Nur 30 von 80.000 griechischen Vasen zeigen Homosexualität

Laut einer revisionistischen These deuten nur 30 der 80.000 griechischen Keramiken auf homosexuelle Inhalte hin. Die Debatte um Gesetze in Athen, Platon und Plutarch bleibt offen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Nur 30 von 80.000 griechischen Vasen zeigen Homosexualität
Nur 30 von 80.000 griechischen Keramiken verweisen auf Gaiität

In einer Vitrine hebt eine geflügelte Figur einen jungen Mann hoch. Für den eiligen Besucher ist es eine Entführung. Im Katalog hingegen trägt Zephyros, der Westwind, die Seele des Hyakinthos davon, nachdem er ihn versehentlich getötet hat und ihn im Begriff ist, in eine Blume zu verwandeln. Auf diesem Stück – und auf allen anderen – wurde eine der lautesten historiografischen Streitigkeiten der jüngsten Zeit aufgebaut: Ob das antike Griechenland Gaiität duldete oder bestrafte. Die kurze Antwort lautet: Es gibt keinen Konsens. Die lange Antwort dreht sich um eine Zahl, die wie ein Hammer wiederholt wird: Von den 80.000 Darstellungen griechischer Keramik, die bisher gefunden wurden, lassen nur etwa 30 eine Lesart mit homosenshomo Charakter zu. Der Rest, so argumentiert die revisionistische These, sei Rauschen, schlechte Übersetzung oder der Wunsch, etwas zu finden, das nicht existiert.

Die These der Null-Toleranz und die Studie, die sie stützt

Eine Strömung der Analyse vertritt die Ansicht, dass die alten Griechen eine Art Null-Toleranz gegenüber Beziehungen zwischen Männern anwandten. Sie stützt sich auf eine konkrete Arbeit, die Studie von Georgiades aus dem Jahr 2004 mit dem Titel „Gaiität im antiken Griechenland: Der Mythos bricht zusammen“, die behauptet, die Beziehung zwischen Mentor und Schützling zwischen einem Erwachsenen und einem Jugendlichen sei eine formative und väterliche Bindung gewesen, vergleichbar mit der unter Soldaten, ohne sens Komponente. Das Wort, mit dem diese brüderliche Zuneigung beschrieben wurde, habe nichts mit Sens zu tun, betonen sie.

In derselben Richtung wird behauptet, dass keine literarische Quelle aus der minoischen, mykenischen, archaischen, klassischen oder hellenistischen Epoche eine einzige explizite Verteidigung der Gaiität enthält, und dass ein großer Teil der kursierenden Bilder manipuliert oder aus dem Kontext gerissen ist. Manche gehen noch weiter und behaupten, moderne Stücke im griechischen Stil seien fabriziert worden, um die Erzählung zu nähren. Dies ist eine Anschuldigung, kein bewiesener Fakt, und sollte als solche behandelt werden: ein Verdacht, der ohne unabhängige Überprüfung geäußert wurde.

Was die Gesetze Athens laut Aischines und Demosthenes besagten

Das rechtliche Argument stützt sich auf zwei Redner. Aischines schrieb, nach dieser Lesart, dass jeder Athener, der eine Beziehung zu einem Homosenshomo hatte, verboten war, Priester oder Archon zu sein, religiöse Zeremonien oder bürgerliche Versammlungen zu besuchen, Ämter zu bekleiden oder an öffentlichen Reden teilzunehmen. Demosthenes bestätigte diese Normen. Die Strafe für deren Verletzung konnte bis zur Todesstrafe reichen.

Ein wichtiger Nuance, die die Diskussion selbst einführt: Manche vertreten die Ansicht, dass diese Gesetze den betroffenen Bürger nicht physisch bestraften, sondern ihm den Zugang zu öffentlichen Ämtern verwehrten, und dass die Todesstrafe nur bei Wiederholungstaten verhängt wurde. Der Unterschied ist erheblich. Eine Gesellschaft, die exekutiert, ist etwas anderes als eine, die marginalisiert, und fast die gesamte Diagnose hängt von der Präzision der Norm ab.

Nannte Platon die Beziehung zwischen Männern widernatürlich?

Die am häufigsten wiederholte These zitiert Platon selbst: Wenn sich ein Mann mit einer Frau fortpflanzend vereinigt, ist die Lust natürlich, aber sie wird widernatürlich, wenn er sich mit einem anderen Mann oder eine Frau mit einer anderen Frau vereinigt, und wer dies tut, ist für seine Schande verantwortlich. Diese Passage wird als zentraler Beweis verwendet. Auch wird daran erinnert, dass Platon es als Schwäche der Nicht-Griechen ansah, die Mentor-Schützling-Beziehung nicht zu nutzen.

Das Problem ist, dass die Auswahl der Zitate in beide Richtungen funktioniert. Aristophanes und Xenophon, wird betont, verspotteten Homosenshomo mit Beleidigungen, die heute unverzeihlich wären. Und der sogenannte Mythos von Laios stellt diese Beziehungen als Fluch dar. Bis hierher scheint die Erzählung der Verurteilung solide. Bis die Stücke auftauchen, die ihr widersprechen.

Plutarch, Xenophon und Phaedrus sagen das Gegenteil

Hier bricht die Erzählung zusammen. Plutarch schreibt, dass es kein Fehler ist, wenn die alten Dichter die Liebe Apollos zu Forbas, Hyakinthos und Admetos erzählen. Xenophon lobt die Beziehungen zwischen Waffenbrüdern, auch wenn er Armeen kritisiert, die sie zur Grundlage ihrer Ausbildung machen. Phaedrus verteidigt, dass die Bindung zwischen Männern den Mut vervielfacht: Kein Soldat ist so feige, dass er seinen Geliebten im Stich lässt. Platon führt im Phaidros sogar darauf zurück, dass diese Bindungen in Athen Tyrannen stürzen können.

Dort liegt der Stolperstein der Sache. Dasselbe antike Griechenland, das angeblich verbot und hinrichtete, produziert Texte, die diese Bindungen mit militärischer und heroischer Sprache feiern. Der Streit dreht sich nicht darum, ob sie existierten – sie existierten –, sondern darum, ob die Gesellschaft sie als marginale Praxis integrierte, sie als Bildungsritual segnete oder je nach Zeitpunkt und Stadt verfolgte.

Worum es dem Leser in dieser Polemik geht

Hinter den Keramiken und den gerichtlichen Reden steht ein zeitgenössischer Kampf: Wer hat das Recht, sich die Vergangenheit anzueignen. Eine Seite beschuldigt Historiker, aktuelle Kategorien auf eine Welt zu projizieren, die sie nicht hatte. Die andere antwortet, dass die Umschreibung der Geschichte schon immer die Norm war, und dass heute die Vergangenheit ebenfalls aus den Interessen der Gegenwart erzählt wird. Die Auswahl der Zeugnisse ist auf beiden Seiten so sorgfältig, dass selten das vollständige Ensemble zitiert wird.

Und es bleibt die verwirrende Tatsache, die den Kreis schließt: Wer behauptet, es gebe nicht eine einzige positive Erwähnung der Gaiität in der gesamten altgriechischen Literatur, muss gleichzeitig erklären, woher Plutarch, Xenophon, Phaedrus und Platon selbst aus dem Phaidros stammen. Entweder sind sie marginalisierte Ausnahmen, oder die Erzählung der universellen Verurteilung fällt auseinander.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (168 Antworten).

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