Drei Nord-Stream-Leitungen beschädigt: Niemand bekennt sich
Der Betreiber des Systems führt die Schäden nicht auf einen Unfall zurück. Er spricht von „beispiellosen“ Beschädigungen an drei Offshore-Leitungen des Nord Stream, die gleichzeitig verursacht wurden, und fügt hinzu, dass es unmöglich sei, abzuschätzen, wie lange die Wiederherstellung der Gasinfrastruktur dauern wird. Einfach ausgedrückt: Drei Stahlrohre am Grund der Ostsee, gleichzeitig geöffnet, und keine Behörde benennt einen Schuldigen mit Beweisen auf dem Tisch.
Von hier aus spalten sich die Analysen in zwei Lager, die kaum etwas gemeinsam haben. Das eine schaut nach Washington und London. Das andere zum Kreml. Und die Frage, die das Ganze ordnet, ist die alte, die in jedem Marktraum zählt: Wem nützt es?
Wer profitiert von der Zerstörung des Nord Stream?
Das am häufigsten wiederholte Argument gegen russische Urheberschaft lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Wer den Schlüssel hat, braucht keinen Sprengstoff. Es reicht, den Hahn zu öffnen oder zu schließen, um halb Europa frieren zu lassen. Eine Infrastruktur zu sprengen, die von Gazprom gebaut und bezahlt wurde, noch dazu in internationalen Gewässern, ergäbe keinen Sinn, wenn das Gas über andere Routen umgeleitet werden kann und das wenige verbleibende Angebot teurer gehandelt wird.
Gegenüber steht die Lesart, die CNN veröffentlichte: Laut einem hochrangigen zivilen und einem militärischen US-Beamten ist Russland weiterhin der Hauptverdächtige, da kein anderer Akteur die Fähigkeit und den Willen habe, die Operation durchzuführen. Und es gibt einen dritten, prosaischeren Weg, der auf Moskau zeigt, aus wenig heroischen Gründen. Wenn die Pipeline gebrochen ist, muss Gazprom keine Entschädigung für Lieferausfälle zahlen, der Schiffsverkehr in der Zone wird kompliziert, und Chaos wird an manchen Tischen höher bewertet.
Die Baltic Pipe, die am selben Tag eröffnet wurde
Ein Detail taucht immer wieder in den Analysen auf und ist kein Zufall: Während die Lecks entdeckt wurden, weihten Polen und Dänemark die Baltic Pipe ein, die Leitung, die 10 Milliarden Kubikmeter norwegisches Gas pro Jahr nach Polen bringen soll. Eine neue Röhre als Ersatz für die russische, präsentiert genau in dem Moment, als die russische bricht. Diese Koinzidenz hat alle möglichen Interpretationen genährt, einschließlich der These, dass das eigentliche Ziel die neue Leitung war und der Angriff daneben ging. Weder diese Hypothese noch irgendeine andere ist bestätigt.
Wie sabotiert man eine Gaspipeline: Die Spur des Pigs
Die technischste Version, die kursiert, deutet auf das Pig hin, das Gerät, das zur Reinigung und Inspektion durch die Rohrleitung geschickt wird. Man steckt den Apparat mit einer Sprengladung hinein, startet ihn von einem Zugangspunkt und riskiert nicht, beim Einsatz erwischt zu werden. Wie viele Türen hat das System? Für die Verfechter dieser These sind es zwei: die deutsche Seite und die russische Seite. Dieses Detail, das nebensächlich erscheint, macht jede Zuschreibung zu einem Glaubensbekenntnis.
Die Ostsee, ein Meer, das die NATO überwacht
Reine Geografie. Die Ostsee ist seit dem Zweiten Weltkrieg ein Raum, der von NATO-Ländern oder ihnen verbündeten Staaten kontrolliert wird: Dort bewegt sich kein U-Boot, ohne dass jemand es hört. Deshalb, so argumentiert eine der meistzitierten Strömungen, kann ein Angriff dieser Größenordnung nur von jemandem stammen, der dieses Meer beherrscht, nicht von jemandem, der seine U-Boote aus arktischen Basen herausziehen muss, um nicht in einer Falle zu landen. Wer die russische Urheberschaft verteidigt, antwortet mit einem einfacheren Argument: Moskau verfügt ebenfalls über U-Boote und die Fähigkeit, in diesen Gewässern zu operieren.
CNNs drei Tage und die Propaganda vor den Beweisen
Der Kampf spielt sich auch im Kalender ab. Die Informationen, die Russland als Hauptverdächtigen nennen, brauchten drei Tage, bis sie veröffentlicht wurden. Für einen Teil der Analyse schließt diese Verzögerung Washington aus: Wenn die Leckage den Amerikanern zugutekommt, hätten sie nicht 72 Stunden gewartet. Andere Interventionen zeigen das Gegenteil: Propaganda unterschiedlicher Art zirkulierte bereits vom ersten Moment an in den sozialen Medien, bevor es überhaupt Daten gab.
Historische Analogien häufen sich in denselben Spekulationen: Das Maine, der Golf von Tonkin, Episoden, die dienten, um einen Krieg zu rechtfertigen, bevor es einen einzigen Beweis gab. Und der Vorwurf geht in beide Richtungen, je nachdem, wem man glaubt.
Was Europa der Sabotage kostet
Unabhängig von der Urheberschaft vertreten einige die Ansicht, dass der europäische Verbraucher in jedem Szenario der Verlierer ist. Die Analysen betonen, dass Deutschland das tragende Element ist und dass der Ausfall einer seiner Versorgungswege den Euro und die Industrie des Kontinents mitreißt. Der meistverwendete Ausdruck ist, Europa auf die Knie zu zwingen, mit dem üblichen Nuancierung: Die einen sehen das Knie in Moskau, die anderen in Washington.
Das Einzige, was niemand bestreitet
Mit oder ohne Beweise bleibt die verifizierbare Tatsache die aus der ursprünglichen Meldung: Drei Offshore-Leitungen wurden gleichzeitig beschädigt, „beispiellose“ Schäden und keine Schätzung, wann das Gas wieder fließen wird. Der Rest ist vorerst geopolitisches Nachmittagsplaudern. Und das verwirrende Detail: Die einzige Energieinfrastruktur, die an diesem Tag tatsächlich eingeweiht wurde, war diejenige, die norwegisches Gas nach Polen bringt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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