Die Ernährung mittelalterlicher Bauern: viel Brei, wenig Fleisch
Der mittelalterliche Bauer aß nicht besser als Sie. Mit Glück gab es jeden Tag etwas zu essen. Diese oft wiederholte Annahme, wenn man die heutige Ernährung mit der der Vorfahren vergleicht, scheitert an einer landwirtschaftlichen Tatsache, die fast alles erklärt: Ein Weizenkorn brachte damals 3 oder 4 Körner ein, heute sind es 25 oder mehr. Bei dieser Marge war Brot kein günstiges Grundnahrungsmittel. Es war ein Luxusgut, das rationiert wurde.
Wie viel Getreide eine Saat im Mittelalter erbrachte
Die Rechenregeln des Getreides ordneten das gesamte Leben. Von jeder Ernte musste ein Teil für die Aussaat im nächsten Jahr abgezweigt werden, ein anderer für den Zehnten und ein weiterer für den Grundherrn. Wenn eine Ernte ausfiel, musste die Familie wählen: Den reservierten Anteil essen und riskieren, nichts säen zu können, oder säen und den Winter so gut wie möglich überstehen. Zwei schlechte Ernten in Folge entvölkerten Dörfer, und davon zeugen noch Spuren in der Geografie: In Spanien gibt es viele Siedlungen, die einst existierten und nun verschwunden sind.
Gängige Berechnungen gehen von einer Produktivität von 3 oder 4 Körnern pro gesätem Korn aus, im Vergleich zu den heutigen 25. Das englische Gedicht Über die harten Zeiten, verfasst um 1321, dokumentierte den Schock: Ein Scheffel Weizen kostete zeitweise vier Schillinge oder mehr, während er zuvor für einen Bruchteil dieses Preises erhältlich war. „Das Herz eines Mannes könnte bluten, wenn er den Schrei der Armen hört“, heißt es im Text.
Was auf dem Tisch der Bauern wirklich stand
Brot wurde einmal pro Woche gebacken. Die Basis bildete der Brei: Hafer, Hirse, Mais oder Roggen, gekocht mit Wasser. Brot zu essen war bereits ein Luxus, und nicht nur im Mittelalter: Im ländlichen Spanien des 20. Jahrhunderts erinnerten sich manche noch daran, mit dem Tagelöhner, den man bezahlen musste, und dem unbearbeiteten Feld. Damit man das Ganze hinunterbekam, musste Fett zugefügt werden. Speck, Schmalz, Käse, Butter. Ohne diese Zutaten war die Ernährung buchstäblich ungenießbar.
Auf dem Tisch standen jedoch Gemüse und Hülsenfrüchte: Rüben, Kohl, Bohnen, Erbsen, Kichererbsen und Linsen sowie Nüsse wie Mandeln, Haselnüsse und Walnüsse. In Häusern mit etwas Land sorgten zwei Schweineschlachtungen pro Jahr für Blutwurst, Chorizo und Filet, und Schafmilch wurde zu Käse und Quark verarbeitet. Konserven beschränkten sich auf Marinaden und Oliven in Salzlake.
Fleisch im Mittelalter: Wer konnte es sich leisten?
Es herrscht Einigkeit darüber, dass der Fleischkonsum gering war, aber nicht über die Ursache. Eine häufig genannte Schätzung geht von einer Portion rotes Fleisch pro Woche aus, und selbst das hing vom Glück ab. Geflügel – Hühner, Enten, Gänse – und Kaninchen waren eher zugänglich, und Wild war reichlich vorhanden, bis es in der Renaissance als Angelegenheit der Reichen galt und als gesellschaftliches Privileg abgeschottet wurde.
Fisch war eine Delikatesse der Küstenregionen. Im Landesinneren blieben Forelle und teure Salzfische wie Sardinen und Thunfisch. Ein mediterraner Bauer mit Ochsen, einer Mühle und einem nahen Markt hatte nichts gemeinsam mit einem Bauern im Norden, dessen Boden halb erfroren war. Die mittelalterliche Ernährung war vor allem eine Frage der geografischen Lage.
Zähne als Indizien: Skorbut, Rachitis und Mutterkorn
Der beste Beweis dafür, dass dies kein Paradies war, liegt in den Körpern. Von Cervantes ist bekannt, dass er nach eigenen Angaben kaum Zähne hatte. Ludwig XIV. litt seit seiner Jugend an Skorbut. Karl II. zeigte Anzeichen von Rachitis, also Vitamin-D-Mangel. Knochenfunde aus der Epoche belegen Fälle von Skorbut und Rachitis, besonders in städtischen Gebieten mit eintöniger Ernährung.
Hinzu kamen verschmutztes Wasser, Botulismus durch verdorbenes Fleisch und Ergotismus durch mit Mutterkorn kontaminierten Roggen. Die Säuglingssterblichkeit war brutal, und Infektionen ohne Antibiotika töteten jeden. Man starb nicht täglich vor Hunger, lebte aber auch nicht in einer Vorratskammer.
Galicien war nicht Kastilien: Ernährung als Frage der Karte
Das innere Galicien, mit reichlich Regen und fruchtbarem Boden, schützte jeden Zentimeter Anbaufläche und verfügte über eine der produktivsten Fischereiküsten. Die Hochebenen Kastiliens ermöglichten nur die Beweidung von Schafen und Ziegen sowie eine jährliche Weizenernte. Dieser Kontrast zieht sich durch ganz Europa, vom mediterranen Garten bis zum nordischen Wurzelgemüse-Esszimmer.
Darüber hinaus gab es ein Engpass bei der Viehhaltung. Verstreute Schafe und Ziegen auf den Bergen machten es unmöglich, Dung zur Düngung zu sammeln, und die Stallhaltung setzte erst ein, als die Eisenbahn den Transport von Luzerne vom Ebro-Tal zu den Molkereien in Madrid rentabel machte. Die englische Agrarreform Ende des 18. Jahrhunderts basierte genau auf einer Erhöhung des Tierbestandsverhältnisses.
Was lässt sich schlussfolgern?
Mit diesen Fakten passt die Antwort darauf, wer besser aß, nicht in eine Zeile. Der mittelalterliche Bauer hatte keine Vielfalt, keine Konservierungsmöglichkeiten und keinen regelmäßigen Fleischkonsum; er nahm auch keine Additive, wiederverwendete Öle oder zugesetzten Zucker zu sich. Sein Problem war nicht die Qualität, sondern die Menge und die Fragilität des Systems.
Wahrscheinlich wird der Vergleich noch jahrelang Schlagzeilen liefern, denn keiner der beiden Tische bleibt unversehrt. Die heutige Ernährung ist üppiger und sicherer, aber gleichzeitig homogener und ernährungsphysiologisch umstritten. Was niemand bestreitet: Niemand tauscht heute seinen Kühlschrank gegen einen Topf Brei. Noch nicht.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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