Netex stagniert bei 5,10 Euro nach 90% Rendite
Netex war ein kurzfristiger Erfolg, aber eine Illusion für Langfrist-Investoren. Das Unternehmen aus A Coruña, oft als erstes spanisches EdTech-Unternehmen bezeichnet, kletterte von etwas über 2 Euro pro Aktie auf 5,10 Euro, was einer Rendite von fast 90% in wenigen Monaten entspricht. Der Markt für Online-Bildung verzeichnete in Spanien ein Wachstum von 28% im Vergleich zum Vorjahr, begünstigt durch die Pandemie, was den Kursanstieg auslöste. Damit stellte sich auch die unbequeme Frage: Was hindert Google, Amazon oder Microsoft daran, ein Unternehmen mit nur 140 Mitarbeitern zu überrunden?
Netex: Von A Coruña in die Welt mit 140 Mitarbeitern
Das Unternehmen wurde 1997 gegründet, als das Internet in Spanien noch eine Nischenerscheinung war und es nur etwa 300.000 Nutzer gab. Die Gründer Carlos Ezquerro und José Ramón Mosteiro bauten das Geschäft in A Coruña auf; heute ist der Hauptsitz dort (Oleiros), mit Büros in Madrid, Barcelona, London, Indien und Mexiko. Die Belegschaft umfasst über 140 Mitarbeiter. Im Forum wurde ein Umsatz von rund 10 Millionen Euro diskutiert, eine Zahl, die Skeptiker anzweifelten, da sie nicht zum Bild eines multinationalen Konzerns passte.
Das eigentliche Geschäft ist weniger spektakulär, aber solide: Netex ist technologischer Partner von Santillana, integriert Microsoft Teams, Google Meet und Zoom in seine Bildungsplattform und schult Mitarbeiter von Amazon, Santander, Inditex oder Descendientes de Rivera. Es ist kein Garage-Startup, aber auch kein Gigant.
Wie stark wächst die Online-Bildung in Spanien?
Die Branche verzeichnete ein Wachstum von 28% gegenüber dem Vorjahr, und die Zahl der Erstkäufer digitaler Produkte stieg um 144%. Angesichts möglicher Schulschließungen in Katalonien erwartete der Markt zahlreiche institutionelle Aufträge. Netex erhielt solche Verträge: einen Deal mit der CEU-Universität und den Zuschlag für digitale Inhalte der Klassenstufen 3 und 4 im Sekundarschulbereich in Galizien, wo man sich gegen Planeta durchsetzte.
Einige sehen dies als den wahren Treiber an, den Rest als Rauschen. Dagegen spricht ein pragmatischer Fakt: Schulen bleiben offen, weil Eltern ihre Kinder nicht ganztags zu Hause betreuen können, und Präsenzunterricht lässt sich nicht per Dekret ersetzen.
Eine Nussschale im Meer voller Flugzeugträger
Hier liegt der Kern des Problems. Ein Unternehmen mit 140 Mitarbeitern kann einen Kursgewinn erzielen, übernommen werden oder wachsen, konkurriert aber in einem Ozean mit Schwergewichten. Eine im Forum verbreitete Analogie ist vernichtend: Es ist wie 2010 in Tuenti zu investieren, weil soziale Netzwerke großes Potenzial hatten. Dass eine Branche boomt, bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen erfolgreich wird. Zudem gibt es Hinweise darauf, dass Google bereits an einer eigenen Lernplattform arbeitet.
Kritiker sehen die Berechnung des Wettbewerbsvorteils als schwächsten Punkt: Das Geschäft basiert auf Verträgen, die jeder globale Konkurrent mit mehr Ressourcen replizieren kann.
Proeduca: Der Rivale, der bereits Dividenden zahlt
Der Vergleich ist unvermeidlich und fällt zugunsten von Proeduca aus, das deutlich größer ist: Proeduca hat einen Marktwert von über 700 Millionen Euro, tausende Mitarbeiter, zahlt Dividenden und betreut über 50.000 Schüler in mehreren Ländern mit offiziellen Abschlüssen. Netex ist kleiner, riskanter und hat kurzfristig mehr Wachstumsaussichten, aber wer Stabilität sucht, schaut anderswo. Alicia Koplowitz, eine der größten Aktionäre, hat ihre Beteiligung kürzlich erhöht.
Hauptversammlung März 2021 und die 245%-Zielmarke
Laut einer Zusammenfassung der Hauptversammlung vom März 2021, die ein Forennutzer teilte, gab das Management klare Ziele vor: Personalabbau in den USA, ein Büro in New York, operative Tätigkeit in Brasilien bis Quartalsende, jährliches Wachstum von 30% und ein Gewinnziel von 245% gegenüber dem Vorjahr. Zudem wurden über 60 Kontakte für mögliche Übernahmen genannt, mit dem Ziel, noch im selben Jahr einen Deal abzuschließen. Am 18. Mai 2021 wurde die Vereinbarung zur Übernahme von Virtual College angekündigt.
Die gesamte internationale Expansion, Vertrag für Vertrag, wird detailliert außerhalb der Bilanz verfolgt. Diese feinen Details entscheiden darüber, ob die Erzählung trägt.
Mit der Aktie, die bei 5,10 Euro stagniert, und einer hohen Bewertung nach Ansicht des Verkäufers im Forum, haben Käufer, die bei 2 Euro eingestiegen sind, ihr Geld verdient. Nach ihrer Lesart sind 6 oder 7 Euro plausibel, wenn die Übernahme abgeschlossen wird, der US-Markt startet und ein großer Kunde hinzukommt. Wenn nicht, bleibt die Aktie ruhig und wartet auf Nachrichten, die möglicherweise nie kommen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
Die ganze Diskussion lesen (279 Antworten).