Peruanische Passagierin kritisiert Geruch der Europäer im ÖPNV

Ein virales Video einer Peruanerin über den Körpergeruch in europäischen Verkehrsmitteln entfacht eine Debatte über Hygiene, Klasse und Zusammenleben.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Peruanische Passagierin kritisiert Geruch der Europäer im ÖPNV
Peruanische Passagierin kritisiert europäischen Geruch im Nahverkehr

Eine peruanische Frau behauptet in einem weit verbreiteten Video, dass Europäer im öffentlichen Nahverkehr schlecht riechen und dass man in ihrer Heimat sich mit Steinen reinigte. Die Aussage blieb nicht nur eine Anekdote, sondern löste einen Streit über Hygiene, Zusammenleben und das Recht aus, andere zu beurteilen. Der Auslöser ist ein Satz: Dass sie dort nicht gebadet hätten, aber der Geruch hier schlimmer sei.

Das Bemerkenswerte ist nicht die Beschwerde selbst. Es ist, dass sie von jemandem kommt, der laut eigener Aussage aus einem Ort stammt, wo warmes Wasser und Deodorant nicht Standard waren. Diese Widersprüchlichkeit — die anderen stinken, ich nicht — hat die Diskussion entfacht.

Was genau gesagt wurde und warum es empörte

Das Video enthält zwei Aussagen, die endlos wiederholt wurden. Erstens: In ihrem Dorf in Peru habe man sich mit einem Stein gereinigt. Zweitens: In Europa sei der Geruch in Bussen und U-Bahnen unerträglich. Die Kombination ist explosiv, weil sie die übliche Richtung der Migrationsbeschwerde umkehrt: Hier verlangt die Neuankömmling nicht Verständnis, sondern diagnostiziert den Gastgeber.

Viele Reaktionen zielten darauf ab. Argumentiert wird, wer zugibt, sich nie gewaschen zu haben, sei nicht in der Position, Lektionen in Hygiene zu erteilen. Dies ist das häufigste, aber schwächste Argument: Fehlendes Trinkwasser in einem andinen Dorf ist keine persönliche Wahl, sondern eine materielle Entbehrung. Eine andere Sache ist, dass die Frau dies als pittoreske Gewohnheit darstellt.

Der Geruch der U-Bahn: Realität oder Ausrede?

Es gibt Daten, die man vom Rauschen trennen sollte. Viele stimmen überein, dass der öffentliche Nahverkehr in großen europäischen Städten schlecht riecht, und zwar nicht primär wegen der Neuankömmlinge. Genannt werden Überfüllung, körperliche Arbeit und angestaunter Schweiß zur Stoßzeit. Eine Beobachtung, die jeder bestätigen kann, der morgens um sieben Uhr die U-Bahn nutzt, ohne dafür ein Video zu brauchen.

Das Problem liegt in der Zuschreibung. Wenn gesagt wird, der Geruch komme von Migranten, handelt es sich um eine Verallgemeinerung, die keiner Analyse standhält. Körpergeruch hat keine Nationalität: Er hängt mit verfügbarem Wasser, Art der Arbeit, Personendichte pro Quadratmeter und Duschfrequenz zusammen. Dem Schweiß einen Reisepass zu geben, ist ein intellektueller Kurzschluss, keine Diagnose.

Hygiene als Klassenmarker, nicht als Herkunftsmerkmal

Hier liegt der Punkt, den kaum jemand anspricht. Die tägliche Dusche mit warmem Wasser und Deodorant ist in Europa ein junger Luxus, kein Jahrtausende altes Identitätsmerkmal. Vor zwei Generationen war in weiten Teilen Spaniens die wöchentliche Wäsche üblich. Bimsstein wurde hier für Hornhaut verwendet, nicht für den ganzen Körper, aber die Logik ist dieselbe: Man rubbelt ab, was Wasser allein nicht entfernt.

Was sich geändert hat, ist nicht die Rasse oder Kultur, sondern die Infrastruktur. Wenn fließendes Wasser, billige Seife und eine Waschmaschine vorhanden sind, wäscht man sich. Wenn nicht, behilft man sich. Diesen materiellen Unterschied in eine sarracena Hierarchie umzuwandeln, ist der grundlegende Fehler des Videos und vieler Antworten.

Der doppelte Maßstab, den niemand sehen will

Die Paradoxie schließt sich selbst. Die Frau wird kritisiert, weil sie über den europäischen Geruch spricht, aber beleidigt wegen ihres Aussehens, ihrer Haare oder Kleidung. Man verlangt Respekt vor dem aufnehmenden Land, verweigert ihr aber das Recht, ihre Wahrnehmung zu äußern. Gleichzeitig verteidigt man die europäische Hygiene als überlegen, obwohl diese ein Erfolg des Wohlstands ist, nicht der Zivilisation.

Niemand geht daraus gestärkt hervor. Weder jene, die über Europäer verallgemeinern, noch jene, die über Peruaner verallgemeinern. Das Video ist eine Provokation, ja, aber auch ein unbequemer Spiegel: Es sagt laut, was viele leise über den „Anderen“ denken, mit dem Unterschied, dass hier der Andere antwortet.

Die offene Frage ist nicht, ob die U-Bahn schlecht riecht. Sondern warum es uns so sehr stört, wenn es jemand sagt, der gerade erst angekommen ist.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (122 Antworten).

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