Mieten und Einwanderung: Spaniens angenommener "Verdrängungseffekt" ohne Belege

Es wird als selbstverständlich angenommen, dass Mietbeschränkungen Migranten vertreiben und alles im Schwarzmarkt endet, obwohl die Zahl von einer Million Menschen ohne Papiere keine Quelle hat.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Mieten und Einwanderung: Spaniens angenommener "Verdrängungseffekt" ohne Belege
Der Mietmarkt wird straffer, ein Verdrängungseffekt gilt als sicher

Ein Account, der sich als "Spanien für die Spanier" ausgibt, veröffentlichte eine Nachricht, die sich über seine eigene Parole lustig machte —"Ratschläge gebe ich gern, nur für mich selbst nehme ich keine"— und dabei seinen Wunsch nach Abschiebungen durchscheinen ließ. Daraus entwickelte sich ein Gespräch, das den Tweet bald verließ und sich auf handfestere Gefilde begab: Mieten, einzeln vermietete Zimmer und wer am Ende dafür zahlt. Die These, die sich durchsetzte, war verführerisch: Werden die Mietregeln verschärft, vor allem die für Zimmervermietungen, könnte der Markt als Mechanismus zur Vertreibung der Migrantenbevölkerung wirken. Die Euphorie hielt genau so lange, wie jemand braucht, um sich umzusehen. Eine Million Menschen ohne Papiere, hieß es in einer Nachricht, lebten und arbeiteten bereits hier, ohne dass etwas geschah.

Kann der Mietpreis Migranten vertreiben?

Die Hypothese kursiert mit mehr Nachdruck, als sie wahrscheinlich verdient. Es wird behauptet, dass eine Einschränkung der Zimmervermietung —das Format, das einen Großteil der neu angekommenen Nachfrage aufnimmt— die Wohnungssuche verteuert oder den Zugang für alle, die einen Schlafplatz suchen, gleich ganz verschließt. Das Argument hat seine Logik. Das Problem: Dieser Verdrängungseffekt würde bereits seit einiger Zeit wirken, ohne dass ihn jemand gemessen hätte. Wenn es schon eine Million Menschen ohne Papiere gab, die unter prekären Bedingungen arbeiteten und schliefen, würde die Regel niemanden vertreiben, sondern dasselbe Chaos nur neu ordnen.

Ein unbequemes Detail verdient Betonung: Diese Zahl wird von keiner offiziellen Quelle gestützt. Es ist eine in den Raum geworfene Schätzung, die so wiederholt wird, wie Zahlen wiederholt werden, die bestätigen, was man ohnehin glaubt.

Der Schwarzmarkt, der als selbstverständlich gilt

Hier ist der Konsens fester. Die vorherrschende Prognose lautet, dass alles schwarz vermietet wird: Verträge unter dem Radar, nicht erfasste Preise und das Recht des Stärkeren, wenn es darum geht, Vereinbarungen durchzusetzen. Die Zimmervermietung wird, weit davon entfernt zu verschwinden, weiterbestehen, genau wie bisher. Die Regel ändert das Papier; die Notwendigkeit ändert sich nicht.

Manche lesen das alles als politische Operation statt als Wohnungspolitik und führen die Beschränkungen auf eine Erzählkampagne zurück. Ob dem so ist oder nicht: Es ist der Teil der Analyse, der am wenigsten Diskussion auslöst und Gesetzgeber am meisten beunruhigen sollte. Eine Regel, die sich nicht durchsetzen lässt, ordnet nicht mehr den Markt, sondern nur noch den Diskurs.

Wer geht und wer bleibt

Die Positionen trennen sich, sobald es um die Frage des Weggehens geht. Manche halten es für selbstverständlich, dass niemand je geht, außer mit Gewalt: So sehr Spanien sich auch verschlechtere, argumentieren sie, dürfte es kaum schlimmer werden als der Ausgangspunkt. Andere antworten mit einer anderen Logik: Wenn das Ziel dasselbe bietet wie die Herkunft, nur teurer, schrumpft der Grund zu bleiben.

Keine dieser Positionen lässt sich mit den verfügbaren Daten beenden. Alle stützen sich auf dasselbe: Intuition und eine Handvoll bekannter Fälle.

Käufer mit Liquidität und Wohnungen mit Rabatt

Der konkreteste Teil der Diskussion betrifft die Eigentümer. Die Erwartung ist, dass verängstigte Vermieter wegen der neuen Regeln verkaufen und diese Wohnungen in die Hände von liquiden Käufern gelangen, die bereit sind, den Rabatt mitzunehmen. Danach würden dieselben Käufer sie vermieten, verwaltet von Dritten oder direkt von eben jener Migrantennachfrage, die angeblich weggehen sollte. Das ist keine neue These: Es ist das Drehbuch, das jedes Mal angewendet wird, wenn eine Regel den Anbieter bestraft.

Dort stockt alles. Wie viele gehen würden, wie viele Mietverhältnisse in die Schwarzkasse rutschen und wie viele Eigentümer verkaufen würden, sind Fragen ohne Antwort. Auch die Zahl, die alles ins Rollen brachte, hat keine: diese eine Million Menschen ohne Papiere, die sich niemand die Mühe macht zu überprüfen. Über die Folgen einer Regel wird gestritten, ohne zu wissen, wie viele Menschen sie überhaupt betrifft.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (18 Antworten).

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