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Spanien: Neue Mobilitätsgesetz erlaubt HOV-Spuren
Artikel 33 des neuen spanischen Mobilitätsgesetzes ermöglicht Hochbesetzungs-Spuren in Städten mit über 300.000 Einwohnern.
Gesetz reserviert Spuren für Autos mit mindestens zwei Insassen
Die Anzahl der Insassen eines Autos ist nun ein rechtliches Kriterium dafür, wer welche Spur nutzen darf. Nicht um das Fahrzeug zu verbieten, sondern um Fahrspuren zu reservieren. Artikel 33 des neuen Mobilitätsgesetzes, diese Woche von der Regierung verabschiedet, führt die Kategorie der Hochbesetzungsfahrzeuge (HOV) in die Infrastrukturvorschriften ein und ebnet den Weg, die Nutzung durch allein fahrende Fahrer einzuschränken. Der Text wurde am 11. Oktober 2025 im Detail bekannt.
Der erste Punkt dieses Artikels ordnet nichts an. Er ermächtigt. Und dieser Nuancenunterschied, der im Kleingedruckten entscheidend ist, geht oft in der öffentlichen Diskussion verloren.
Was ändert Artikel 33 des Mobilitätsgesetzes?
Die Formulierung stützt sich auf Abschnitt 3 unter der Überschrift „Ergänzende Maßnahmen bezüglich Infrastruktur und Ausstattung zur Nachhaltigkeit des Verkehrssystems“. Sie besagt wörtlich, dass „die notwendigen Maßnahmen ergriffen werden, um Straßen mit drei oder mehr Fahrspuren pro Richtung und andere geeignete Straßen mit reservierten oder Vorrangspuren für den öffentlichen Nahverkehr, für Fahrräder und für Hochbesetzungsfahrzeuge oder emissionsfreie Fahrzeuge auszustatten“.
In einfachen Worten: Reservierte Spuren für Personen mit Beifahrer. Das Konzept ist nicht neu. Die BUS-VAO-Spuren funktionieren seit Jahrzehnten auf der A-6 in Madrid, wo das Besetzungskriterium bereits angewendet wurde. Was sich jetzt ändert, ist der Geltungsbereich: von einer punktuellen Maßnahme einer Verwaltung hin zu einem in einem staatlichen Gesetz anerkannten Kriterium, das, wie der Text selbst sagt, auf die Straße kommen wird.
Es gibt Maßnahmen mit sofortiger Wirkung und solche, die etwas länger brauchen, bis sie in Kraft treten. Niemand sollte daran zweifeln, dass alles, was im Gesetz steht, auch umgesetzt wird. So war es bei jedem Vorstoß der DGT (Dirección General de Tráfico) in den letzten Monaten.
Welche Städte sind von der Spurreservierung betroffen?
Die Schwelle, die die Norm festlegt, liegt bei Städten mit mehr als 300.000 Einwohnern, wo das Besetzungskriterium allgemein angewendet würde. Unterhalb dieser Zahl hängt die Umsetzung von den Haushaltsverfügungen jeder Gemeinde ab. Das Gesetz lässt auch die Tür offen für neue Stadtentwicklungen, sofern Zweispurstraßen dies ermöglichen.
In der Praxis ergibt sich daraus eine reduzierte Karte: Kaum zehn spanische Gemeinden überschreiten diese Bevölkerungsgrenze. Die Konzentration des Fahrzeugbestands, der Arbeitsplätze und der Staus liegt genau dort, in diesen Gemeinden. Für manche ein weiterer Grund, Abstand zu den großen Ballungsräumen zu halten.
Verbietet das Gesetz das alleinige Fahren im Auto?
Nicht grundsätzlich. Der Text reserviert Spuren; er verbietet keine Strecken. Wenn eine Straße drei Spuren pro Richtung hat und eine davon für hohe Besetzung vorgesehen ist, bleiben zwei für den Rest. Das ist der Mechanismus, und er funktionierte bereits vor diesem Gesetz.
Das Problem entsteht, wenn die Reservierung mit anderen Einschränkungen kombiniert wird. Eine HOV-Spur hinzuzufügen zu einer Umweltzone, zu einspurigen Straßen oder zu einem bereits angespannten Stadtzentrum lässt den allein fahrenden Fahrer ohne Alternativroute. Dort wird die Diskussion theoretisch und wird zur Rechnung.
Pere Navarro, Leiter der DGT, formulierte dies damals auf einer Pressekonferenz: „Mit zwei Insassen pro Auto gäbe es halb so viele Autos.“ Der Satz zirkuliert weiterhin als Absichtserklärung, obwohl noch niemand detailliert hat, wie diese Einsparung an Fahrzeugen kontrolliert werden soll.
Die Einsamkeit am Steuer und ihre Kosten
Wer allein lebt, zahlt bereits teurer für denselben Service: Er trägt vollständig Miete oder Hypothek, Versorgungskosten, Gemeinschaftskosten und Steuern für eine Wohnung, die er mit niemandem teilt. Dieses Kriterium auf das Auto zu übertragen, fügt eine Bestrafung für einen Umstand hinzu, der in vielen Fällen nicht gewählt wurde. Es gibt Wege — Schichtarbeit, familiäre Pflege, ländliche Strecken, frühe Abfahrten — bei denen es einfach keinen Mitfahrer gibt.
Daraus entstehen die kuriosesten Auswege der Angelegenheit: Einen Begleiter pro Fahrt mieten, ein Haustier in die Insassenzahl einrechnen oder mit Fremden das Auto teilen, um den Platz zu bekommen. Alle findig. Fast alle illegal.
Das HOV-Signal und das Risiko einer Strafe
Kurz bevor der Gesetzestext bekannt wurde, wurde die spezifische Beschilderung für diese Fahrzeuge genehmigt. In den Worten der Beobachter war dies das Signal der Zwietracht: ein Symbol, das genau das vorwegnahm, was jetzt im Gesetz steht. Mit der Veröffentlichung der Norm verschiebt sich die Debatte vom Symbol zur Sanktion: Was passiert, wenn jemand allein auf einer reservierten Spur fährt?
Das Gesetz legt den Bußgeldkatalog nicht fest. Das wird auf dem Verordnungsweg erfolgen, und dort wird sich der wahre Ehrgeiz der Maßnahme messen lassen. Eine Reservierung ohne Kontrolle ist nur eine gemalte Spur; eine Reservierung mit Kontrolle ist eine Einnahmequelle.
Frankreich schaffte seine Umweltzonen ab: Das Präzedenzfall
Das am häufigsten zitierte Beispiel ist Frankreich. Dort hob die Nationalversammlung die Umweltzonen rechtlich auf, da sie als diskriminierend gegenüber denen angesehen wurden, die kein Elektrofahrzeug kaufen konnten oder wollten. Das zugrunde liegende Argument war dasselbe wie hier: Eine Verkehrsmaßnahme, die die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bestraft, wird regressiv.
In Spanien bleibt die politische Umsetzung dieses Unmuts abzuwarten. Ein Teil der öffentlichen Meinung wirft der PP (Partido Popular) vor, den Text durch ihre Enthaltung begünstigt zu haben, während andere darauf hinweisen, dass dieselben Kriterien bald auf Wohnraum oder anderen Verbrauch angewandt würden. Momentan sind dies Vermutungen, keine Fakten.
Wahrscheinlich wird die Reservierung dort voranschreiten, wo BUS-VAO bereits funktioniert, und jahrelang auf diesen Abschnitten beschränkt bleiben. Wenn das Besetzungskriterium eines Tages auf Ringstraßen und Zufahrtswege großer Städte übergreift, wird die Frage nicht mehr lauten, wie viele Insassen das Gesetz verlangt, sondern wer es sich leisten kann, allein zu fahren.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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