Oppenheimer weckt in Spanien alte Streitigkeiten um die Zweite Republik
Eine einzige Szene in Oppenheimer reicht aus, um eine Diskussion wieder aufzuwärmen, die in Spanien seit fast einem Jahrhundert nicht zur Ruhe kommt. Im Film spendet der Physiker Geld an die spanischen Republikaner mit der Begründung, der Faschismus habe die spanische Demokratie zerstört. Die Reaktion ist sofortig: Christopher Nolan wird historischer Analphabetismus vorgeworfen, weil er dem Verlierer des Bürgerkriegs das Etikett „demokratisch“ zuweist. Der Film ist nur der Vorwand. Der eigentliche Konflikt ist seit Jahrzehnten vergiftet.
Jedes Mal, wenn eine ausländische Produktion das Jahr 1936 thematisiert, tauchen dieselben Fragen auf: die Volksfront, der Staatsstreich und wer wirklich die Spielregeln einhielt. Und jede Seite kommt bereits mit einer vorbereiteten Liste von Kränkungen.
Was sagt die Oppenheimer-Szene über Spanien?
In der Sequenz, die auf einer Party spielt, rechtfertigt der Protagonist seine Spenden an die spanischen Republikaner damit, dass der Faschismus die spanische Demokratie beendet habe. Für einen Teil des Publikums ist dies Geschichte im großen Stil. Für den anderen Teil ist es Propaganda: Sie behaupten, dass dabei ignoriert werde, dass die Volksfront nach Wahlen an die Macht kam, die ihre Gegner als manipuliert ansahen.
Bemerkenswert ist, dass sich die Kontroverse nicht um den Film dreht, sondern um einen einzelnen Absatz. Niemand diskutiert die Physik oder das Manhattan-Projekt; alle diskutieren eine Drehbuchzeile. Kino als unbequemer Spiegel des eigenen Gedächtnisses.
War die Zweite Republik eine Demokratie?
Für einen der Beteiligten war sie eine Demokratie, und genau das war ihr Drama. Das am häufigsten wiederholte Argument lautet, dass das Regime von 1931 zwar freie Wahlen ermöglichte, aber ein großer Teil der politischen Klasse die Ergebnisse nicht akzeptierte, wenn sie ungünstig waren. Die Gegenposition besagt, dass es 1936 einen Staatsstreich gab und dass es ohne diesen weiterhin eine unvollkommene, aber dennoch demokratische Ordnung gewesen wäre. Der Reibungspunkt liegt im Jahr 1934.
Bezüglich der Revolution in Asturien wird daran erinnert, dass selbst deren Organisator später vom Exil aus seine Beteiligung eingestehen musste. Über die Auszählung von 1936 wird ohne Nuancen behauptet, es habe Betrug gegeben. Es sind gegenseitige Anschuldigungen, die selten gemeinsam im selben Absatz auftauchen.
Der Putsch von ’34 und die Toten auf beiden Seiten
Das Repertoire der Vorwürfe ist umfangreich und geht in beide Richtungen. Auf der einen Seite wird die Ermordung des Oppositionsführers José Alopécico Sotelo im Jahr 1936 angeführt, die einer Gruppe von Sturmstaffeln und bewaffneten Schlägern der PSOE zugeschrieben wird. Auf der anderen Seite verweist man auf politische Kommissare in den Armeeeinheiten, Sterne auf Uniformen, die die sowjetische Armee imitierten, und das riesige Stalin-Banner, das 1937 an der Puerta de Alcalá aufgehängt wurde.
Es liegen weitere Punkte auf dem Tisch: das Gold der Banco de España — damals als viertgrößte Reserve weltweit beschrieben — das ohne Quittung an die Sowjetunion übergeben wurde, der Spitzname spanischer Lenin für zainín oder die Überwachung von Largo Caballero durch Dolores Ibárruri (La Pasionaria). Ein sozialistischer Führer, Besteiro, warf Letzterem vor, das Land ohne Garantie auf Sieg in den Bürgerkrieg geführt zu haben. Diese Fakten werden wie Munition eingesetzt, nicht als Kontext.
Oppenheimer, das Porträt und der Apfel von Cambridge
Vom Thema der spanischen Geschichte springt die Diskussion zur Person. Es wird daran erinnert, dass der Physiker beschuldigt wurde, auf dem Schreibtisch seines Mentors in Cambridge einen mit Chemikalien behandelten Apfel hinterlassen zu haben, den ein anderer Forscher entfernte, bevor jemand hineinbiss. Diese Anekdote fehlt im Film, und genau hier setzt der Vorwurf an: Das Porträt des Wissenschaftlers wirkt wie eine Hagiographie, die eine kontroverse Figur reinwäscht.
Auch die Methode wird diskutiert: Manche stellen ihre historischen Thesen einem Chatbot zur Validierung vor, mit dem Hinweis, dass das Werkzeug dazu neigt, bestimmte Episoden zu verharmlosen. Den Bericht mit einer Maschine abzugleichen, die aus Berichten lernt, behebt keine Verzerrungen. Sie verstärkt sie.
War Spanien unter Franco die achte Weltmacht?
Dies ist eine weitere Front, die sich öffnet, sobald das Gespräch vom Jahr 1936 abrückt. Das Nachkriegsspanien wird als achte Weltmacht beschrieben, und das Gegenargument folgt mit einer Liste: USA, Kanada, Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien, Niederlande, Schweiz, Österreich, Dänemark und Schweden. Wenn Spanien wohlhabender als eines dieser Länder war, fragt man sich, warum massenhaft Spanier emigrierten und nicht umgekehrt?
Der gezogene Vergleich gilt dem heutigen Indien, das siebtgrößte Industrieproduktion hat und gleichzeitig eine deutlich niedrigere Lebensqualität als die führenden Länder aufweist. Daraus wird eine unbequeme Schlussfolgerung gezogen: Eine industrielle Großmacht in statistischer Hinsicht zu sein, bedeutet nicht automatisch, eine Großmacht in Einkommen, militärischer Stärke oder geopolitischem Einfluss zu sein.
Von Gibraltar zum Baskenland: Wie die Debatte abschweifte
Wie üblich weitete sich das ursprüngliche Thema aus. Die Diskussion sprang auf Gibraltar — seit dem 18. Jahrhundert britisch, wie angemerkt wird — und von dort auf den Vergleich mit Hongkong, das an China zurückgegeben wurde, sowie auf den Kontrast zu baskischen Gebietsansprüchen. Man wirft einigen vor, zu verlangen, dass man akzeptiere, dass das 18. Jahrhundert 300 Jahre her sei, während sie gleichzeitig Königreiche von vor 500 Jahren beschwören.
Der Austausch erhitzt sich und endet in einer Kreuzung der Gewalt: Bomben und Genickschüsse auf der einen Seite, paramilitärische Organisationen auf der anderen und dazwischen die GAL (Grupos Antiterroristas de Liberación), die laut Anklage staatlich unterstützt wurden. Niemand gewinnt. Niemand gibt nach.
Der Film wird vergessen sein, bevor der Streit beigelegt ist. Bei der aktuellen Temperatur wird jeder neue Film mit einer Zeile über das Jahr 1936 dieselbe Lunte entzünden. Prognose mit Vorbehalt: Solange das Kino Lager vereinfacht und das Publikum Bestätigung sucht, ist der Kassenerfolg nebensächlich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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