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Pérez-Reverte löst mit Mittelmeer-Äußerung Kontroverse aus
Der spanische Autor Arturo Pérez-Reverte erklärt, „Europa verdiene, vom Mittelmeer rekolonisiert zu werden“, und löst damit einen Sturm unter Lesern und Kritikern aus.
Pérez-Reverte und das Mittelmeer: Der Satz, der seine Leser aufbringt
Kann ein erfolgreicher Romancier ein Werbeinterview in ein ideologisches Minenfeld verwandeln? Arturo Pérez-Reverte hat es geschafft – mit einer Äußerung, in der er erklärt, „Europa verdiene, vom Mittelmeer rekolonisiert zu werden“, und dass jedes Schlauchboot und jede Einwanderung diese südliche Kultur weiter ausbreite. Der Satz, den El Mundo als Vorschau auf seinen neuen Roman veröffentlichte, hat in sozialen Netzwerken und Foren einen Sturm entfacht, der über die Literatur hinausgeht: Er trifft einen identitären Nerv, berührt das imperialistische Gedächtnis und das stets heikle Thema Migration.
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Von denen, die ihn einen „verdrängten Roten“ nennen, bis zu denen, die ihm vorwerfen, vom Lob der spanischen Tercios zum Feiern dessen übergegangen zu sein, was sie als Invasion betrachten – das Spektrum der Kritik ist breit. Der Schriftsteller, der sich zunehmend als Teil der südlichen Kultur versteht, hat etwas Paradoxes erreicht: Er hat die patriotische Rechte ebenso verärgert wie die Linke, die ihm bereits Reaktionismus vorwarf. Ein fragwürdiger Verdienst.
Von Alatriste zur Rache des Mittelmeers
Die Wende ist nicht neu. In früheren Artikeln hatte er bereits angedeutet, dass das Mittelmeer dabei sei, sich Europa anzueignen. Was jetzt brennt, ist das Verb: rekolonisieren. Für einen Teil seiner Stammleser bricht diese Sprache den stillschweigenden Pakt mit dem Autor der Capitán-Alatriste-Abenteuer, jenem Universum aus Ehre, Tercios und Katholizismus, das viele als Unterhaltung konsumiert haben – und manche als identitäre Bekräftigung.
Manche halten Pérez-Reverte für einen ewigen Heckenschützen, dessen ironische Ader stets missverstanden werde. Andere sehen dagegen eine Entwicklung, die zu seiner Skepsis gegenüber der offiziellen Erzählung passt. Die Debatte zeigt jedenfalls, wie sehr Werk und Person verschmelzen, wenn der Autor sich politisch äußert.
Das Verlagsbusiness hinter der Kontroverse
Jenseits des Lärms ist die Abfolge ein Lehrbuch des Literaturmarketings: Interview in einem großen Medium, provokante Äußerung, Verbreitung in sozialen Netzwerken und ein Bekanntheitsschub, der mit dem Verkaufsstart zusammenfällt. Es ist nicht das erste Mal, dass ein Bestsellerautor mit kalkulierter Provokation verkauft. Der Roman, dessen Titel im Gespräch nicht genannt wird, erscheint in einem Moment, in dem die Migrationsdebatte auf ihrem Höhepunkt steht.
Verkaufszahlen tauchen in der Diskussion nicht auf, doch die Logik der Branche legt nahe, dass die Kontroverse ihm keine Leser kosten wird. Im Gegenteil: Viele, die die Botschaft kritisieren, werden das Buch am Ende kaufen, um ihre Verdächtigungen zu bestätigen. Es ist der alte Trick des Produkts, das von Ablehnung ebenso profitiert wie von Applaus.
Das Gedächtnis des Kriegsreporters
Im Hintergrund schwebt die Figur des Korrespondenten, der Konflikte auf dem Balkan berichtete und sich ein hartes öffentliches Image aufbaute. Dieses Bild, das manche für aufgesetzt halten, nährt das Misstrauen. Ihm wird vorgeworfen, den Krieg aus dem Hinterland erlebt zu haben, während andere junge Männer Gewehre in der Hand hielten. Die Anekdote, immer wieder in verschiedenen Tonlagen erzählt, dient dazu, den Mythos des Abenteurers zu entzaubern.
Die Diskussion über seine Authentizität ist untrennbar mit der Diskussion über seine Ideen verbunden. Und beide befeuern sich gegenseitig: Je mehr er als Person kritisiert wird, desto mehr festigt er sich als Figur.
Was von der literarischen Debatte bleibt
Wenig. Das Gespräch ist in Richtung Politik und Kränkung abgedriftet. Der neue Roman, der im Mittelpunkt stehen sollte, bleibt bloß Vorwand. In der Zwischenzeit wird der Satz über das Mittelmeer weiter kursieren, und jeder Leser entscheidet selbst, ob es eine Provokation, eine Prophezeiung oder nur ein beiläufiger Gedanke bei einem Gläschen Wein ist. Das Einzige, was sicher ist: Der Autor hat es wieder geschafft, dass über ihn gesprochen wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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