist, deren Handeln beurteilt wird? Der Fall um den Tod von Jojan Andrés Murillo bleibt offen und hat eine neue Dimension erhalten, seit der Fokus auf der Pistole liegt und nicht auf dem Auto.

Mit diesen Fakten würde jede eilige Staatsanwaltschaft die Einstellung beantragen und darauf vertrauen, dass die Zeit ihre Arbeit tut. Die Prognose, mit aller gebotenen Vorsicht, lautet: Die Sache endet hier nicht. Wenn das Gericht die Version des Beamten und die Audioaufnahme abwägen muss, wird die Distanz zwischen beiden das eigentliche Thema des Prozesses sein.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (233 Antworten).

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